Stefan Vogler: Steckt die Schweiz derzeit im Gründungsfieber?

Insgesamt betrachtet befindet sich die Schweiz in der Tat seit Jahren im Gründerfieber, aber auch die Anzahl an Firmenpleiten blieb hoch. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Welches sind denn mögliche Gründe für die zahlreichen Neugründungen?

Die Erfahrung zeigt, dass viele junge Hochschulabsolventen lieber ein Start-up gründen, als Karriere in einem Grossunternehmen zu machen. In jungen Jahren, wenn noch keine Familie und Kinder da sind, ist das Risiko naturgemäss beschränkter. Technologieorientierte Start-up-Unternehmen, die zum Teil zu astronomischen Preisen verkauft wurden, sind sicher ein monetärer Anreiz. In den meisten Fällen bleibt es aber beim Traum vom grossen Geld. Kommt hinzu, dass unter dem Strich nur jene Unternehmen langfristig Erfolg haben, die nicht das schnelle Geld, sondern den Aufbau einer eigenen Firma zum Ziel haben. Einen weiteren Aspekt sehe ich darin, dass dank der mobilen IT es gerade für Dienstleistungsunternehmen sehr günstig ist, sich selbständig zu machen. Ungefähr 50 Prozent aller Neugründungen überleben aber das fünfte Geschäftsjahr nicht. Sie geben auf oder machen Konkurs.

Welche Branchen sind im Bereich Start-ups führend?

Am meisten Neugründungen gibt es im Gastgewerbe, der Textil- und Bekleidungsindustrie, den Unternehmensdienstleistungen, dem Landverkehr, der Logistik und dem Grosshandel. Schlusslichter bei den Neugründungen sind das Druck- und Verlagsgewerbe, der Maschinenbau und die Holz- und Möbelindustrie. Dienstleistungsunternehmen brauchen wenig bis keine Investitionen. Oft wird hier im Büro oder zu Hause gearbeitet. Solche Unternehmen profitieren zudem wie bereits erwähnt von der mobilen IT.

Wie erreicht man die Aufmerksamkeit von potenziellen Investoren?

Unter anderem über Inkubatoren wie dem Startzentrum, mit guter Medienarbeit, über Veranstaltungen und Messen, Banken, Treuhänder, Anwälte und Hochschulen. Eine wichtige Rolle spielen auch das Internet und die sozialen Medien. Nicht zu vergessen ist die Mund-zu-Mund-Propaganda, auch unter Verwandten, Freunden und Bekannten. In den letzten Jahren hat sich eine gut vernetzte agile Gründer-Community gebildet, die sehr gute Kontakte zu Investoren unterhält. Auch gibt es immer mehr Jungunternehmer, die ihr Start-up gut verkaufen konnten und nun selbst in Neugründungen investieren.

Worauf richten Investoren bei einem Businessplan ihr Augenmerk?

Entscheidend sind der Markt und das Marketing, das geschätzte Marktpotenzial und das gewählte Geschäftsmodell. Hinzu kommen der Produkt-Nutzen und innovative Pilotprodukte, die bereits erfolgreich getestet wurden. Entlang den klassischen Punkten im Marketingmix, das heisst Produkt, Preis, Distribution und Promotion, muss alles durchdacht und mit Fakten überzeugend belegt sein. Schliesslich ist auch die Persönlichkeit des Unternehmers wichtig. Um wirklich Erfolg zu haben, braucht es vor allem Hartnäckigkeit, Durchhaltewillen und Kundenorientierung. Schliesslich ist auch die Erkenntnis wichtig, rechtzeitig aufzuhören, wenn der Erfolg ausbleibt.