Nun hält auch im unternehmerischen Denken die Kollaboration mehr und mehr Einzug.

Ein aktuelles Beispiel für gelungene Kollaboration ist die Studie «Spital der Zukunft». So hat zum Beispiel GS1 Schweiz, der Fachverband für nachhaltige Wertschöpfungsnetzwerke, mit Unterstützung des Wirtschaftsdachverbands economiesuisse und der Berner Fachhochschule ein Treffen mit zehn führenden Unternehmen aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens initiiert, um eine Lösung für mehr Sicherheit, Transparenz und Effizienz bei der Behandlung von Patienten zu finden. Das Ergebnis ist die Methode IXPRA («Interface Crossculture Process Analysis Tool»), mit deren Hilfe Schwachstellen in den Prozessen und Systemen aufgedeckt, analysiert und korrigiert werden können. Auf sich selber gestellt, hätte keines der Unternehmen diese Methode entwickeln können. Genau darum geht es bei Kollaboration: Zusammen Werte schaffen, um damit Ziele zu erreichen, die ein Einzelner nicht erreichen könnte. Die wichtigsten Ziele dabei sind: Mehrwerte und Skaleneffekte generieren, Kosten sparen und Risiken reduzieren.
 

Grosses Potenzial in der Schweiz

Insbesondere in der Schweiz mit ihrem kleinen Markt und begrenzten Skaleneffekten ist eine gute Zusammenarbeit der Unternehmen zentral. Ein hiesiges Unternehmen, das nicht kollaboriert, kann auf Dauer weder national noch international kompetitiv bleiben. Und das Potenzial für Kollaboration ist hierzulande gross, etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Ressourcenverschwendung. Nehmen wir zum Beispiel die Abfallberge. Mit geeigneten Standards und Kollaboration aller beteiligten Unternehmen könnten die Verpackungsgrössen und -formen an die sich wandelnden Konsumbedürfnisse der Gesellschaft angepasst und so ein Teil des Abfalls, aber auch der Verschwendung reduziert werden.
Die fortschreitende Globalisierung wird den Druck zur Kollaboration und die damit verbundene Komplexität noch erhöhen. Wir wissen nicht, wie die Welt in zehn Jahren aussieht. Um dannzumal auch unter den neuen Bedingungen wettbewerbsfähig zu sein, muss man parallel zur technologischen Entwicklung Standards entwickeln, an denen sich die Unternehmen orientieren können.
Des Weiteren zwingt der Konsument die Unternehmen immer stärker zur Kollaboration – und zwar mit ihm. Der heutige Konsument will informiert sein und mitgestalten, und er ist, Smartphone sei Dank, auch jederzeit dazu in der Lage.
 

«Mit Standards und Kollaboration kann ein Teil des Abfalls, aber auch der Verschwendung reduziert werden.»
 

Paradigmenwechsel nötig

Der kollaborative Ansatz bedingt in der heutigen Gesellschaft einen Paradigmenwechsel. Kollaboration wird als mühsam erachtet, weil man nicht mehr alleine entscheiden kann und es keine klassische Hierarchie mehr gibt. In einer Welt, in der mittlerweile anerkannt ist, dass die Ressourcen endlich sind, ist diese Denkweise jedoch nicht opportun. Unternehmen müssen Prozesse hinterfragen und analysieren sowie Varianten in Erwägung ziehen, an die sie bisher nicht im Traum gedacht haben. Auch der Austausch von Best Practice gehört dazu. Kollaboration ist für die Beteiligten zwar anspruchsvoll, bei Erfolg aber umso bereichernder.
Um Kollaboration in einem Unternehmen erfolgreich umzusetzen, sind Wille, Disziplin und Mut zentral. Die Grösse eines Unternehmens ist für die optimale Umsetzung nicht entscheidend. Will sich ein Unternehmen auf Kollaboration einlassen und braucht es dazu Unterstützung, findet es diese heute ohne grossen Aufwand. Der entsprechende Fachverband etwa moderiert mehrere Fachbeiräte und Fach- und Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedenen Themen der Zusammenarbeit zwischen Wertschöpfungspartnern beschäftigen. Letztlich geht es aber um die konkrete Umsetzung, bei der man sich ebenfalls Unterstützung holen kann.