Wir sind Patenteweltmeister und führend im globalen Innovationsindex, wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, haben die besten Universitäten, eine stabile Demokratie.

Als rohstoffarmes Land war Innovationskraft schon immer die stärkste Ressource in der Schweiz. Das Zeitalter der Globalisierung und der Digitalisierung müsste doch unsere grosse Chance sein. Aber Goldgräberstimmung und Start-up-Boom lassen bisher auf sich warten.

Nennen wir es Unternehmertum

Beim Wort Start-up tauchen in den Köpfen meist Bilder von Mark Zuckerberg auf, von Steve Jobs, man denkt an Uber, Whatsapp oder Facebook. Wir sagen «Start-up», meinen aber Global Player, also internationale Grosskonzerne.

Und diese Grosskonzerne bestimmen unser Denken. Einen Welterfolg wie Facebook trauen wir unseren jungen Gründern nicht zu, und alles darunter? Wer sich für diesen Weg entscheidet, wird eher belächelt statt bewundert.

Vielleicht liegt es also am Begriff. Start-up, das klingt nach einem Traum, der eher ins Silicon Valley statt in die Schweizer Berge gehört. Dabei geht es doch um Unternehmertum, einen urschweizerischen Wert, auf den wir uns wieder mehr besinnen sollten.

Eine neue Gründerzeit

Wir haben es uns viel zu lange bequem gemacht im Angestelltengefüge unserer alteingesessenen Grossunternehmen, die alle selbst einmal Start-ups waren, auch wenn sie niemand so genannt hat. Die Digitalisierung läutet eine neue industrielle Revolution ein, eine neue Gründerzeit bricht an und bringt grosse Chancen für die Schweiz.

Doch die Schweizer sollten wieder mehr Eigeninitiative wagen. Politik, Bildung und Medien sind hierbei in der Pflicht, dass sich Unternehmertum auch in den Köpfen der Menschen wiederfindet. Wir brauchen Beispiele, die Mut machen. Geschichten vom Erfolg, aber auch vom Scheitern und Wiederaufstehen.

Gründer sind Abenteurer, Investoren der Wind in den Segeln

Gründer beweisen per se schon Mut, indem sie den lückenlosen Lebenslauf gegen ein Abenteuer tauschen. Schweizer Gründern fehlt häufig die Ausdauer und auch Unterstützung, an sich und ihrer Idee lange genug festzuhalten. So verleiben sich Grossunternehmen gute Start-ups ein, verbessern ihr eigenes Business, aber Disruption und Revolution werden damit ausgebremst.

Gründer brauchen mutige Investoren, die langfristig denken. Wer wirklich Grosses im Sinn hat, der muss Durststrecken und Rückschläge aushalten. Neuland findet man nicht auf alten Seekarten und keine Entdeckungsreise verläuft stets nach Plan.

Die Digitalisierung ist Neuland. Wir brauchen Abenteurer, die sich auf Entdeckungsreise wagen.

Politik und Medien können den kulturellen Wandel fördern

Die Politik will helfen; Start-ups, Fintech, Digitalisierung sind keine Fremdworte mehr in Bern. Aber Politiker befinden sich in der Klemme. Wir werden immer älter und die Babyboomer-Generation ist inzwischen über 50. Ein Grossteil der Wählerschaft hat die Rente zumindest bereits im Blick.

Wenn wir aber den kulturellen Wandel schaffen wollen, dann müssen alle mit ins Boot, auch die älteren Semester, denn dort sitzen die Wählerstimmen. Twitter, Youtube und andere Social Networks sind voll mit Start-up- und Zukunfts-Themen.

Hier trifft sich vorrangig die jüngere Generation. Die klassischen Medien stehen in der Pflicht, die Botschaft auch in ihre Kanäle zu tragen, denn auch mit Ü50 kann man Zukunft mitgestalten. Mein Freund Adriano Lucatelli hat beispielsweise mit 50 Jahren das Start-up Descartes Finance gegründet, einen sogenannten Robo-Adviser.

Damit ist er einer der führenden Köpfe, wenn es um die Neugestaltung moderner Vermögensverwaltung geht. Es wird Zeit, dass wir uns vom Klischee des jungen, hippen, männlichen Mittzwanzigers verabschieden. Jede und jeder sollte sich angesprochen und mitgenommen fühlen. Es geht um unsere gemeinsame Zukunft. Habt Mut und gründet – jetzt!