«Wir stellen fest, dass es für KMUs vor allem schwierig ist, Investitionskredite im für Banken kleinstelligen Bereich bis etwa 300'000 Franken zu bekommen.

Genau hier ist jedoch der Bedarf am grössten», sagt Alwin Meyer, Gründer einer Internetplattform für Crowdlending.

Dabei wären gerade jetzt – Stichworte Digitalisierung, Frankenstärke und Fachkräftemangel – Investitionen wichtiger denn je. Das teilweise träge Verhalten der Banken bremst solche Vorhaben jedoch.

So wie bei einem Aargauer Zeichnerbüro. Für einen Grossauftrag wollte die Geschäftsleitung die Kapazitäten erweitern, erhielt jedoch eine Absage von ihrer Bank.

«Es herrscht Anlagenotstand»

Das Zeichnerbüro fand die Lösung schliesslich in einem Crowdlending-Kredit. Beim Crowdlending werden Kredite von mehreren Privatpersonen an andere Privatpersonen oder Unternehmen vergeben.

Die von den einzelnen Privatpersonen jeweils beigesteuerten Beträge werden zu einem Kredit zusammengefasst, der an den von ihnen ausgewählten Kreditgeber vergeben wird.

Motivationen dafür gibt es mehrere: «Im Festzinsanlagebereich hat man momentan praktisch keine Möglichkeiten, aussichtsreiche Investitionen zu tätigen. Man kann sagen, die Investoren haben Anlagenotstand», weiss Meyer.

Ein weiterer Grund: Die Investoren möchten nicht nur Kapital investieren, sondern wollen ihr Geld sinnvoll einsetzen. Sinnvoll im Hinblick auf die Stärkung des Werkplatzes Schweiz, sinnvoll aber auch im Hinblick des Erhalts und der Schaffung neuer Arbeitsplätze in KMUs.

Dank dem Kredit, den das Aargauer Büro erhielt, konnten die nötigen Investitionen in Büromobiliar sowie Hard- und Software getätigt werden. Gleichzeitig garantiert er Liquidität für die Zeit, bis die Mitarbeitenden produktiv arbeiten.

Als Mittler treten Online-Kreditplattformen auf, die für ihre Vermittlungstätigkeit eine Gebühr erhalten. Sie legen auch fest, wie hoch die Zinsen sind, die ein Kreditgeber erhält. Basis dafür ist eine Risikoprüfung.  

Grundsätzlich gilt die auch bei traditionellen Krediten angewandte Regel: je grösser das vom Kreditnehmer ausgehende Risiko, desto höher der Zinssatz. In der von Alwin Meyer mit Andreas Hug und Stefan Nägeli gegründeten Plattform werden Kredite nur an etablierte Unternehmen vergeben.

Verlangt werden mindestens zwei Jahresabschlüsse, womit sich Crowdlending-Kredite etwa von Venture Capital klar unterscheiden. Die Begründung für diese Politik liefert Meyer rasch: «Start-ups brauchen Eigenkapital, nicht Fremdkapital.»