Was ist die Idee hinter Ihrem Start-up?
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Aufwand beim Umzug zu vereinfachen. Jeder weiss ja, wie anstrengend und aufwendig so ein Wohnungswechsel ist: Man muss extrem viel planen, vorbereiten und organisieren.

Mit unserem Start-up versuchen wir, den ganzen Umzugsprozess aus einer Hand abzudecken. Hierfür bieten wir eine onlinebasierte Serviceplattform an, die unsere Kunden bei der Umzugsplanung und der Suche nach regionalen Umzugs- oder Reinigungsfirmen unterstützt.

Welchen Herausforderungen mussten Sie sich vor der Gründung stellen?
Zuerst einmal ist es wichtig, sich mit der übergeordneten Fragestellung auseinanderzusetzen, ob die Unternehmensidee darauf basiert, eine Lösung für ein noch nicht vorhandenes Problem anzubieten oder umgekehrt, ein Problem zu haben, für das es überhaupt noch keine Lösung gibt.

Je nach Ausgangslage muss also anfänglich das Problem oder eben die Lösung gefunden werden. In unserem Falle waren wir persönlich von der Komplexität der Umzugsorganisation betroffen, aus der sich der Wunsch nach einem vereinfachten Lösungsansatz herausbildete. Unsere Idee entstand also aus einem individuellen Bedarf heraus, was meiner Meinung nach die bessere Voraussetzung für eine Unternehmensgründung ist.

Wie ging es dann weiter?
Wir mussten natürlich auch andere Menschen von dieser Idee überzeugen und Mitbegründer finden, denen eben soviel an der Idee liegt wie uns selbst. Teambildung ist hier ein gutes Stichwort. In einem guten und motivierten Team werden ein angenehmes Arbeitsklima und die Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit geschaffen, was wiederum die unternehmerische Produktivität steigert.

Schliesslich darf man sich die Unternehmensgründung nicht wie einen klassischen Nine-to-five-Job vorstellen. Meistens sind es 70 bis 80 Wochenstunden, die man aufgrund des Arbeitspensums zusammen verbringt.  

Mit welchen Hindernissen wurden sie anfänglich konfrontiert?
Oh, das waren einige. Alleine schon was den ganzen Rechtsraum anbelangt. Wie gründet man ein Unternehmen? Was sind AG, GmbH und Handelsregister? Wie funktioniert die ganze rechtliche Struktur?

Man hat noch keine Vertragspartner oder Unterstützer, geschweige denn einen Franken Umsatz gemacht und muss schon wegen sehr vielen unterschiedlichen Angelegenheiten regelmässig Anwälte konsultieren.

Eine weitere Hürde war es ausserdem, Partnerunternehmen von der Digitalisierung zu überzeugen. Der Umzugsmarkt existiert schon sehr lange und ist laut Auffassung der Kritiker auch noch kaum digitalisiert. Sie davon zu überzeugen, ihre Dienstleistungen auf unserer Serviceplattform anzubieten, war sehr viel schwieriger, als man denken würde.

Welche Dinge sollte man bei der Gründung auf jeden Fall beachten?
Sobald man ein Unternehmen nicht alleine gründet, sollten die Anteile gut verteilt und unternehmerische Richtlinien direkt vertraglich festgesetzt werden.

Hierbei geht es dann nicht nur um die grundlegenden Fragen, wer welche Anteile besitzt, sondern auch darum, was mit diesen geschieht, zum Beispiel wenn sich einer der Gründer aus dem Unternehmen zurückziehen will.

Potenziell auftauchende Probleme müssen also evaluiert und die Lösungsmöglichkeiten im Vorhinein vertraglich ausgehandelt werden. Dies vereinfacht auch die Situation, wenn es im Verlauf der Unternehmensgeschichte zu Uneinigkeit kommen sollte.

Wie wichtig sind zuverlässige Partner bei der Gründung eines Start-ups?
Da man als Start-up bei der Gründung und Produktentwicklung mit so viel Arbeit konfrontiert ist, ist es effizienter, wenn ein Teil der Arbeit an erfahrene Arbeitskräfte mit fachlicher Qualifikation abgegeben werden kann.

Insbesondere wenn es um treuhänderische und rechtliche Arbeit geht, würde ich immer auf Juristen, Notare und Fachkräfte mit mehrjähriger Erfahrung vertrauen. Das verkürzt nicht nur den Arbeitsprozess ungemein, es kommt auch zu weniger Problemen.

Haben Sie sich irgendwelcher Hilfsmittel bedient?
Wir haben uns anfangs mit Crowdfunding auseinandergesetzt. Dies funktioniert jedoch primär mit emotional ansprechenden Produkten. Umzug ist da doch eher unsexy.

Daher haben wir uns unter anderem über sogenannte «Business Angels» (private Finanzinvestoren) und durch Beteiligung von grossen Firmen finanziert.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft beziehungsweise wie sehen die nächsten Pläne aus?
Wir möchten unser Angebot vom Umzug zur Renovierung hin erweitern.

Sodass man in Zukunft auch Maler, Fliesenleger und andere Handwerker jederzeit und auf Knopfdruck über unsere Plattform koordinieren und buchen kann. Damit erhoffen wir uns langfristig ein Wachstum von 30 auf 100 bis 150 Mitarbeiter.

Haben Sie nützliche Tipps für andere Gründer?

  • Nicht lang fackeln: Je länger man wartet, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man seine Idee tatsächlich umsetzt.
  • Über die Idee reden. Sie geheim zu halten, ist ein Mythos. Es ist wichtig, andere von der Idee und dem Nutzen des Produkts zu überzeugen, ihre potenzielle Kritik ernst zu nehmen, zu widerlegen oder Lösungen dafür zu finden.
  • Marktanalyse. Es empfiehlt sich überdies, auch eine Marktanalyse zu machen. Besteht Bedarf für mein Produkt? Wie ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage?
  • Auf die Kunden(bedürfnisse) eingehen: Wie können wir unseren Service verbessern? Hierfür sollte man stets den Kontakt mit dem Kunden suchen und regelmässig Feedback einfordern. Telefonisch, per E-Mail, in Fokusgruppen, über Website-Testings und, und, und. Die Meinung der Kunden ist schlussendlich das Einzige, was zählt.

Tipp

MOVU ist ein etabliertes Start-Up mit Sitz in Zürich. Gegründet wurde die Online-Plattform für Umzüge und Umzugsreinigungen im Mai 2014 und hat mittlerweile über 15'000 Kunden beim Umziehen begleitet. MOVU bietet seinen Kunden relaxtes Umziehen, und bringt zugleich Transparenz in den Schweizer Umzugsmarkt. Das junge Unternehmen ist mit über 3'000 Kundenanfragen pro Monate die bekannteste und grösste Umzugsplattform der Schweiz.

MOVU AG