Innerhalb weniger Jahre ist Zalando zu einem erfolgreichen Online-Anbieter für Mode geworden. Wie, Philipp Erler, funktioniert Ihr Erfolgsgeheimnis?
Als Zalando 2008 startete, griff das Unternehmen noch auf ein Shop-System von der Stange zurück. Um Mode im Internet jedoch perfekt den Kunden- und Markenwünschen entsprechend darzustellen und mit der rasanten Entwicklung in Sortiment und Wachstum Schritt zu halten, war der Wechsel auf eine vollständig in-house entwickelte Plattform nötig. Diese bildet heute das Herzstück von Zalando und reicht vom Shop über die Logistik bis zur Einkaufssoftware. Die Technologie-Abteilung ist unterdessen eine der treibenden Kräfte in unserem Unternehmen.

Worauf setzen Sie denn konkret?
Die E-Commerce-Plattform des Unternehmens basiert vor allem auf Open-Source-Technologien. Zusätzlich nutzen wir verschiedene Tools, Frameworks, Bibliotheken und Skriptsprachen. Wenn wir weiterhin wachsen und auf dem Markt Erfolg haben wollen, müssen wir unsere Technologien ständig weiterentwickeln und beispielsweise neuen Gegebenheiten, wie dem steigenden Anteil an Zugriffen von mobilen Endgeräten, anpassen.

Die Technologie ist also das Herzstück Ihrer Unternehmung?
Ja und nein. Um Erfolg zu haben, müssen wir ganz nah am Markt operieren. Dabei gilt es immer, aus Sicht des Kunden zu denken und dessen Bedürfnisse und Wünsche im Auge zu behalten. Wir machen das alles ja nicht für Roboter, sondern für Menschen in ganz Europa – also für unsere Kunden.

Wie arbeiten denn Ihre IT-Leute?
Wenn Sie im IT-Bereich erfolgreich sein wollen, müssen sich die Mitarbeitenden entfalten können, um kreative Ideen zu entwickeln. Dazu braucht es Teammitglieder mit unterschiedlichen Kulturen, Fähigkeiten, Stärken und unterschiedlichen Ausbildungen. Das ist die Grundlage für den Erfolg. IT beinhaltet dabei auch das Produktmanagement, wobei auch hier immer der Kunde im Fokus stehen muss. Unsere IT-Beschäftigten arbeiten nicht «im Elfenbeinturm».

Wir sprechen unsere Kunden auch auf der Strasse oder in Coffeeshops an und zeigen neue Ideen oder einfache Prototypen, um herauszufinden, wo deren Bedürfnisse liegen. Wir testen vieles in kurzen Zyklen auch direkt auf der Shopseite, um zu sehen, wie neue Features bei den Kunden ankommen. Nur so vermindert man das Risiko, dass man sich verrennt und unter Umständen komplett am Markt vorbeiproduziert.

Zusätzlich setzen wir alles daran, bei unseren Kunden Feedbacks einzuholen. Im Zentrum steht die Frage, welchen Mehrwert unsere Anstrengungen den Kunden bringen: Was können wir noch besser machen, wo gibt es zusätzliches Optimierungspotenzial. Werfen wir einen Blick zurück.

Wie hat denn alles angefangen?
2008, als das Unternehmen gegründet wurde, war der Verkauf von Schuhen oder Mode über das Internet kaum vorstellbar. Online-Shopping galt als kompliziert und unsicher. Heute bieten wir unseren Kunden in 15 europäischen Ländern unzählige Produkte von über 1500 Marken an, die bequem und sicher eingekauft werden können, egal ob am Computer, Tablet oder Smartphone – von jedem Ort aus und zu jeder Zeit.

