Sein eigener Herr und Meister in der Arbeit sein: Der Traum von der Selbstständigkeit im Job ist ungebrochen. Eine Blütezeit in dieser Hinsicht erlebt derzeit Basel.

Meistens längere Durststrecke

Wie viele dieser «Aussteiger» eines Tages in finanzieller Sicht auf einen grünen Zweig kommen, steht wiederum auf einem anderen Blatt. Vielen geht irgendwann der Schnauf aus und sie werfen das Handtuch.

Aber immerhin: Das Umfeld und die Voraussetzungen für Start-ups in Basel stimmen. Günstiger Gewerberaum ist vorhanden, ebenso eine moderne Infrastruktur. Auch die politischen Rahmenbedingungen sind besser als andernorts. Universität und Fachhochschulen leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag.

Laut dem kantonalen Wettbewerbsfaktor der UBS nimmt Basel bezüglich Innovationspotenzial mit Abstand Rang eins in der Schweiz ein, was vor allem mit dem Bereich Lifesciences zusammenhängt.
 

Vorzeigebespiel Actelion

Vorzeigebeispiel für ein besonders erfolgreiches Start-up-Unternehmen ist die Firma Actelion. Das 1997 in einer Garage in Allschwil nahe Basel gegründete Biotech-Unternehmen eines Ärzteehepaars wurde vor Kurzem für 30 Milliarden Dollar an den US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson verkauft.

Nach Meinung von Roger Meier,  der viele Basler Neugründungen seit ihrem Gründungsprozess begleitet, müsste sich im Raum Basel allerdings noch einiges mehr tun – trotz eines unbestritten gründerfreundlichen Klimas. «Wir nützen unsere Standortvorteile noch viel zu wenig aus», lautet sein grundsätzliches Fazit.

Es müsste etwa zu denken geben, wenn Novartis einen Teil der Forschung nach Boston verlagere, wo sehr viele Start-ups ansässig sind. Viele gute Ideen hier würden leider noch irgendwo unbeachtet in einer Schublade landen. «Nicht jeder Wissenschaftler erkennt das Marktpotenzial seiner Entdeckung», sagt Meier. «Es besteht noch zu wenig Austausch zwischen Innovatoren und Umsetzern.»

Weiter würde zwar enorm viel in Bildung und Innovation investiert, aber nur wenig, um daraus vielversprechende Unternehmen zu formen. «Risikokapitalgeber treten erst auf den Plan, wenn Firmen gegründet sind und einen glaubhaften Umsetzungsplan ihrer Idee präsentieren können.» Die Gründung eines Hightech- oder Biotech-Unternehmens setze das Zusammenspiel vielfältiger Kompetenzen und Netzwerke voraus – und zwar bevor Investoren gesucht werden.

Nur so könne aus einer Idee auch ein Erfolg versprechendes Unternehmen werden. In dieser Vorgründungsphase seien deshalb Coaches gefragt, die unternehmerische Mitverantwortung übernähmen. Sie könnten komplementäres Know-how mobilisieren und so mithelfen, gute Ideen qualitativ hochwertig unternehmerisch umzusetzen.
 

Mehr Mut gefragt

Laut Meier gelte es bei einer guten Idee, rasch die bestmöglichen Leute um sich zu scharen. Sobald ein Unternehmer in spe zu ihm komme und er von einer Idee angetan sei, suche er die geeigneten Experten zusammen, welche diese Idee dann weiter begleiten.

Meier meint, es sei unverständlich, dass die Brücke zwischen Innovation und der ersten Finanzierung durch privates Risikokapital heute in der Schweiz – im Gegensatz zu den USA – noch so dünn und schmal sei. «Wir sollten den Mut haben, deutlich mehr Ideen unternehmerisch zu lancieren, selbst wenn viele davon scheitern sollten.»
 

Plädoyer für gemeinsames Finanzierungsmodell

In finanzieller Hinsicht wünscht er sich deshalb ein Zusammenwirken der Kräfte, um die Vorgründungsphase von Unternehmen durch Anschubfinanzierungen zu erleichtern – und damit die Zahl der Neugründungen deutlich zu erhöhen.

Hier könnte ein gemeinsames Finanzierungsmodell, an dem Unternehmen, Private und der Staat die Vorgründungsphase von Unternehmen mitfinanzieren, zum Erfolg führen. Im Erfolgsfall könnte sich ein Kapitaleinsatz in Form einer Anschubfinanzierung und einer kleinen Gründerbeteiligung auszahlen.

Es gehe nicht darum, alles auf eine Karte zu setzen. Aber: «Wir müssen hier noch besser mit Versuch und Irrtum umgehen und massiv mehr Ressourcen in die Schaffung von neuen Unternehmen stecken», so der Tenor von Meier.