Die heutige Geschäftswelt kommt ohne Mobilität nicht aus. Ob ein Mitarbeiter den Firmen- oder Privatwagen benützt, spielt dabei keine Rolle. «Relevant ist primär, ob er das Fahrzeug im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit braucht», sagt Balz Eggenberger, Managing Partner und Gründer von Fleetcompetence. Viele Beschäftigte verbringen viel Zeit in ihrem Fahrzeug und absolvieren jährlich bis zu 50 000 Fahrkilometer. Dazu kommen noch zahlreiche Stunden, bei denen sie im Stau stecken. Jede Fahrt birgt dabei das Risiko eines Unfalls – mit Sach- oder Personenschaden.
 

Gefährliche Tätigkeit

Untersuchungen in Grossbritannien haben gezeigt, dass rund 30 Prozent aller Todesfälle auf der Strasse Geschäftsreisende betreffen. Dr. Jim Golby, PhD FCIPD, ein anerkannter UK Road Risk Management Consultant und Director of Research and Customer Experience bei der Firma Applied Driving Techniques in Grossbritannien geht zum Teil davon aus, dass das Benützen eines Fahrzeugs im Auftrag des Unternehmens eine der gefährlichsten Tätigkeiten ist, die viele Firmen von ihren Mitarbeitenden fordern. Deshalb wurde in Grossbritannien «Fahren bei der Arbeit» von der britischen Health and Safety Executive als eine «bei der Arbeit anfallende Aktivität» klassifiziert. So gibt es dort bereits eine erhebliche Anzahl von gesetzlichen Pflichten und Vorschriften für das «Fahren bei der Arbeit», verbunden mit klar definierten Erwartungen an die Adresse der Arbeitgeber. Unterlassungen bei der Umsetzung der Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Sicherheit und das Wohlergehen der Mitarbeitenden werden streng geahndet und können zu hohen Bussen oder sogar Gefängnisstrafen für das Topmanagement führen.
 

«Dank neuwertigen Möglichkeiten kann ein mobilitätsbezogenes Risikomanagement grundsätzlich von Unternehmen jeder Grössenordnung zu absolut vertretbaren Kosten umgesetzt werden.»

 

Moralische Verantwortung

Solch strenge Vorschriften gelten derzeit erst in Grossbritannien. Es wird aber wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis ähnliche gesetzliche Vorgaben auch im restlichen Europa eingeführt werden. In vielen Unternehmen dürfte dieses Thema aber auch ohne gesetzliche Erfordernisse schon heute von grosser Bedeutung sein. Der Hauptgrund dürfte eine moralische Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden sein sowie der Wille, auch beim Thema Driver Safety «best practice»-Methoden anzuwenden. Die Studie «Car-Policy 2013», die von fleetcompetence europe GmbH in der Schweiz durchgeführt wurde, hat allerdings gezeigt, dass nur gerade 25 Prozent der befragten Unternehmen Fahrkurse durchgeführt haben. Einer der Hauptgründe dürfte wohl sein, dass wertvolle Trainings oft unkoordiniert über alle Mitarbeitenden verteilt werden und so hohe Kosten verursachen.
 

Effizienter gestalten

«Hier gibt es unterdessen interessante neue Lösungsansätze», sagt Eggenberger. Aufgrund von besseren Informationen über den Fahrer und dessen Fahrverhalten soll die Ausbildung individuell gestaltet werden. Zu diesem Thema wurde in Grossbritannien auch durch Hrn. Dr. Jim Golby die Forschungsstudie «Driver Safe 2015» lanciert. Ziel der Studie ist herauszufinden, ob es möglich ist, aufgrund von verschiedenen teilweise komplexen Profilen zukünftige «inhärente» Risiken der einzelnen Fahrer vorherzusagen. Solche Erkenntnisse könnten dazu dienen, die Ausbildung der Fahrer zukünftig aufgrund des Risikoprofils individueller und effizienter zu gestalten. In Verknüpfung mit den Informationen aus dem Unfall-Controlling des Flottenmanagements können so wertvolle Informationen gewonnen werden, um den Schulungsbedarf bei den Fahrern zu identifizieren. «So kann vorselektioniert werden, bei welchen Mitarbeitenden ein Eco- oder Fahrsicherheitskurs zwingend notwendig und sinnvoll ist», erläutert Eggenberger. Dank diesen neuen Möglichkeiten kann ein mobilitätsbezogenes Risikomanagement grundsätzlich von Unternehmen jeder Grös­senordnung zu absolut vertretbaren Kosten umgesetzt werden.
 

Unternehmensleitbild leben

Ein weiterer Baustein eines professionellen Risikomanagements im Flottenbetrieb ist die eingesetzte Fahrzeugtechnik. So sollen die Mitarbeitenden mit sicheren Fahrzeugen und sicherheitsrelevanter Fahrzeugtechnik ausgestattet werden. Dieser Aspekt sollte bei der Gestaltung der Car-Policy einen wesentlichen Raum einnehmen. Die Bewertung der Sicherheit von Marken und Fahrzeugmodellen bei der Freigabe von Firmenwagen sollte eine Rolle spielen. Neben der passiven Fahrzeugsicherheit muss auch ein Augenmerk auf die Ausstattung gelegt werden, die direkt oder indirekt auf die Fahrersicherheit einwirkt, wie Assistenten, Freisprecheinrichtungen oder Navigationssysteme. Daneben ist die Schulung im Umgang mit den Assistenten erforderlich. Der Spur-Assistent soll ja nicht dazu genutzt werden, verstärkt freihändig das Mobiltelefon zu benutzen. Letztlich ist es wichtig, dass die Geschäftsleitung ein Unternehmensleitbild lebt, welches die Sicherheit der Mitarbeitenden klar in den Vordergrund stellt.