Deshalb gelte es, zu ihnen Sorge zu tragen.

Weshalb, Herr Bigler, sind KMU von zentraler Bedeutung für unsere Wirtschaft?
99.7 Prozent der Schweizer Unternehmen sind KMU. Diese bieten zwei Drittel aller Arbeitsplätze an und bilden über 70 Prozent der Lernenden aus. KMU sind damit definitiv das Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft. Dies auch, weil die KMU-Unternehmenden eng mit der Gesellschaft verbunden sind und eine hohe Glaubwürdigkeit haben. Viele KMU-Vertreter sind in den Gemeinden, in Vereinen oder in sozialen Organisationen tätig. Das garantiert Bodenhaftung und Realitätssinn, zwei entscheidende Eigenschaften für das Funktionieren der Schweizer Volkswirtschaft.
 

Stichwort Bildungspolitik: Wie kann das duale Berufsbildungssystem gestärkt und insbesondere die zusätzliche Finanzierung in der höheren Berufsbildung durchgesetzt werden?
Die Vorteile der dualen Berufsbildung müssen mehr gewürdigt und die Berufsbildung muss insgesamt gestärkt werden. Die Gleichwertigkeit der akademischen und der beruflichen Bildung ist in der Verfassung verankert. Dieser Grundsatz muss endlich konsequent umgesetzt werden. So sollten wir zum Beispiel einen angehenden Schreinermeister bei der Finanzierung der höheren Berufsbildung finanziell unterstützen, so wie dies bei der akademischen Ausbildung der Fall ist, und ihn nicht mehrere 10 000 Franken selber tragen lassen.

Heute ist oft von einer zunehmenden Akademisierung unserer Gesellschaft die Rede. Wie können in diesem Kontext das Image und die Attraktivität der gewerblichen
Berufe verbessert werden?

Eine Berufslehre ist für Jugendliche der erste wichtige Abschluss. Über das durchlässige System der höheren Berufsbildung stehen danach alle Wege für eine Karriere offen. Zentral ist, dass die Absolventen aus dem Berufsbildungssystem die erlangten Qualifikationen im Schweizer Arbeitsmarkt und im Ausland transparent aufzeigen können. Deshalb fordern wir, dass die Berufsprüfungen im Titel mit einem englischen Diploma supplement «Professional Bachelor» oder «Professional Master» ergänzt werden.

Ein Wort zur Energie- und Klimapolitik: Wie kann unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit die Versorgungssicherheit für KMU und eine hohe Versorgungsautonomie der Schweiz insgesamt gewährleistet werden?
Indem wir Energie effizienter einsetzen und bei deren Gewinnung die technologischen Möglichkeiten konsequent ausschöpfen. Entscheidend ist, dass wir gezielt auf marktwirtschaftliche Anreize und auf Massnahmen zur Effizienzsteigerung aus der Wirtschaft selber setzen. Wie das Beispiel der CO2-Reduktion zeigt, übertrifft die Wirtschaft mit freiwilligen Massnahmen die gesteckten Ziele bei weitem. Gesetzliche Überregulierungen würden hier bremsend wirken.

Viele KMU beklagen, was die Finanz- und Steuerpolitik betrifft, einen hohen Aufwand.
Dem ist in der Tat so. Generell leiden wir in der Schweiz unter einer Überregulierung, die insbesondere in den KMU zu einem enormen administrativen Aufwand mit entsprechender Kostenfolge führt. Der sgv schätzt, dass unser «Regulierungsdschungel» uns jährlich 50 Milliarden Franken kostet. Der Bundesrat bestätigte im Dezember diese Zahl im Wesentlichen. Diese Fehlentwicklung können wir nur stoppen, wenn wir jedes neue Gesetz hinterfragen und genau analysieren, ob es KMU-verträglich ist und welche Kosten es mit sich bringt.


Sie wollen die Leistungen der Sozialwerke konsequent auf die vorhandenen Mittel ausrichten und sie durch ausgabenseitige Schuldenbremsen sichern.
Auch das ist richtig. Angesichts der finanziell angespannten Lage und der demografischen Entwicklung können wir es uns schlicht nicht mehr leisten, immer nur neue Geldmittel einzuschiessen, bis die Sozialwerke nicht mehr finanzierbar sind. Vielmehr muss das System auf die vorhandenen Mittel ausgerichtet werden, indem bei der Altersvorsorge das Rentenalter in Monatsschritten und damit sozial verträglich entsprechend den vorhandenen Mitteln angepasst wird.

Ebenso wollen Sie den flexiblen Arbeitsmarkt und die Interessen der Arbeitgeber konsequent verteidigen.
Genau. Wir haben in der Schweiz dank unserem liberalen Arbeitsmarkt eine international rekordtiefe Arbeitslosigkeit. Mit dem Nein zur 1:12-Initiative und zum Mindestlohn hat das Volk innerhalb weniger Monate zweimal eindrücklich und in aller Deutlichkeit bestätigt, dass es kein staatliches Lohndiktat und keine Zwangsmassnahmen für Gesamtarbeitsverträge will. Dieses Votum versteht der sgv als Auftrag, sich weiterhin für den liberalen Arbeitsmarkt einzusetzen.