Showtime für 19 aufstrebende Jungunternehmer: In maximal 60 Sekunden durften die Start-ups ihr Geschäftsmodell in der TV-Sendung «Kampf der Ideen» vorstellen.

Die fünf erkorenen Gewinner können mit fachlicher Unterstützung rechnen und sich über einen finanziellen Zustupf von jeweils mehreren zehntausend Franken freuen. Wir stellen die Siegerfirmen hier kurz vor.

Mycamper: Camper mieten und vermieten

Die Geschäftsidee von Mycamper (Riehen) kam CEO Michele Matt an einem milden Sommerabend auf Sardinien. Damals wurde ihm während der Ferienreise mit seiner Freundin plötzlich bewusst, dass sein «treuer» Bus stets nur wenige Wochen im Jahr unterwegs war. Die restliche Zeit verbrachte der mobile Begleiter in irgendeiner dunklen Garage.

Die freien Fahrzeuge werden auf einer Camper-Sharing-Plattform mit ein paar wenigen Klicks online zur Miete angeboten.

Matts Bus ist kein Einzelfall. In 80 bis 90 Prozent der Zeit stehen private Campingbusse, Wohnmobile und Wohnwagen ungenutzt herum. Diesem unbefriedigenden Zustand will Matt ein Ende bereiten. Das Konzept von Mycamper ist ganz einfach: Die freien Fahrzeuge werden auf einer Camper-Sharing-Plattform mit ein paar wenigen Klicks online zur Miete angeboten.

In einem Kalendermodul listet der Fahrzeughalter auf, an welchen Daten sein Bus zu haben ist. Und auf der Käuferseite findet der Mieter dank einer integrierten Suchfunktion unverzüglich sein gewünschtes Feriengefährt. Standzeiten lassen sich so reduzieren und Fixkosten besser verteilen.

Transparenz und Einfachheit werden grossgeschrieben. Es gibt ein Ein-Preis-Modell. Mycamper erhält bei jeder erfolgreich abgeschlossenen Buchung eine Vermittlungsprovision. Zusatzkosten für Zweitfahrer sowie etwa Übergabepauschalen werden keine erhoben, heisst es.

Das Projekt nehme Fahrt auf, das Marktpotenzial sei sowohl im In- wie auch im europäischen Ausland riesig. Laut Angaben auf der Homepage können momentan über 160 Camper ganz einfach online gemietet werden.

www.mycamper.ch


 

noonee: Ein ganz spezieller Stuhl

Das haben Sie sich vielleicht auch schon gewünscht: Bei einer Aufgabe, die man im Stehen verrichten muss, lieber sitzen bleiben zu können. Keith Gunura macht das Wünschbare möglich. Der Gründer der Firma noonee hat einen tragbaren Stuhl entwickelt, auf dem man im Stehen sitzen kann.

Auslöser war ein persönliches Erlebnis. Gunura arbeitete in seiner Studentenzeit in einer Fabrik. Die Fliessbandarbeit setzte ihm zu, seine Beine taten ihm am Abend weh. Er suchte nach einer ergonomisch sinnvollen Lösung.

Laufen, bücken, wenden, drehen: Das Exoskelett konnte alle Bewegungen problemlos mitmachen.

Die Frucht seiner Anstrengung: Noonee (Schlieren ZH) mutierte zum weltweit ersten Anbieter von Wearable Ergonomic Mechatronic Devices (WEMDs). Dabei handelt es sich um sogenannte tragbare mechatronische Exoskelette. Laufen, bücken, wenden, drehen: Das Exoskelett konnte alle Bewegungen problemlos mitmachen. So entstand der erste Prototyp von Chairless Chair.

Der Stuhl zum Umbinden weist zahlreiche Vorteile auf. Er ist anpassungsfähig, leicht tragbar und ermöglicht es, dass man sich überall hinsetzen kann, wo und wann es einem beliebt.

Die Firma kann bereits eine stattliche Anzahl von Referenzen bekannter Autohersteller aus dem Ausland vorzeigen. Dank Chairless Chair können Montagearbeiter bei ihrer Tätigkeit sitzen und dabei eine gerade Haltung einnehmen, ohne dass dadurch ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist.

Noonee wurde im Jahre 2014 in der Schweiz gegründet. Zwei Jahre später entstand Noonee Germany GmbH mit dem Ziel, das Produkt weltweit auf den Markt zu bringen.

www.noonee.com


 

bbacksoon: Lebensgefühl verkaufen

Verkaufen will man nicht eine Destination, sondern ein Lebensgefühl.

Wer im Internet eine Reise bucht, benötigt viel Zeit bei der Planung. Hier knüpft die Geschäftsidee von bbacksoon an. Aus der Idee vom spontanen Urlaubsvergnügen wurde ein Start-up gegründet. «Planen gibt Sicherheit, aber Spontaneität macht glücklich», lautet das Credo von Roland Laux, Mitbegründer der Internetplattform bbacksoon.com. Verkaufen will man nicht eine Destination, sondern ein Lebensgefühl.

Auf der Homepage der in St. Gallen domizilierten Firma kann dann gewählt werden unter Angeboten wie «Ich will die Sonne im Gesicht spüren und dem Grau des Alltags entfliehen» oder «Ich will raus in die Natur und brauche Bewegung an der frischen Luft».

