• Erich Bucher
  • Dr. Christof Klöpper
  • Dr. iur. LL.M Alexander Nikitine
Erich Bucher
Präsident Verein Startup-Academy

Nebst der Idee an sich, was empfinden Sie als wichtigste Voraussetzung für die Gründung eines Start-ups?
Ja – ohne eine Idee oder ein verwertbares Forschungsergebnis (zum Beispiel ein Patent) kann es auch keine Erfolge geben … Was es zusätzlich jedoch unbedingt braucht, sind Risikobereitschaft, Durchhaltewillen, Ausdauer, und man muss akzeptieren, dass es auch Rückschläge gibt.

Die Risikobereitschaft bezieht sich nicht nur auf die finanziellen Mittel, sondern auch auf das eigene Know-how! Man kann nicht alles wissen – ein guter Ausbildungsrucksack hilft – es braucht aber auch «Mut zur Lücke».

Das Jungunternehmertum ist der einzige Ort, wo das ganze Ausbildungsspektrum zum Tragen kommt. Und zu guter Letzt: Ärmel hochkrempeln – denn ich mache als Unternehmer alles selber.

Welche Branche erachten Sie als besonders Erfolg versprechend in der Schweiz?
In der Schweiz, mit dem ausgezeichneten Bildungssystem, haben alle guten Ideen das Potenzial, Erfolg zu haben. Sei dies nun ein neuer iPad-Ständer, ein elektronischer Marktplatz zur Vermittlung von privaten Wohnwagen, eine neue Methode, um Pflanzen stressresistent zu machen, oder eine neue Technik, Bodenbeläge herzustellen.

Deshalb darf nicht irgendeine der Branchen vorgezogen werden. Dass die lokale Politik bei der Wirtschaftsförderung auf einige wenige Branchen fokussiert, ist nachvollziehbar und richtig.

Start-up-Förderorganisationen sollten aber zwingend breiter aufgestellt sein und offen für alle Ideen sein. Man weiss ja nie, ob sich hinter der Idee nicht ein Jackpot versteckt.

Wieso scheitern viele Start-ups im ersten Jahr?
Die Gründe für Misserfolg sind vielfältig. Der wichtigste ist aber ganz klar: Die Geschäftsidee oder das -modell werden am Markt nicht nachgefragt.

Der Kunde braucht das Produkt oder die Dienstleistung nicht oder der Zeitpunkt der Vermarktung ist falsch (zu früh oder zu spät). Eine grosse Gefahr ist auch die Überbewertung des Businessplanes. Es ist viel wichtiger, so rasch wie möglich den Kundenkontakt zu suchen – nur so findet man heraus, ob eine Chance am Markt gegeben ist.

Nicht schreiben – sprechen und diskutieren. Weitere Faktoren sind aber auch die falsche Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben, ein falsches Management der eigenen Zeit und die Vernachlässigung von Familie und Freunden.

Welchen Stellenwert wird die Schweiz in der internationalen Start-up-Szene in den nächsten Jahren einnehmen?
Die Schweiz wird auch weiterhin eine sehr aktive Start-up-Szene beherbergen – falls die politischen, wirtschaftlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen wie heute bestehen bleiben.

Es ist deshalb wichtig, dass das Bildungssystem inklusive des dualen Weges auf höchstem Niveau bleibt. Dass Länder wie Spanien schnell aufholen, erklärt sich damit, dass die Einwohner keine Hoffnung mehr haben, dass der Staat für sie einspringt.

Spanien ist heute eines der Länder mit den meisten Neugründungen pro Kopf.

Dr. Christof Klöpper
CEO BaselArea.swiss

Nebst der Idee an sich, was empfinden Sie als wichtigste Voraussetzung für die Gründung eines Start-ups?
Natürlich muss die Technologie stimmen. Insbesondere in den Life Sciences geht ohne Patentschutz nichts. Doch dies allein genügt noch nicht. Die Geschäftsidee kann noch so gut sein, wenn nicht eine Unternehmerpersönlichkeit mit dem richtigen Team dahintersteht, wird der Erfolg ausbleiben.

