Das Thema Güterverkehr bewegt. Egal, ob auf Schiene, Strasse, Wasser oder in der Luft. In den 27 EU-Mitgliedstaaten betrug das Güterbinnenverkehrsaufkommen 2,3 Billionen Tonnenkilometer. Davon wurden 76,4 Prozent über die Strasse, 17,1 Prozent auf dem Schienenweg und 6,5 Prozent auf den Binnenwasserstrassen befördert.

Die beförderte Tonnage im Strassentransport erreichte 12 Milliarden Tonnen und die des Schienentransports 1,6 Milliarden Tonnen. 2012 hat die Europäische Kommission eine Strategie verabschiedet, die vorsieht, den Verkehr vermehrt von der Strasse auf die Schiene und das Wasser zu verlagern. So soll die Abhängigkeit von Öleinfuhren verringert und der CO2-Ausstoss gesenkt werden. Bis 2030 lautet das Ziel für den Verkehr, die Treibhausgasemissionen um rund 20 Prozent unter den Stand von 2008 zu senken.

Schweiz braucht Rezept gegen Infarkt

Auch Deutschland hat mit dem Masterplan «Güterverkehr und Logistik» eine Vision entwickelt, wie man sich den Güterverkehr in Zukunft vorstellt. Die Regierung orientiert sich hierbei am Grundsatz der Nachhaltigkeit, damit auch in Zukunft Mobilität als Grundlage für Wachstum und Wohlstand möglich bleibt.

Der Masterplan sieht unter anderem vor, die Mittel für den kombinierten Verkehr aufzustocken. Konkret sollen die Fördermittel für den Bau resp. Ausbau von Umschlagsanlagen für den kombinierten Verkehr von jährlich 62,5 Millionen Euro auf 115 Millionen Euro aufgestockt werden. Zusätzlich sollen für die Förderungen von Gleisanschlüssen jährlich 32 Millionen zur Verfügung stehen. Durch die Investitionen kann mit einer Verlagerung von insgesamt 78 Millionen Tonnen beziehungsweis 49,3 Tonnenkilometer gerechnet werden. Das entspricht einer CO2-Einsparung von rund 7,5 Millionen Tonnen.

Mit der nachhaltigen Ausgestaltung entscheidet sich in Zukunft, ob der Verkehr zu mehr Lebensqualität führt oder ob er weiter zu einer zunehmenden Belastung für Mensch und Umwelt wird. Und was macht die Schweiz? Was muss sich ändern, damit die zukünftige Güterverkehrsentwicklung nicht zu einem Infarkt führt? Die Bevölkerung der Schweiz hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als verdoppelt. 2012 wurde erstmals die Schwelle von 8 Millionen Einwohnern überschritten. Mit der Bevölkerungszunahme ist auch das Verkehrsaufkommen gestiegen. Szenarien gehen von weiterem Wachstum aus. Schneller und pünktlicher, aber wie?

Die Folgen des wachsenden Verkehrsaufkommens zeichnen sich heute schon ab. Trotz Ausbau der Infrastruktur wurden 2012 auf den Nationalstrassen total 19 921 Staustunden gezählt. Das sind doppelt so viele wie im Jahr 2008. Auch die Züge und S-Bahnen sind zur Rushhour voll. Und damit der zunehmende Güterverkehr schneller transportiert wird, pünktlicher ankommt und nicht unter die Räder gerät, braucht er mehr Platz auch auf der Schiene. Gleise, Strassen, Züge und Busse werden sich aber in zwölf Jahren kaum verändern, so die GDI-Studie «Mobilität 2025: Unterwegs in der Zukunft».

Sehr wohl wird sich aber unsere Einstellung zum Unterwegssein ändern müssen. Das Thema Verkehr wird uns in Zukunft verstärkt beschäftigen, ob wir wollen oder nicht. Und ganz oben auf der politischen Agenda wird die Weiterentwicklung und Finanzierung der Infrastruktur stehen.

Verstärkte Kooperation ist gefragt

Laut einer Befragung zur Schweizer Verkehrspolitik, durchgeführt vom Lehrstuhl für Logistikmanagement der Uni St. Gallen und GS1 Schweiz, wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft gefordert. Ziel soll sein, eine übergeordnete Verkehrspolitik mit einer ganzheitlichen Strategie zu etablieren. Hierzu zählt auch eine verstärkte Kooperation, nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch zwischen einzelnen Unternehmen, unter Einbindung nationaler und lokaler Interessengruppen.

GS1 Schweiz fördert die Steigerung von Effizienz und Effektivität von Wertschöpfungsnetzwerken. Dies erfolgt über die Bereitstellung von Kompetenzplattformen, die das Wissen von Praktikern für Praktiker sammeln, aufbereiten und mittels Empfehlungen aufzeigen, wie die grösstmögliche Effizienz in einem Wertschöpfungsnetzwerk erzielt werden kann.

Die künftigen Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden. Deshalb ist es wichtig, dass auch Experten ausserhalb der Verkehrsträgerschaft und Politiker zur Mitwirkung gewonnen werden müssen. Nur so können das Ziel, die Richtung und der Weg bestimmt werden, damit die Schweiz auch in Zukunft über eine Infrastruktur verfügt, die den Anforderungen an die Mobilität von Personen und Gütern genügt.