Besonders Mutigen wird empfohlen, alle persönlichen «No-Go»-Tage innerhalb eines Zeitraums von zwei Monaten zu blockieren. Wann die Reise losgehe, entscheide dann der Zufall.

Der Kundschaft soll die Möglichkeit gegeben werden, sich völlig überraschen zu lassen. Einzig ein paar Eckwerte kann man vorher wählen, also zum Beispiel, ob die Reise lieber in die Berge oder ans Meer führen soll. Das individuelle «Ausbrechen» wird dann vom Start-up von A bis Z organisiert.

Der kleine/grosse Unterschied zum gewohnten Ablauf: Die Reiseunterlagen werden frühestens am Vorabend der Reise per E-Mail übermittelt.

Die Vision von bbacksoon lautet, mehr Spontaneität in diese Welt zu bringen. Es soll in Zukunft die Plattform für Spontaneität im Alltag und in der Unternehmenswelt werden.

www.bbacksoon.com


 

Sonect: Überall Bargeld beziehen

Nicht überall steht ein Bancomat zur Verfügung, wenn man Bargeld benötigt. Diesen Missstand zu korrigieren hat sich Rik Krieger von der Start-up-Firma Sonect aus Brüttisellen vorgenommen. Seine Idee: Egal, ob man in einer Bar im Zürcher Niederdorf sitzt, in New York shoppt oder sich an einem Strand in Bali vergnügt: Geld abheben soll überall möglich sein – ohne Bancomat.

Wer ein Unternehmen im Finanzbereich gründen will, benötigt auch das Einverständnis der Finanzmarktaufsicht (Finma). Diese Hürde hat Sonect bereits überwunden. Auf der Produktebene wurden ebenfalls schon Erfolge erzielt. Sonect entwickelte eine App, bei der jeder Einzelhändler die Funktion eines Bancomaten übernimmt.

Der Kunde kann bei jedem teilnehmenden Geschäft von seinem Konto oder seiner Kreditkarte Geld abheben

Ob Kiosk, Bäckerei, Tankstelle oder Restaurant: Der Kunde kann bei jedem teilnehmenden Geschäft von seinem Konto oder seiner Kreditkarte Geld abheben – und zwar kostenlos. Rik Krieger will den Bargeldbezug noch stärker demokratisieren, indem jeder Mensch mit einem Smartphone und Bargeld den gleichen Zweck wie ein Bancomat erfüllen kann.

Bancomaten sind für die Banken ein teures Geschäft. Er beziffert die Unterhaltskosten in der Schweiz auf Fr. 60000.- pro Apparat. Kein Wunder, dass sich Banken an gewissen Orten zweimal überlegen, ob sie einen Bancomaten aufstellen wollen. Die Bargeldbezüge beim Bancomaten gehen auch für die Kunden mit rund zwei Franken pro Bezug ins Geld. Eine kostengünstigere Alternative liegt also im Interesse vieler.

www.sonect.ch


 

All Horses: Neues Belohnungssystem für Pferde

Heidi Hall hat ihr Herz schon seit Urzeiten dem Pferdesport verschrieben. Die Geschäftsidee der passionierten Reiterin kommt folglich nicht von ungefähr. In der Welt der Pferde ist sie zu Hause.

Es ermöglicht dem Reiter, sein Pferd auf eine neue Art und Weise zu belohnen.

Ihr Start-up-Unternehmen heisst All-Horses und bringt mit dem All-Horses-Halfter kein alltägliches Produkt auf den Markt: Es ermöglicht dem Reiter, sein Pferd auf eine neue Art und Weise zu belohnen. All-Horses-Trense verfügt über ein integriertes Belohnungssystem, wodurch die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd gefördert wird. Zwei Patente wurden schon eingereicht, ebenso eine GmbH gegründet.

Über einen Kanal im Schenkel der Trense kann via eine Pumpe eine Flüssigkeit nach dem Geschmack des Pferdes, also etwa Apfelsaft oder Mohrrübensaft, direkt in das Maul eingegeben werden, sowohl beim Reiten, bei Bodenarbeiten, bei der Dressur oder beim Springen.

Dank dieser Methode soll der natürliche Speichelfluss aktiviert werden. Das Pferd sei schneller gelöst. Ein grosser Vorteil liegt laut Heidi Hall auch darin, dass die Belohnung im richtigen Moment erfolgen kann, ohne dass die Arbeit unterbrochen werden muss.

Die multifunktionalen All-Horses-Trensen werden seit Februar 2016 hergestellt. Der Markt sei gross, sagte sie bei ihrem Fernsehauftritt. Alleine in der Schweiz gäbe es rund 36000 Besitzer von Pferden.

Die Vision der Gründerin aus dem Kanton Freiburg: Sie möchte bald auch international expandieren, damit Pferde und Reiter auf der ganzen Welt vom innovativen Produkt profitieren können.

www.all-horses.com


 

Wenn Sie die TV-Sendungen verpasst haben, können sie alle Folgen als Online-Stream schauen. Zudem gibt es auf  www.kampfderideen.ch diverse Tipps und Tricks rund ums Thema Start-up".


Bilder: zVg