Insbesondere braucht es Durchhaltewillen und die Fähigkeit zu begeistern. Nur so gelingt es, Investoren anzuziehen und Mitarbeitende zu motivieren.

Und natürlich brauchen Unternehmer auch die richtigen Rahmenbedingungen. Diese sind in der Schweiz grundsätzlich sehr gut. Aber andere Standorte holen auf, und der internationale Wettbewerb wird sich in den kommenden Jahren eher verschärfen.

Wenn wir uns mit den besten Technologiestandorten der Welt vergleichen, haben wir in der Schweiz insbesondere bei den Start-ups einen Nachholbedarf – oder anders formuliert: Wir schöpfen unser Potenzial bei Weitem nicht aus.

Welche Branchen erachten Sie als besonders erfolgversprechend in der Schweiz?
Gemessen an der Wertschöpfung sind die Life Sciences mit der Region Basel als ihrem Motor der wichtigste Wirtschaftssektor der Schweiz. Hier können wir auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen und inzwischen hat sich auch schon ein interessanter Kreis von Serial Entrepreneurs und industrieerprobten Privatinvestoren herausgebildet.

Deshalb sehe ich in den Life Sciences – auch national – das grösste Potenzial. Basierend auf dieser Stärke gilt es aber auch in weitere Innovationsthemen vorzudringen.

Dabei denke ich insbesondere an die Digitalisierung sowie an den Einsatz von Mikro- und Nanotechnologien, etwa bei der Entwicklung neuer Materialien. Die Schweiz investiert viel Geld in hervorragende Forschung, aber daraus wird zu wenig Innovation und damit Wertschöpfung generiert. Hierfür brauchen wir mehr Start-ups.

Wieso scheitern viele Start-ups im ersten Jahr?
Grundsätzlich ist es besser, wenn Start-ups früh scheitern, statt viel Geld und Energie auf eine Idee zu verschwenden, die letztlich nicht funktioniert.

Dies ist denn auch der Ansatz von BaselArea.swiss: Über unsere Dienstleistung Supporting Entrepreneurs bieten wir werdenden Unternehmern Beratungsprogramme und Workshops, die es ihnen erlauben, ihre Start-up-Idee bereits in einem sehr frühen Stadium mit Experten zu diskutieren und sich so ein möglichst realistisches Bild von deren Umsetzungschancen und -risiken zu machen.

Hierbei können wir auf ein Netzwerk von mehreren Tausend Experten zurückgreifen, das wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben.

Welchen Stellenwert wird die Schweiz in der internationalen Start-up-Szene in den nächsten Jahren einnehmen?
Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Momentum, das wir derzeit in der Region Basel spüren, weiter an Dynamik gewinnen wird.

Insbesondere in den Life Sciences werden wir mit von BaselArea.swiss initiierten, aber letztlich national ausgerichteten Programmen wie dem Accelerator BaseLaunch oder dem Precision Medicine Innovation-Hub Day One dazu beitragen, verstärkt auch vielversprechende Start-ups aus dem Ausland anzuziehen und hier zu entwickeln.

Ich denke, beim Gründen und Aufbau von Start-ups ist die Schweiz derzeit sehr gut aufgestellt. Was indes fehlt, ist das nötige Kapital, um ein Start-up international als eigenständiges Unternehmen zu etablieren, wie dies etwa Actelion oder Basilea gelungen ist.

Letztlich sind es solche Success Stories im Verbund mit erfolgreichen Börsengängen, welche letztlich einen Standort zum attraktiven Start-up-Hub machen, sowohl für Unternehmer wie für Investoren. 

Dr. iur. LL.M Alexander Nikitine
Walder Wyss AG Rechtsanwalt, Partner

Nebst der Idee an sich, was empfinden Sie als wichtigste Voraussetzung für die Gründung eines Start-ups?
Ganz klar das Team, und damit meine ich das erweiterte Team, welches sowohl die Founder, aktive Investoren wie auch die engsten Berater umfasst. Die Gründe dafür sind vielfältig, lassen sich aber nicht zuletzt darauf zurückführen, dass kein Founder alle Rollen perfekt ausfüllen kann.

