Wie wird die finanzielle Führung von KMU in der Praxis gehandhabt?
Wir stellen fest, dass sich heute KMU-Geschäftsführer im Tagesgeschäft wesentlich mehr mit der finanziellen Führung auseinandersetzen, als dies früher der Fall war. In den meisten Unternehmen werden Fragen rund um Warenströme, Geldströme, Fakturierung und Liquidität auch professioneller analysiert und entsprechende Lösungen umgesetzt. Nicht zuletzt, weil im gegenwärtig schwierigen Umfeld eine professionelle Liquiditätsbewirtschaftung für viele KMU überlebenswichtig sein kann. Ich denke da an schwankende Wechselkurse, an die unsichere Konjunkturentwicklung oder an die Möglichkeit steigender Zinsen.

Welche Instrumente stehen zur Verfügung?
Bei der Finanzierung von Investitionen steht eine saubere Planung im Vordergrund, welche die oben erwähnten Faktoren in verschiedenen Szenarien einbezieht. Bei einer professionellen Liquiditätsbewirtschaftung – auch Cash Management genannt – sollten folgende vier Aspekte berücksichtigt werden: Erstens die Cashübersicht. Hier ist das Ziel, sich ein aktuelles Bild aller Bewegungen und Kontostände zu verschaffen. Zweitens die Cashbewegung, also der innerbetriebliche Zahlungsverkehr, welcher bei grenzüberschreitend tätigen Unternehmen optimiert werden kann. Drittens die Cashanlage, die besonders heute an Bedeutung gewinnt, zum Beispiel wenn unproduktive Liquidität gewinnbringend in Geldmarktanlagen investiert wird. Und viertens  ist auch die Integration in die übrigen Managementsysteme ein wichtiger Bestandteil eines guten Cash Managements.

Nehmen wir an, ein Unternehmen wolle expandieren. Was ist bei Investitionen in Wachstum entscheidend?
Die Frage ist: Kann ich auf der Basis des bestehenden Kapitals wachsen oder will ich zusätzliches Wachstum finanzieren? Will ich den bestehenden Maschinenpark erneuern, so muss ich Rückstellungen bilden (Investitionsfinanzierung). Bei der Frage einer langfristigen Investition in Anlagen ist wichtig, wie viel «Free Cashflow» mit dieser Investition erzeugt wird. Wenn ich andererseits wachsen will, indem ich neue Produkte anbiete oder neue Märkte erschliesse, benötige ich zusätzliche Mittel für die Finanzierung (Wachstumsfinanzierung). Bevor ein Entscheid getroffen wird, sollte der Unternehmer vorgängig unbedingt alle dazu wichtigen Aspekte klären. Wir haben oft erlebt, dass Investitionsentscheide ohne genügende Prüfung der Rahmenbedingungen gefällt wurden. Je nach Situation kann dies weitreichende, negative Auswirkungen auf die finanzielle Lage einer Unternehmung zeigen. Gerade Investitionen in neue Absatzmärkte bergen neben Chancen auch Risiken – und dagegen gilt es sich abzusichern. Bei allen Überlegungen sollte immer die Strategie im Vordergrund stehen.

Bleiben wir bei exportorientierten KMU: Worauf sollen sie ­besonders achten?
Bei jeder Exportfinanzierung stehen zwei Fragen im Zentrum: Erstens, woher beziehe ich meine Vorleistungen? Und zweitens, wohin exportiere ich meine Produkte? Klare Antworten auf diese Fragen sind übrigens nicht nur für Exporteure entscheidend, sondern auch für Firmen, die alle oder einen Teil ihrer Vorleistungen im Ausland einkaufen und ihre Produkte in der Schweiz absetzen. Wenn beispielsweise der Eurokurs wieder steigt und 50 Prozent der Vorleistungen in Euro bezahlt werden, verteuern sich dadurch die Produktionskosten und entsprechend sinkt die Gewinnspanne. Doch gegen die Risiken kurzfristig schwankender Wechselkurse kann sich eine Firma absichern.

Was zeichnet gute Beratung hier aus?
Die Herausforderungen für Unternehmungen sind komplex geworden. Wir möchten einen Kunden nicht nur sporadisch in einzelnen Punkten unterstützen, sondern über einen längeren Zeitraum begleiten und in seiner ganzen Wertschöpfungskette beraten. Um seine Bedürfnisse zu erkennen, müssen wir den gesamten Geschäftszyklus – vom Einkauf bis zur Risikoabsicherung – verstehen. Ein guter Kundenberater ist in all diesen Bereichen kompetent.