Was, Herr Schmid, bedeutet die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) für die Spitäler, Kliniken, Alterszentren und für weitere Pflegeeinrichtungen?

Die Spitäler und Kliniken müssen das elektronische Patientendossier innerhalb von drei Jahren einführen, Pflegeeinrichtungen haben zwei Jahre mehr Zeit.

Bis dann muss sichergestellt sein, dass alle betroffenen Institutionen Daten von Patienten elektronisch liefern und beziehen können. Zurzeit analysieren die Spitäler und Heime, wo sie bei der Digitalisierung stehen, wo aktueller Handlungsbedarf besteht und was noch zu tun ist.

Wie sieht es mit den frei praktizierenden Ärzten aus?

Diese sind wie alle anderen, die ambulant behandeln, also zum Beispiel Apotheken, Therapeuten oder Spitex-Dienste, nicht verpflichtet, das elektronische Patientendossier einzuführen.

Wenn man aber bedenkt, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens so oder so kommt, ist es sicher sinnvoll, wenn sich auch der ambulante Bereich dem System anschliesst.

Was bedeutet das elektronische Patientendossier für die Patienten?

Patientinnen und Patienten können ein elektronisches Patientendossier eröffnen, sie sind aber nicht dazu verpflichtet. Jetzt geht es darum, die Patienten über die Vorteile eines elektronischen Patientendossiers aufzuklären.

Gerade ein Spitalaufenthalt bietet sich hier als gute Gelegenheit an, um die Patientinnen und Patienten zu fragen, ob sie ein elektronisches Dossier eröffnen möchten.

Die Hemmschwelle, ein solches Dossier zu eröffnen, dürfte nicht allzu gross sein, da sich die Mehrheit der Bevölkerung heute in der digitalen Welt auskennt und den Umgang mit dem Computer oder dem Smartphone gewohnt ist.

Welche Rolle übernimmt E-Health Suisse bei der Einführung des elektronischen Patientendossiers?

Seit dem Jahr 2008 hat E-Health Suisse die fachlichen Grundlagen für die Einführung des elektronischen Patientendossiers erarbeitet. Am Anfang auf der Basis von rechtlich nicht verbindlichen Empfehlungen.

Mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes für das elektronische Patientendossier im April 2017 übernimmt E-Health Suisse konkrete Vollzugsaufgaben wie zum Beispiel Auswahl, Ergänzung und Aktualisierung von Normen und Standards.

Damit können unter anderem landesspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden, wenn etwa in gewissen Punkten von internationalen Normen abgewichen werden muss oder aber in einem bestimmten Bereich neue Vorgaben erforderlich sind. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens geht aber über die Umsetzung des elektronischen Patientendossiers hinaus.

E-Health Suisse will auch bei Themen ausserhalb des engeren EPD-Kontextes Impulse geben, zum Beispiel im Themenbereich des mobilen Datenaustauschs im Gesundheitswesen («M-Health») oder im Bereich der internationalen Koordination. Eine wichtige und wegweisende Aufgabe ist weiter die Erarbeitung einer neuen Strategie «E-Health Schweiz».

Welche Ziele und Visionen werden im Bereich der Digitalisierung des Gesundheitswesens allgemein anvisiert?

Hier ist sicher einmal die Patientensicherheit zu erwähnen, etwa im Bereich der Medikamentenabgabe. Indem jeder an der Behandlung beteiligte Akteur – vom Arzt über den Apotheker bis zur Spitex – über die nötigen Informationen verfügt, können Fehler bei der Medikation verhindert werden.

Aber auch in anderen Behandlungssituationen ist es für die Patienten wichtig, dass Ärzte, Apotheker oder Therapeuten bei ihren Entscheiden die wichtigsten Unterlagen zur Verfügung haben.

Dies ermöglicht auch durchgängigere Prozesse unter den Behandelnden.

Zudem werden die Patienten entlastet. Sie müssen nicht mehr bei jedem Arztbesuch ihre Krankengeschichte neu erzählen, da der Arzt oder die Ärztin bereits im Besitz der relevanten Informationen ist. Auch dies ist ein Vorteil des elektronischen Patientendossiers.