Zu wenige Unternehmen nehmen den Aufwand einer Ausbildung auf sich

Der Kern des Problems ist, dass zwar auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ausgebildete Leute gebraucht werden, doch den Aufwand der Ausbildung zu wenige Unternehmen auf sich nehmen wollen. Auf eine ausgeschriebene Lehrstelle im Informatikbereich kommen momentan dreissig Bewerber. Am Interesse mangelt es also nicht, aber an den Möglichkeiten.

So bleibt den Unternehmen in der Schweiz nichts anderes übrig, als die fertig ausgebildeten Arbeitnehmer im Ausland zu rekrutieren, obwohl da zum Teil Mängel in der Ausbildung vorhanden sind. Jörg Aebischer, Geschäftsführer der ICT-Berufsbildung sagt dazu: «Es werden viele Leute aus dem Ausland rekrutiert, doch die Ausbildung in der Schweiz ist verglichen mit jener im Ausland fast immer überlegen.»

Gerade einmal zweihundertfünfzig Absolventen kommen von einer Uni

Ein weiteres Problem ist, dass viele internationale Firmen das duale Berufsbildungssystem mit Praxis im Lehrbetrieb und theoretischer Ausbildung in der Schule, nicht kennen. Wenn sie in einem Lebenslauf sehen, dass jemand aus dem Ausland ein Diplom einer Universität hat und dagegen ein anderer aus der Schweiz «nur»einen Lehrabschluss, ist für viele klar, wer die Stelle bekommt.

Doch auch hierzulande ist die Bewertung eines Uniabschlusses ein Problem. Von den jährlich in Informatikberufen ausgebildeten Leuten, kommen zweitausend aus einer Lehre, tausend aus anderen berufsbildenden Schulen und gerade einmal zweihundertfünfzig von einer Universität. Von den zweitausend abgeschlossenen Lehrlingen haben aber noch rund fünfzig Prozent eine Berufsmaturität gemacht und hätten somit die Möglichkeit auf ein sofortiges oder späteres Fachhochschulstudium.

«Wenn die Unternehmen vermehrt wahrnehmen, dass jemand, der von einer Lehre her kommt, erstens bereits auf sehr hohem Niveau ausgebildet ist und zudem auch noch die Möglichkeit auf ein Studium hat, fallen die wenigen begehrten Leute von der Uni/ETH nicht mehr so ins Gewicht», sagt Jörg Aebischer.

Eine Kampagne, die sich an junge Gymnasiastinnen richtet

Das Team der ICT-Berufsbildung versucht daher, Schweizer Unternehmen zu motivieren, mehr IT-Ausbildungsplätze anzubieten. Auf der entsprechenden Homepage www.ict-berufsbildung.ch kann man sich unter dem Link «Ich bin ICT-Lehrbetrieb oder will es werden» darüber informieren, was es heisst Lehrlinge in diesem Bereich auszubilden.

Auch durch die Unterstützung von weiblicher Seite wird versucht, den Fachkräftemangel auszugleichen: «Wir starten demnächst eine Kampagne unter dem Titel ‹IT-Dreamjobs›, die sich speziell an junge Gymnasiastinnen richtet», erklärt Jörg Aebischer. « Wir wollen aufzeigen, dass die Informationstechnologie nicht nur mit Mathematik zu tun hat, sondern insbesondere auch kreative Aspekte aufweist.»