Herr Walter, in der IT-Welt ist Cloud Computing in aller Munde. Können Sie uns das Konzept dieser Technologie kurz erläutern?
Bei Cloud Computing kommen die Programme, die man benutzt, quasi wie der Strom aus der Steckdose. Als Anwender muss man Programme nicht mehr auf dem PC installieren und administrieren, oder sich um Software-Updates kümmern. Man ruft einfach einen Link im Internet oder im Intranet auf und die Anwendung startet aus dem Web – und dies immer in der aktuellsten Version.

Nach Einschätzungen des Technology Research und Beratungsunternehmens Gartner wird Cloud Computing in den nächsten Jahren explosionsartig an Bedeutung gewinnen. Wie sehen Sie die Entwicklung?
Die Kosten- und Qualitätsvorteile für Anwender sind bestechend. Insbesondere kleinere Unternehmen bekommen hierdurch Zugang zu Anwendungen, die bisher für sie weder bezahlbar noch administrierbar waren. Aber auch grosse Anwenderunternehmen profitieren, da sie durch Cloud-Konzepte den Aufwand in Bereichen ausserhalb ihrer Kernkompetenz deutlich reduzieren können. Derzeit herrscht bei den Anwendern noch Verunsicherung hinsichtlich Anbieterwahl, Datensicherheit, oder Integration der Cloud-Lösungen in bereits vorhandene Anwendungen. Aber der Markt wird immer reichhaltigere Angebote bereitstellen und die Anwender werden durch zunehmende Erfahrungen mit Cloud-Angeboten ihre Verunsicherung abbauen.

Ist der Hype um dieses neue Betriebsmodell gerechtfertigt?
Bei Cloud Computing geht es nicht nur um ein neues Modell für den Betrieb von Programmen, sondern um einen völlig neuen Umgang mit Software. Software wird nicht mehr als technisches Produkt wahrgenommen, sondern als Dienstleistung, die sich flexibel den sich verändernden Anwenderanforderungen anpasst. Insofern ist der Hype vollkommen gerechtfertigt. Allerdings wird es wie bei jeden Hype auch Enttäuschungen geben. Da derzeit Goldgräberstimmung herrscht, versuchen viele auf der Welle mitzuschwimmen, indem sie ihre bestehenden Angebote mit „Cloud“ etikettieren. Gerade deshalb ist es wichtig, einem Anbieter zu vertrauen, der einen professionell beraten kann.

Herr Ernst, können Sie die Vorteile von Cloud Computing für KMU etwas genauer ausführen?
Wir sprechen hier vor allem über Kosteneinsparungen in den Bereichen lokale Infrastruktur, IT-Support und Investition. Da die Anwendung nicht lokal installiert werden muss, wird die Infrastruktur einfacher und robuster. Die Benutzer sind nicht länger an einen Rechner gebunden, sondern können auch z.B. aus dem Heimbüro oder vom Kunden aus schnell und flexibel auf die Software zugreifen. Dabei arbeiten sie weiterhin mit dem gewohnten System, mit dem sie ihre Tätigkeiten am effizientesten ausführen können. Indem der Anbieter der Cloud-Lösung den IT-Support leistet, kann man sich auf die wesentliche Arbeit konzentrieren. Die hohen Einstiegskosten fallen weg, da die Software gemietet und nicht gekauft wird. Zudem gibt es keine verdeckten Folgekosten beim Wechsel der Anwenderrechner.

Kritiker beklagen, dass Datenschutz und Cloud Computing sich nicht vertragen. Welche Lösungen streben die Service-Anbieter hier an?
Es gilt zu bedenken, dass viele KMU selbst keine Expertise in ihrer Datensicherung haben. IT-Unternehmen sind durch ihren Service verpflichtet, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Experten bereitzustellen. Die Gewährleistung der Datensicherheit obliegt dem Software-Anbieter. Dies betrifft sowohl den geschützten Zugriff auf die Anwenderdaten, als auch die Backup-Infrastruktur. Der Anbieter einer Cloud-Lösung sichert seinen Kunden die Integrität und Vertraulichkeit der Datenverarbeitung vertraglich zu. Dabei verpflichtet er sich, die Datenschutzbestimmungen des jeweiligen Landes vollumfänglich einzuhalten.

Welche Tipps geben sie KMU, die Cloud-Services in ihrem Betrieb einführen möchten?
KMU sollten einem erfahrenen Anbieter vertrauen, der schon länger im Business-Umfeld tätig ist. Denn Business-Webtechnologien gibt es schon weitaus länger als die Cloud. Bei der Cloud-Lösung sollte es sich um einen auf Internet-Technologie basierten Service handeln und nicht nur um ein extern installiertes Programm. Konkret bezieht man beispielsweise den Service “Erstellung einer Offerte” oder “Verwaltung meiner Kundendaten”. Die Abrechnung sollte sich dabei nach der Service-Nutzung richten – Bezahlung nach Bedarf sozusagen. Zudem sollte mit dem Anbieter vorab geklärt werden, wie man gegebenenfalls zu einem anderen Anbieter wechseln kann.