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Sicherheitstipps für Flottennetzbetreiber

1. Über 60 Prozent aller Flottenfahrzeuge in der Schweiz werden gekauft, nicht geleast. Das verschafft dem Käufer eine starke Position. Fragen Sie beim Händler nach, was mit Ihren Daten passiert.

2. Überlegen Sie, welche technische Zusatzausstattung Sie wirklich benötigen. Je mehr Connectivity an Bord ist, umso schwerer lässt sich die Weitergabe der Daten kontrollieren.

3. Informieren Sie sich, welche Daten von Mobilfunkprovidern, Geschäfts- oder Servicepartnern verarbeitet werden.

4. Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für den Datenschutz. Das grösste Sicherheitsrisiko in Unternehmensnetzwerken ist meistens der Mensch.

Herr Bünzli, welche Bedeutung haben die Themen Datensicherheit für Fahrzeugflottenbetreiber?
Bisher stehen sie noch wenig im Blickfeld und der Wissensstand ist nicht sehr hoch.

Warum engagiert sich Ihr Verband in dieser Frage?
Die Technisierung geht immer weiter. Inzwischen arbeiten viele Flottenbetreiber mit Geräten, die untereinander  Daten austauschen. Einerseits erhalten wir Anfragen von unseren Mitgliedern, denen wir eine Hilfestellung geben wollen. Andererseits wollen wir eine Diskussion anstossen, was mit den Daten passieren soll, die in Fahrzeugen erhoben werden.

Wo sehen Sie Risiken?
Zunächst einmal eröffnet die Vernetzung für alle Betreiber einer Fahrzeugflotte enorme Chancen. Aber jeder Smartphone-Nutzer weiss, dass so ein Gerät Daten produziert, auf die Fremde Zugriff erhalten – zum Beispiel die Mobilfunk-Provider oder Firmen, die hinter den Apps stehen.

Das gilt natürlich auch für Fahrzeugflotten, die mit Echtzeit-Ortung ausgestattet sind. Diese Daten können für Konkurrenten oder Hacker interessant sein. Etwa, wenn es um die gefahrenen Routen geht.

Die Steuergeräte im Auto sammeln ebenfalls eifrig Daten – Stichwort: Connected Car ...
Richtig. Ein durchschnittlicher Mittelklassewagen hat heute rund 80 solcher Computer an Bord, die oft sogar eine direkte Verbindung zur Werkstatt aufbauen können, um Defekte zu melden. Auch hier stellt sich die Frage: Welche Daten dürfen erhoben werden? Als Flottennetzbetreiber muss ich wissen, welche Rechte und Pflichten ich in diesem Bereich habe.

Wie ist Ihre persönliche Einstellung?
Jeder sollte die Kontrolle über seine Daten behalten. Aber angesichts der Tatsache, dass die Digitalisierung immer tiefer greift, ist diese Forderung wenig realistisch.

Reichen die derzeitigen Datenschutzgesetze aus?
Die Schweiz gilt ja als sehr datenschutzaffin, aber im Verkehrsumfeld ist das Thema noch wenig präsent. Ich glaube, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, eine Diskussion anzustossen. Ab 2018 bekommt jedes neue Auto in Europa den  Notrufmelder «E-Call». Dann stellt sich die Frage: Welche Daten erhebt das System und wer hat Zugriff darauf? Ich möchte nicht von der Realität überholt werden.