Als neutrale Stiftung engagieren Sie sich für die Nachfolge in KMU-Betrieben. Was ist bei der Nachfolgeplanung zwingend zu beachten?
Oft wird versucht, die Nachfolgeregelung im Alleingang zu meistern. Wir empfehlen aber, für die Prozessbegleitung einen unabhängigen Experten beizuziehen. Nur eine fundierte Situationsanalyse gibt ein klares Bild über Sinn, Zweck und Zielsetzung. Abklärungen der familiären und geschäftlichen Situation sind enorm wichtig, ebenso die Definition des geeigneten Nachfolgerprofils. Nicht zu vergessen ist auch die Planung der eigenen ­Lebensphase danach, damit der Ablöseprozess gelingt.

Wie wird der Wert eines KMU geschätzt beziehungsweise bewertet?
Die Praxis zeigt, dass eine Unternehmensbewertung oft Erwartungshaltungen schafft, die im Nachfolgeprozess nicht eingelöst werden können. Es kann erfreulich sein, als Unternehmer zu wissen, wie viel Wert das eigene Unternehmen hat. Was aber macht letztlich den Transaktionspreis aus, also den Betrag, den der Übernehmer zu bezahlen hat? Solche Fragen müssen detailliert geklärt werden.

Welche Faktoren spielen für den Erfolg beim Nachfolgeunternehmen eine wichtige Rolle?
Ganz zentral scheint uns die Initialisierung der Nachfolgereinführung zu sein. Auch der kommunikativen Begleitung der Umsetzung kommt eine grosse Bedeutung zu. Sollte der frühere Chef noch im Unternehmen sein, dann muss für alle Mitarbeitenden klar sein, wie die Rollen und Verantwortungen verteilt sind. Symbolische Akte im Betrieb sind hier enorm wichtig, um den Führungswechsel emotional zu verankern. Um den Projekterfolg bei der Nachfolge sicherstellen zu können, empfiehlt es sich, auch in dieser Phase mit einem externen Begleiter zusammenzuarbeiten. Ebenso wichtig ist, dass Leistungs-und Knowhow-Träger dem Betrieb auch nach einer erfolgten Übergabe weiterhin erhalten bleiben. Mit der Zunahme von familienfremden Übergaben hat sich in der Schweiz ein lukrativer Markt für Berater entwickelt.
Gerade deshalb ist eine seriöse und gleichzeitig kostengünstige Beratung bei der Firmenübergabe besonders wichtig. Dazu braucht es Transparenz. Neue Anbieter präsentieren sich regional oder branchenspezifisch im Markt. In diesem bewegten Markt sind neutrale und unabhängige Plattformen, welche die geeigneten Instrumente, Arbeitshilfen und ein Expertennetzwerk zur Verfügung stellen, enorm wichtig. Dabei geht es um Fragen wie Unternehmensorganisation, Personal, Familie, Vorsorge und Steuern.

Ein Nachfolgerprozess sollte nie auf der operativen Ebene, etwa mit Steueroptimierung oder einer Unternehmensbewertung, starten, betonen Sie. Weshalb?
Die Übergabe von Eigentum, Führung und Vermögen im Rahmen einer Unternehmensnachfolge ist kein punktuelles Ereignis. Vielmehr handelt es sich um einen Prozess. Wir sind der Ansicht, dass man sich dazu etwa fünf Jahre Zeit geben sollte. Die Regelung der eigenen Nachfolge ist die wohl schwierigste Führungsaufgabe eines Unternehmers. Die Art der Nachfolge spielt dabei eine wichtige Rolle. Reine Verkäufe an Dritte dauern in der Regel knapp zwei Jahre, Nachfolgeregelungen im Familienkreis wesentlich länger. Aber auch hier gilt es, die Nachfolgeregelung rechtzeitig zu planen.