Die Founder müssen die eigenen Fähigkeiten einschätzen können, aber auch in der Lage sein, die Dinge auszulagern, die sie weniger gut beherrschen. Ein gutes Team, in welchem das dafür notwendige Vertrauen vorhanden ist, ist dafür natürlich Voraussetzung.

Wichtig ist auch das Bewusstsein darum, dass das Team kein statisches Element ist, sondern sich im Laufe der Zeit den sich verändernden Bedürfnissen des Start-ups anpassen muss.

Je nach Branche besteht ein Start-up-Team in der Gründungsphase beispielsweise aus dem begeisterten Visionär, einem Techniker, der über überdurchschnittliche Fachkompetenz verfügt, und dem «Verkäufer» der dafür verantwortlich ist, die Idee an Investoren und potenzielle Kunden zu verkaufen.

Eher früher als später sollte das Team um einen guten CFO erweitert  werden, der nicht nur die Buchhaltung führt, sondern auch für die Finanzstrategie und insbesondere die Liquiditätsplanung verantwortlich ist. Know-how, das nur punktuell oder im hoch spezialisierten Bereich benötigt wird, so beispielsweise die Steuer- und Rechtsberatung, werden hingegen sinnvollerweise eingekauft.

Welche Branche erachten Sie als besonders erfolgversprechend in der Schweiz?
Wir sehen im Walder Wyss Start-up Desk sowie aus allgemeiner Marktbeobachtung verschiedene Tendenzen: Zum einen hat der Fintech-Bereich in den letzten Monaten sehr stark zugelegt. Dort wird es zu einer Konsolidierung kommen.

Auf der anderen Seite werden die von Start-ups entwickelten Technologien von den traditionellen Banken und Finanzdienstleistern übernommen werden müssen. Hier ergeben sich interessante Chancen.

Dies gilt namentlich für Blockchain-basierte Technologien und Entwicklungen im Bereich Artificial Intelligence (AI). Die Umwälzung des Finanzsektors steht erst bevor. Der Bereich Healthcare/Lifesciences bleibt attraktiv für schweizerische Start-ups, vor allem weil die hiesigen Universitäten die Zusammenarbeit mit den Jungunternehmen fokussierter angehen. Das erhöht die Disziplin beim Management.

Wieso scheitern viele Start-ups im ersten Jahr?
Natürlich sind die Gründe dafür so vielfältig wie die scheiternden Start-ups. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

1. Es besteht kein oder nur ein sehr kleiner Markt für das angedachte oder entwickelte Produkt. Einige Start-ups fokussieren sich, aus ihrer Begeisterung heraus, zu stark auf ihre Idee und das Produkt und verzichten auf eine fundierte Marktanalyse. Der Aufwand und die Kosten, ein neues Marktbedürfnis zu schaffen, übersteigen zudem in den meisten Fällen die Möglichkeiten eines Start-ups bei Weitem.

2. Das Start-up besteht nicht aus einem guten und funktionierenden Team oder, noch schlimmer, es besteht gar kein Team.

3. Zu wenig Geld: In der euphorischen Gründungsphase werden häufig sowohl Finanzbedarf wie auch der Aufwand, Investoren zu gewinnen, unterschätzt.

Welchen Stellenwert wird die Schweiz in der internationalen Start-up-Szene in den nächsten Jahren einnehmen?
Wir sind überzeugt, dass die Schweiz das Potenzial hat, sich neben Berlin und London zu einem führenden Start-up-Hub in Europa zu mausern. Nebst einem grossen Pool an hoch qualifizierten Arbeitskräften und der bekannt hohen Lebensqualität, die auch Arbeitnehmer aus dem Ausland anzieht, stellen ein stabiles Umfeld und eine starke, innovative Wirtschaft beste Voraussetzungen dar.

Der Wettbewerb zwischen den Standorten ist aber gross. Die Einführung von unregulierten Investmentfonds für Seed Investment Fundings und eine rasche Bestätigung aus Bundesbern, dass der Verkauf von Mitarbeiteraktien von Start-ups nach gewisser Haltezeit steuerfrei ist, würden ein positives Zeichen für unseren Standort setzen.