Seit der Erfindung des Rades befindet sich die Mobilität der Menschheit in einem permanenten Wandel. E-Mobilität gilt als die Lösung für die Zukunft, kommt aber trotzdem nicht so richtig in Schwung.

Gewaltige Unterschiede zwischen Forschung und Realität
 

«Zweifellos wird sich die Art, wie wir uns künftig fortbewegen, in nächster Zeit massiv verändern», sagt Frank M. Rinderknecht, der Schweizer Autopionier und Visionär.
 

E-Mobilität gilt seit Jahren als die Lösung gegen Luftverschmutzung, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Enge in den Städten. «Diese Problemkreise müssen global gelöst werden.

Clevere Lösungen wären vorhanden, das wurde an der CES in Las Vegas einmal mehr aufgezeigt. Ich bin anschliessend direkt an die Motor Show in Detroit gereist. Dort wurden aber immer noch die fettesten SUV und hochmotorisierte Pick-ups ausgestellt und auch mit Erfolg verkauft. Das alles trotz Dieselkrise und Umweltproblemen», sagt Frank M. Rinderknecht.

Dass in den USA und in Europa das Kaufverhalten beim Auto in herkömmlichen Bahnen verläuft, sieht er indes pragmatisch. «Der Leidensdruck – ob bei den Spritkosten, den behördlichen Auflagen oder der Technik – ist einfach nicht gross genug, dass ein schnelles Umdenken stattfinden würde. Aber stellen wir uns vor, in China würden 2025 nur noch E-Fahrzeuge zugelassen ...»

Der Visionär erkennt durchaus die Unterschiede zwischen der Forschung und dem realen Markt. «Diese beiden Fronten sind heute zu weit auseinander. Ich habe dazu die Vision 179°, ähnlich einer Schere, entwickelt. Die beiden Schneiden müssen sich gezwungenermassen annähern, um diesen Widerspruch zu überbrücken.»

«Automatisiertes Fahren» wird kommen

Zur E-Mobilität nennen viele Hersteller im gleichen Atemzug auch das automatisierte Fahren. Die Technik soll uns künftig ohne Griff ans Lenkrad ans Ziel bringen. Wie sieht denn der Pionier Rinderknecht die Entwicklung und die Nachfrage in diesem Bereich?

In der industrialisierten Welt muss betreffend Mobilität ein Umdenken stattfinden.

«In der industrialisierten Welt muss betreffend Mobilität ein Umdenken stattfinden. Unternehmen wie Amazon oder Alibaba haben diesen Trend rechtzeitig erkannt und werden die Entwicklung vorantreiben. Sie kennen die Kunden und ihre Bedürfnisse genau. Mobilität ist ein sehr persönliches Thema. Besitz, Prestige und Markenbewusstsein werden aber künftig in den Hintergrund treten. Ich wage jedoch keine Prognose mehr, wie schnell sich diese Entwicklung umsetzen wird.»

An der Technik wird es kaum scheitern; die Leistung von Rechner und Akkus ist so weit, dass ein Auto 800 Kilometer weit autonom fahren kann. Künftig werden wir daher viel mehr mit einem fahrenden Hochleistungscomputer unterwegs sein, der unsere Wünsche und Gewohnheiten erkennt. Das Fazit des Autopioniers: «Es bleibt auf jeden Fall spannend!»