Nachdem das erste Start-up, das er mitfinanziert hatte, an die Scout24-Gruppe verkauft werden konnte, liess Thomas Dübendorfer das Thema Start-ups nicht mehr los.

Er suchte sich Privatinvestoren mit Start-up-Erfahrung und begann systematisch nach Start-ups in der Frühphase zu suchen. Aufgrund seines ETH-Doktorates in Informatik und seiner Arbeitserfahrung im Silicon Valley und bei Google wollte er primär mit Technologie-Start-ups zusammenarbeiten, weil er denen am meisten helfen konnte.

Da es in der Schweiz keinen Business Angel Club gab, der sich primär auf Technologie-Start-ups fokussierte, gründete er zusammen mit anderen Investoren den Swiss ICT Investor Club (SICTIC).

Herr Dübendorfer, wie finden sich Investoren und Start-ups?
In der frühen Phase verfügen Start-ups meist über kein komplettes Team, das Business-Modell funktioniert noch nicht ganz und das Produkt ist noch nicht fertig. In dieser Phase ist es wichtig, dass die Gründer nicht nur Geld suchen, sondern auch Investoren, die Ahnung haben vom Unternehmertum.

Man nennt sie auch Business Angels oder Angel Investors. Sie erklären den Gründern, worauf sie achten müssen, was sie gut machen und was riskant ist. Ein Frühphasen-Start-up muss unbedingt lernen, Personen zu suchen, die es darin unterstützen können, schneller besser zu werden.

In einer späteren Phase geht es primär darum, kapitalkräftige Investoren zu finden. Da sind dann Fonds, Venture Capitalists (VCs) oder auch Family Offices die richtige Adresse.

Wozu braucht es Business Angel Clubs?
Als Start-up kann man Investoren über Mund-zu-Mund-Propaganda finden, was aber sehr zeitaufwendig ist. Oder man geht zu einem Angel Club. Das ist eine Gemeinschaft von Investoren, die zusammen Start-ups begutachten.

Der Swiss ICT Investor Club (SICTIC) wurde 2014 gegründet und umfasst bereits über 150 vermögende Privatpersonen mit unternehmerischer Erfahrung, die Interesse an Investments in Technologie-Start-ups haben.

Wenn der Business Case gut ist, dann dürfen Start-ups gratis an SICTIC Investor Days teilnehmen, um ihre Idee vor fünfzig oder mehr Investoren vorzustellen.

Unser grösster Anlass ist der «Swiss Fintech Investor Day» und mit gut 200 Investoren der grösste Investorenanlass der Schweiz mit Spezialisierung auf Technologie-Start-ups in der Finanzbranche.

Welches erfolgreiche Start-up hat der Swiss ICT Investor Club (SICTIC) bislang hervorgebracht?
Beim Fintech-Start-up Contovista war ich von Anfang an dabei. Sein Finanzassistent kann von mehr als einer Million Bankkunden im E-Banking-Portal ihrer Hausbank benutzt werden. Nach vier Jahren ist Contovista bereits für einen zweistelligen Millionenbetrag an die Schweizer Aduno-Gruppe verkauft worden.

Zwei Business Angels aus unserem Club und ein weiterer waren daran beteiligt; zudem sind zwei Advisors von Contovista im Vorstand von SICTIC. Die Angels und Advisors haben Contovista beim Finden der ersten Banken als Referenzkunden massgeblich unterstützt und geholfen, schneller zu wachsen.

Die Angel-Investoren haben ihre erste Investmenttranche nach nur vier Jahren 33-fach zurückerhalten.

Was sind die wichtigsten Dos und Don’ts für Start-up-Gründer?
Ein grosser Fehler ist, die falschen Mitgründer zu wählen. Jemand mag zwar ein guter Freund sein, aber womöglich passen seine Fähigkeiten nicht gut genug zur Firma und er kann mittelfristig auch keinen grossen Beitrag leisten. Zum anderen sprechen Gründer erst viel zu spät mit den künftigen, zahlenden Kunden.

Was mich hingegen sehr freut ist, dass die Wachstums-Ambitionen der Start-ups in der Schweiz in den letzten vier Jahren massiv zugenommen haben. Für Start-uppers gilt: The sky is the limit!