Dies soll die Attraktivität des Informatik-Studiums erhöhen und Arbeitgebern die Möglichkeit bieten, angehende IT-Spezialisten noch vor Studienabschluss im Unternehmen zu integrieren und dem Fachkräftemangel damit proaktiv zu begegnen.

Das neuartige Studienmodell praxisintegriertes Bachelor-Studium (PiBS) richtet sich an gymnasiale Maturanden, die Berufspraxis im Unternehmen mit einem Hochschulstudium kombinieren möchten. «Die Zahl der Informatikstudenten derzeit genügt nicht, um den Bedarf der Wirtschaft zu decken», meint Anja Bouron von der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS). Vielen Studenten sei das Informatik-Studium ausserdem zu abstrakt und zu theoretisch.

Nicht nur technische Inhalte

Mit dem praxisintegrierten Studium soll auch dem veränderten Profil des Informatikers Rechnung getragen werden. Der Informatiker müsse heute über eine gute Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit sowie über interkulturelle Kompetenzen verfügen und auch betriebliche Abläufe verstehen. «In herkömmlichen IT-Studiengängen wird darauf sehr wenig Wert gelegt», erklärt Bouron. Mit dem neuen Studienmodell will Bouron auch vermehrt junge Frauen für das Fach Informatik gewinnen.

Das PiBS basiert auf der Kooperation zwischen Unternehmen, Studierenden und Hochschule

Wer sich für das Studium einschreiben will, muss neben der Gymnasialmatura einen Studienausbildungsvertrag mit einem Unternehmen vorlegen. Die Fachhochschule sichert die Leistungen des Unternehmens gegenüber den Studenten vertraglich ab und fungiert als Vermittler zwischen den Maturanden und den Unternehmen.

Bewerben muss sich der Maturand bei den Unternehmen dann selbst. Der Studiengang startet im Herbst 2015. «Wir kümmern uns derzeit verstärkt darum, Unternehmen als Praxispartner für dieses Programm zu finden», so Bouron, die davon überzeugt ist, dass dieses Modell die Attraktivität des Informatik-Studiums massgeblich erhöhen wird.

Frühe Bindung ans Unternehmen

Die Studierenden sammeln während 20 Stunden in der Woche Praxiserfahrung im Unternehmen, während der restlichen Zeit absolvieren sie das reguläre Bachelor-Studium. Die kooperierenden Unternehmen können damit die Rekrutierung auf dem hart umkämpfen Absolventenmarkt umgehen.

«Sie haben den entscheidenden Vorteil, die Studierenden von Beginn an unternehmensspezifisch auszubilden und auch gleichzeitig eine Bindung der Studenten an das Unternehmen zu fördern», so Bouron. Bereits im Boot sind die IT Post und PostFinance, die zehn PiBS-Ausbildungsplätze in Bern anbieten werden.

Das erste PiBS Informatik in der Schweiz startet im Herbstsemester 2015/16, das Studium dauert acht Semester und wird mit dem eidgenössisch anerkannten Bachelor of Science Informatik abgeschlossen. Das Studienangebot ist zunächst auf drei Jahrgänge befristet und Teil des Massnahmenpakets gegen Fachkräftemangel, das im August von Bundesrat Johann Schneider-Ammann präsentiert wurde.