Herr Fischer, was ist eigentlich geistiges Eigentum?

Geistiges Eigentum ist der Oberbegriff für die verschiedenen Typen von Eigentumsrechten an immateriellen – oder eben geistigen – Gütern. Im Gegensatz dazu steht das Sachenrecht, das materielle Güter zum Gegenstand hat. Zum geistigen Eigentum zählen das Patentrecht, das Markenrecht und das Urheberrecht.

Und was verstehen Sie unter Bildrecht?

Mit Bildrecht bezeichnet man das Urheberrecht an Bildern, Fotografien oder ähnlichem. Das Bildrecht ist somit Teil des geistigen Eigentums und gibt dem Rechtsinhaber die Möglichkeit zu bestimmen ob, wann und wie das Bild verwendet werden darf. Zum Teil wird mit Bildrecht allerdings auch das Recht am eigenen Bild gemeint. Das ist ein Teil des Persönlichkeitsrechts und schützt die Privatsphäre. Grundsätzlich muss es sich niemand gefallen lassen, ohne Einwilligung an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. 

Seit dem digitalen Zeitalter hat sich diesbezüglich einiges geändert?

Vor dem digitalen Zeitalter hat das Urheberrecht primär das Verhältnis zwischen dem Schöpfer und dem Verwerter, etwa zwischen dem Autor und seinem Verlag geregelt. Der Leser war nicht betroffen. Der blosse Werkgenuss ist frei und alle urheberrechtlich relevanten Handlungen, die er vornehmen konnte, waren von einer gesetzlichen Erlaubnis gedeckt. Er war höchstens am Rande tangiert, weil er eine Fotokopie in der Bibliothek machte und dafür über die Bibliothek eine Vergütung zahlte. Heute geht Urheberrecht alle etwas an, weil die Verwendung von Werken über das Internet urheberrechtlich relevant und in der Regel nicht über eine gesetzliche Erlaubnis abgedeckt ist.

Was muss ein Startup also beachten, bevor es eine eigene Webseite lanciert?

Jedermann – und damit auch ein Startup-Unternehmen - muss sich damit beim Lancieren einer Webseite um die Urheberrechte kümmern. Darf ich die Texte verwenden? Die Bilder? Die Fotografien? Wo hat mein Webdesigner die Inhalte her? Hat er sich die Rechte einräumen lassen? Das ist so wichtig, weil es beim Urheberrecht keinen Gutglaubensschutz gibt. Ein Unternehmer kann sich deshalb auch dann nicht von einer Haftung befreien, wenn er gutgläubig darauf vertraute, dass die rechtliche Situation geregelt sei. Wir im IGE erhalten leider immer noch zu viele Anfragen, von Leuten, die genau das gemacht haben und deswegen Post vom Anwalt erhalten haben;  zumeist mit substantiellen Forderungen.

Was sind Ihrer Meinung nach die anderen wesentlichen Hürden, ein Startup zu gründen?

Die Gründer müssen sich in Unternehmer verwandeln. Sie müssen eine Idee in ein Produkt umwandeln, das Produkt effizient produzieren und vertreiben, Kunden gewinnen und halten. Parallel dazu müssen sie ihre Firma aufbauen, die richtigen Mitarbeitenden einstellen und zu Bestleistungen motivieren sowie die Administration und insbesondere die Finanzen in den Griff bekommen. Je nach Entwicklung müssen sie die Firma mehrmals umbauen; ein Unternehmen mit drei Mitarbeitenden muss anders geführt werden als eines mit 30 oder 300.

Hat es in der Schweiz noch Platz für neue Unternehmen?

Es hat nicht nur genügend Platz, wir brauchen unbedingt innovative und erfolgreiche Start-ups. Die Welt verändert sich erfahrungsgemäss immer rascher, wir müssen uns bewegen, um nur schon an Ort zu bleiben. Es gibt heute fast keine Branche mehr, die nicht auf Innovationen und zukunftsträchtige Ideen angewiesen ist, um noch erfolgreich zu sein. Etablierte Firmen tendieren dazu, statisch zu werden, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Deshalb braucht es neue Ideen und junge Unternehmer, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen.

Weshalb scheitern manche Start-ups bereits nach kurzer Zeit?

Viele Erfinder und Jungunternehmer verfügen erfahrungsgemäss über eine Art Tunnelblick: Sie sind der Überzeugung, dass die Welt auf ihr Produkt gewartet hat. Es ist eine grosse Herausforderung, mit seinen Erwartungen am Boden zu bleiben und trotzdem gross zu denken. Aber auch eine gute Idee alleine reicht nicht für den Erfolg, sondern ist nur der Startpunkt und die Voraussetzung dazu. Was es dann braucht, sind Durchhaltewille, Hartnäckigkeit und Standvermögen. Und: Man muss immer und jederzeit am Ball bleiben.

Welche Märkte sind Ihrer Ansicht nach in Zukunft am meisten gefragt?

Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel, damit müssen Start-ups umgehen können. Deshalb sollte die Automatisierung in der Wertschöpfungskette hoch sein, so dass die hohen Löhne keine grosse Rolle spielen. Die Erfahrung zeigt zudem, dass innovative Unternehmen, beziehungsweise Produkte und Dienstleistungen von hoher Qualität, in der Schweiz besonders gut funktionieren. Dies sollten angehende Unternehmerinnen und Unternehmer, wenn sie Erfolg haben wollen, von Anfang an berücksichtigen.