Im aargauischen Mägenwil produziert ein Familienbetrieb frische Güggeli-Produkte – seit 53 Jahren. Während dieser Zeit wechselte der Stab bereits zweimal von einer Generation zur andern. Nach sechs Jahren unter Daniel Kneuss ist die Aktiengesellschaft um etwa 90 Prozent gewachsen. Unter dem Strich verlief die Übergabe des Unternehmens erfreulich. Im 2000 stieg Daniel Kneuss, gelernter Metzger und diplomierter. Betriebswirtschafter, als Verkaufsleiter in den Betrieb ein. Er beschreibt sich als kreative, proaktive und extrovertierte Persönlichkeit. Sein Bruder Thomas, der Techniker und EDV-Spezialist, setzt sich mit Expansion und Investition auseinander. Ihn charakterisiert sein Bruder als introvertiert, fein und exakt. «Die Mitarbeitenden fanden es cool, dass die jungen Kneussen, die neue Generation, da war», erzählt der CEO. Auch deshalb funktionierte der Knowhow-Transfer reibungslos. Neben seiner Arbeit als Verkaufsleiter absolvierte er Weiterbildungskurse. Was er da lernte, setzte er im Unternehmen um. Weil das KMU wendig und dynamisch ist, konnte er auf der Schulbank Gelerntes ausprobieren. Misslang der Versuch, brach er ihn einfach wieder ab. Das brachte den Betrieb genauso vorwärts wie der externe Berater. Am Kneuss’schen Mittagstisch wird diskutiert und der verbale Familienkampf ausgefochten. Jeder steuert seinen Beitrag zum vorteilhaften Ergebnis bei. Offen und direkt ist der Kommunikationsstil und somit manchmal auch emotional.

Vom Einmannbetrieb zum KMU
Die Grosseltern bauten das Geschäft in den 60ern auf. Der Vater übernahm es und übergab den Betrieb an die dritte Generation. Hätten Daniel und Thomas Kneuss sich für eine andere Laufbahn entschieden, wäre das schweizweit tätige Unternehmen verkauft worden. Doch die Brüder wurden als Kinder mit Güggeli «infiziert» und «gebranded», wie das Daniel Kneuss nennt. Das bedeutet, dass etwa am Karfreitag, wenn ihre Freunde Fisch assen, zu Hause ein leckeres Pouletgericht auf dem Tisch stand. Das Thema Güggeli war allgegenwärtig. Für den CEO war klar, dass er in einem Familienbetrieb Geschichte schreiben kann – viel eher als in einem grossen Konzern. Sein Unternehmergeist kommt hier besser zum Tragen. Der Vater hat eine hohe Meinung von seinen Söhnen und lässt ihnen freie Hand. Die Übergangsphase unterstützte er stets mit seinem Fachwissen. Dieses bringt er nach wie vor bei der Arbeit in der Lebendtierplanung und der -betreuung ein. Dadurch begleitete er den Vorgang konstant. Dass der Führungswechsel geplant wurde und vor allem früh genug begann, war für ihn relevant. Sukzessive gab er Verantwortung ab und schenkte Vertrauen. So gelang es ihm frühzeitig loszulassen. Binnen vier Jahren wurde der Wechsel vorbereitet und vollzogen. Die Stabsübergabe fand im 2007 statt.

Internes und externes Umfeld
Daniel Kneuss erlebte die Übergangszeit als positiv und lehrreich. Er fühlte sich von seiner Umwelt verstanden und getragen – insbesondere von den Mitarbeitenden. Deren Anzahl nahm von 30 auf 131 Personen zu. 97 Prozent des Personals nimmt am Weihnachtsessen teil und verleiht dem Unternehmen den «Familienbetriebs-Bonus». Folglich ziehen alle am gleichen Strick und leisten ihren Anteil am Erfolg. Das spüren die Kunden. Diese schätzen sowohl die familiäre Atmosphäre als auch die Eigenständigkeit des Unternehmens. «Als Folge davon wollten einige Kunden nach der bekanntgegebenen Übergabe die Zusammenarbeitsstrategie fixieren», schildert der CEO. Sein Ziel nach einem Jahrzehnt an der Spitze: Für alle Beteiligten das Richtige tun und dass es dabei dem Güggeli-Betrieb gut geht.