Das ist nichts Ungewöhnliches mehr, sondern Alltag für die meisten Menschen und hierzu hat Zalando sicherlich einen wichtigen Beitrag geleistet. In unserem Sortiment finden Kunden nicht nur bekannte Trendmarken oder Mode lokaler Designer. Die kreativen Köpfe unserer eigenen Labels entwerfen auch selber Designs. Verschickt wird aus den eigens konzipierten Logistikzentren. Unser Service kümmert sich dabei kostenfrei und rasch um alle Kundenwünsche. Im Fokus steht dabei immer der Gedanke, unseren Kunden das bestmögliche Online-Einkaufserlebnis anzubieten.

Was macht denn einen Online-Shop so erfolgreich?
Das sind mit Sicherheit viele Faktoren vom Sortiment über die Produktdarstellung bis hin zum Service. Für mich als Leiter der Technologieabteilung ist besonders der reibungslose Ablauf aller dahinter stehenden Prozesse entscheidend. Unsere IT bildet die Grundlage für nahezu alle Arbeitsabläufe. Bei uns beginnt dies bereits im Einkauf – unsere Kollegen arbeiten hier mit einem selbst entwickelten Tool – und greift weiter in alle Prozesse bis hin zur Steuerung unserer massgeschneiderten Software und den Abläufen in den Logistikzentren.

Natürlich spielen der Kunde und seine Erfahrung in unserem Shop auch hier eine wichtige Rolle, egal ob smarte Suchfunktion, treffende Produktempfehlung oder Grössenberatung. Durch unsere technologischen Lösungen können wir das Einkaufserlebnis unserer Kunden massgeblich mitgestalten. Denn der Kauf von Mode und Schuhen ist vor allem ein emotionales Erlebnis. Mittel dazu ist eine effiziente und ausgereifte Technologie, die wir über unser Team zu grossen Teilen in-house aufgebaut haben und nun gemeinsam mit den Fachabteilungen kontinuierlich weiterentwickeln.

Erfolgsgeheimnis

Tipps von Philipp Erler

Um im IT-Bereich erfolgreich zu sein, muss immer der Kunde im Mittelpunkt stehen. Für den Aufbau wesentlicher interner Prozesse setzen wir auf eine leistungsfähige Technologieplattform, die auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden und für die interne Software auch auf die Anforderungen unserer Fachabteilungen zugeschnitten ist.

Diese Kernstärken werden durch weitere Ressourcen, beispielsweise in der Logistik, ergänzt. Um im IT-Bereich erfolgreich zu sein, muss man Fortschritt aktiv fördern und im Arbeitsalltag integrieren. Ein essenzielles Stichwort hierbei ist das Testen. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Ansätzen, um das Einkaufserlebnis für unsere Kunden noch informativer und bequemer zu gestalten.

Krea­tive Ideen setzen wir deshalb schnell um, bauen Prototypen oder testen live auf der Seite für einen kleinen Kundenteil. Wichtig ist, keine Angst vor Fehlern zu haben und Dinge auszuprobieren, um Erfahrungswerte zu generieren und daraus die Plattform ständig weiterzuentwickeln. Um im IT-Bereich erfolgreich zu sein, muss man die Mitarbeitenden fördern und ihnen Freiraum gewähren.

So kommt man zu innovativen und wegweisenden Lösungen. Die Mitarbeitenden müssen sich entfalten können, damit sie Freude an ihrer täglichen Arbeit haben und zusätzlich kreative Ideen entwickeln können. Wichtig ist, dass man eine echte Innovationskultur etabliert. Bei uns findet beispielsweise jährlich die Hack Week statt, während der sich unsere Mitarbeitenden für eine Woche ausschliesslich mit eigenen Projekten ausserhalb ihres täglichen Aufgabenfeldes beschäftigen.

Um im IT-Bereich erfolgreich zu sein, muss man auf das Potenzial der Mitarbeitenden und auf deren Kompetenzen setzen. Mit viel Ehrgeiz und dem gemeinsamen Willen, etwas Besonderes zu schaffen, können auch komplexe Prozesse parallel umgesetzt werden, sodass der Arbeitsalltag spannend bleibt.