Herr Schwesinger, Sie sind technischer Leiter des V-Charge-Projektes an der ETH. Welche Technologie steckt hinter dem selbstfahrenden Auto?

Selbstfahrende Autos sind das Ergebnis von viel Ingenieursarbeit. Zuerst muss das Fahrzeug wissen, wo es sich befindet. Hierfür wird oft GPS-Lokalisierung mit weiteren Sensordaten kombiniert. Das Fahrzeug muss in der Lage sein, sein lokales Umfeld wahrzunehmen und statische Hindernisse sowie andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen. Anhand dieser Informationen wird ein Pfad berechnet, der das Fahrzeug sicher und flüssig durch den Verkehr mit menschlich gesteuerten Autos bringt.

Das selbstfahrende Auto steckt noch in den Kinderschuhen. Wird es sich in Zukunft als Alltagsgefährt durchsetzen?

Wir reden hier wohl von mehreren Jahrzehnten, aber ja, es wird sich durchsetzen. Zuerst in Form von immer besseren Fahrerassistenzsystemen, bis zu dem Punkt, an dem diese Systeme die benötigte Zuverlässigkeit erreicht haben, um den Fahrer ganz zu ersetzen.

Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen irgendwann selbstfahrende Autos im Betrieb einsetzen?

Durch das wirtschaftliche Interesse an vollautomatisierten Flotten werden Transportunternehmen eine führende Rolle beim Vorantreiben dieser Technologie einnehmen. In Szenarien mit geringer Problemkomplexität wie etwa auf Autobahnen ist die Technik schon jetzt nahe am Ziel. Allerdings steht noch ein schwieriger Weg vor uns, einen Validierungsprozess für die Zuverlässigkeit selbstfahrender Fahrzeuge zu entwerfen.

Sind selbstfahrende Autos ökologisch konzipiert?

Eine Flotte von autonomen Fahrzeugen liesse sich intelligent programmieren. Somit könnten Staus vermieden werden, was letztendlich der Umwelt zugutekäme. Auch liesse sich durch intelligente Park- und Ladekonzepte die Attraktivität von elektrischen Fahrzeugen steigern, was wiederum den Umstieg auf e-Fahrzeuge vorantreiben könnte.

Inwiefern könnten selbstfahrende Autos das Flottenmanagement revolutionieren?

Die Vorteile durch die Reduzierung von LKW-Staus sowie die gesteigerten effektiven Fahrzeiten durch ein nie ermüdendes selbstfahrendes System liegen auf der Hand.

Was spricht gegen einen vollautomatisierten Fuhrpark?

Natürlich würde die Nachfrage nach bestimmten Berufsgruppen sinken. Allerdings würde auch die Nachfrage nach qualifiziertem Personal, welches diese Systeme versteht, wartet und weiterentwickelt, steigen.