Ich bin selbständig – klingt souverän. Ich bin mein eigener Chef – klingt wichtig. Ich habe mein eigenes Unternehmen – klingt erfolgreich. Aber Moment! Was bedeuten diese verführerischen Sätze überhaupt? Nicht viel.
Wer sein eigenes Unternehmen gründen will, kann das hier und jetzt tun. Etwa, weil er unternehmerische Lust verspürt. Oder weil er sich mit seinem Spezialgebiet vom Mutterunternehmen abnabelt. Oder auch nur deshalb, weil sich der Arbeitslose dann nicht mehr «arbeitlos» schimpfen muss, sondern «selbständig» nennen darf.

Gründe fürs Scheitern
Es überrascht also kaum, dass viele Leute, die ihr eigenes Start-up-Unternehmen gründen, recht schnell wieder aufgeben. Aufgeben müssen. Die Gründe fürs Scheitern liegen auf der Hand. Längst nicht jeder besitzt das Talent, ein Unternehmen auf die Beine zu stellen. Manchen fehlt die geistige oder körperliche Fitness, anderen ist nicht bewusst, wie viel Engagement der Schritt in die Selbständigkeit erfordert. Dies sind erst die persönlichen Defizite. Bei anderen Mutigen oder Übermütigen bleibt der Erfolg aus, weil ihnen das unternehmerische Knowhow fehlt. Fehlende Vision, kein Businessplan, ungenügende Markt- und Eigenanalyse. Auch dürfen die rechtlichen Aspekte bei der Firmengründung nicht vernachlässigt werden. Klingt «Ich bin selbständig» immer noch so souverän?

Hilfe für Start-ups
Für den erfolgreichen Start braucht es also eine zündende Idee, eine fundierte Marktanalyse, eine kompetent begleitete Gründung, das Vertrauen von Kunden und ein überdurchschnittliches Engagement. Damit die kühnen Träume vom Chef-sein nicht vorzeitig platzen, bieten Start-up-Helfer ihre Unterstützung an. «Wir helfen Start-ups nicht nur Schritt für Schritt bei der Firmengründung, sondern auch in der entscheidenden Startphase danach», erklärt Simon May, Geschäftsleitungsmitglied des IFJ Instituts für Jungunternehmen. Solche Anlaufstellen für Start-ups bieten Beratung, rasche Firmengründung, Business- und Buchhaltungs-Lösungen, Kurse, eine Businessplan-Software, News, Referat-Events mit aktivem Networking sowie diverse Internet-Angebote als kostenlose Knowhow- und Informationsquellen. Auch betreibt jeder Kanton eine Wirtschaftsförderung, die Gründungswillige meist eine kostenlose Erstberatung bietet und über die lokalen Gegebenheiten, Netzwerke und Förderangebote für neue Unternehmen informiert.

Noch lange nicht am Ziel
Wer seine geniale Idee herauskristallisiert, den Markt sondiert, einen Businessplan erstellt, einen passenden Firmennamen gefunden, das Team zusammengestellt, die Infrastruktur aufgebaut, die Finanzierung geklärt, dann auch noch die geeignete rechtliche Form gewählt und sämtliche Formalitäten erledigt hat, ist auf dem richtigen Weg – aber noch lange nicht am Ziel. Ein Weg voller Hürden und Stolpersteine. May: «Die Start-up-Phase nach der Firmengründung beinhaltet die Beschaffung und Komplettierung interner Infrastruktur und der Instrumente für den Verkauf, den Start der kaufmännischen, eine firmenkonforme Versicherungslösung, die Überwachung der Finanzen und die kontinuierliche Liquiditäts-, Personal- und Wachstumsplanung.» Im Endeffekt sei eine erfolgreiche Firmengründung aber immer auch von der Bereitschaft zu einem überdurchschnittlichen Einsatz abhängig.

Kunden müssen Fans werden
Und wann ist die Startphase beendet? Wann steht der Selbständige auf sicherem Boden? Kein Unternehmen wird von sich behaupten, absolut sicheren Boden zu haben. Jeder Unternehmer ist verpflichtet, mit Weitsicht, unternehmerischem Geschick, verkäuferischem Flair und überdurchschnittlichem Einsatz die Zukunft seiner Firma zu gestalten. Die ersten drei bis fünf Jahre sind schwierig. Wer sich seinen Platz im Markt erkämpfen und sich dort etablieren will, muss sich in dieser Zeit die ersten Kunden zu waschechten, treuen Fans machen. Erst wenn diese Phase erfolgreich überstanden ist werden Empfehlungen, Wiederkäufe und Zusatzverkäufe möglich und das Jungunternehmen kann unternehmerisch aus den Kinderschuhen wachsen. Es ist die knallharte Realität aller Gründer eines Start-ups. Für viele wirkt sie abschreckend. Zum Glück. Für die anderen ist sie ein Ratgeber und Wegweiser auf dem steinigen Weg zur Selbstverwirklichung.