Wenn wir hier in der Stadt Bern von nachhaltiger Mobilität sprechen, meinen wir nicht nur den Verkehr, sagt Adrian Stiefel, Leiter des Amts für Umweltschutz der Stadt.

«Wir meinen jeden, der irgendwie unterwegs ist, sei es mit dem öffentlichen Verkehr, dem Auto, dem Velo oder zu Fuss.» In diesem Rahmen gilt es, eine passende Infrastruktur zu unterhalten und die Bevölkerung mit verschiedenen Angeboten und Dienstleistungen zum Nachdenken anzuregen.

«Die Wahlmöglichkeiten sind uns sehr wichtig. Jeder hat eigene Bedürfnisse. Ein Handwerker muss mit seinem Lieferwagen unterwegs sein können. Ein Pendler, der aus dem Quartier in die Innenstadt ins Büro muss, ist allenfalls mit dem Velo am schnellsten oder kann den öffentlichen Verkehr nutzen. Auch wer am Abend zu Fuss durch die Stadt flanieren möchte, hat ein eigenes Bedürfnis. All das ist Mobilität», sagt Stiefel.

Verschiedene Zielgruppen

Für ihn ist die spannendste Frage, wie man die diversen Formen der Mobilität einander ergänzend aufbauen kann und welche Infrastrukturen das braucht. Zusätzlich ist es relevant, den Menschen allenfalls bessere Wege aufzuzeigen, als sie diese bisher nutzten. Deshalb unterstützt die Stadt Projekte wie Bike to Work oder Kurse für Senioren und Seniorinnen, dank denen sie Berührungsängste und Hindernisse abbauen können.

Aber auch an Kinder und Jugendliche denkt die Stadt. Ein Beispiel ist das Projekt Walk to School, das zusammen mit Schulen und Kindergärten erarbeitet wurde und erreichen soll, dass Schüler wieder vermehrt zu Fuss in die Schule gehen. Die Sicherheit auf dem Schulweg ist dafür ganz zentral.

Ökonomische Aspekte

«Wir arbeiten auch oft mit Unternehmen zusammen, die eine Beratung wünschen. Das ist immer sehr konstruktiv», sagt Stiefel. Einige arbeiten im Schichtbetrieb und haben entsprechende Bedürfnisse an die Mobilität ihrer Mitarbeitenden. Der Standortvorteil ist ein Thema, das aber auch ökonomische Aspekte einfliessen lässt – beispielsweise die Parkplatzsituationen in den teuren und beschränkten städtischen Platzverhältnissen.

Ergänzen statt konkurrieren

«Wir wollen das Verständnis für die nachhaltige Mobilität unter allen Bevölkerungsgruppen stärken. Wir möchten Vorteile einzelner Formen aufzeigen und klar machen, dass es die unterschiedlichsten Bedürfnisse mit verschiedenen optimalen und sich ergänzenden Lösungen gibt. Eine polarisierende Kultur und ein Kampf um die richtige Mobilität, in der eine einzelne Form eine andere konkurriert und verdrängt, wäre kein integraler Ansatz, gäbe viel Widerstand und wäre ein Widerspruch zu den Zielen der Nachhaltigkeit», sagt Stiefel.