Wie beurteilen Sie europaweit die aktuelle Situation um die Dieselfahrzeuge?

Es ist eine Tatsache, dass viele Städte – besonders in Deutschland – unter einer zu hohen Stickoxidbelastung leiden.

Die Überschreitung der geltenden Grenzwerte kann in der EU eingeklagt werden, wenn die verantwortlichen Stellen nichts oder zu wenig dagegen unternehmen.

Dass man jetzt aber, wie in Hamburg, zwei Strassen mit Messstationen für ältere Dieselfahrzeuge sperrt, betrachte ich eher als kosmetische Massnahme. Entweder sollte man ganze Zonen mit zu hohen Werten sperren oder es sein lassen.

Müssen wir solche Massnahmen, wie in Hamburg erfolgt, auch in der Schweiz erwarten?

Die Situation hier ist anders. In der Schweiz haben wir im Vergleich zu unseren Nachbarländern eine geringere Dichte an Dieselfahrzeugen und auch weitergehende Luftreinhaltekonzepte.

Deshalb haben wir hier – trotz niedrigeren Grenzwerten – nicht so viele Grenzwertüberschreitungen bei den Stickoxiden. Punktuell gibt es allerdings auch in unseren Ballungszentren noch zu hohe Belastungen mit Schadstoffen. Ich erwarte aber in der Schweiz keine Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, wie aktuell in Deutschland.

Lohnt es sich heute überhaupt noch, ein Dieselfahrzeug zu kaufen?

Die zwei Jahre Negativ-Propaganda in den Medien haben natürlich zu einer grossen Verunsicherung der Autofahrer geführt. Klar ist auch, dass «alte» Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter nicht mehr auf die Strasse gehören. Fahrzeuge ohne SCR-System, die neben Diesel auch das Betanken von Adblue erfordern, sollten möglichst wenig in Städten eingesetzt werden, da diese einen hohen Anteil an Stickstoffdioxid, dem problematischen Teil der Stickoxide, aufweisen.

In ausserstädtischen Regionen ist die Stickoxid-Hintergrundbelastung viel niedriger, weshalb der Einsatz solcher Fahrzeuge dort weniger problematisch ist. Bei Fahrzeugen der Klasse Euro 5 und Euro 6b mit SCR-System sollte geprüft werden, ob ein Software-Update verfügbar ist. Da ist sicher auch die Industrie in der Pflicht.

Wie sehen Sie ganz allgemein die Zukunft des Dieselmotors?

Zurzeit sinkt der Anteil an Dieselfahrzeugen. Künftig werden wir ein breiteres Angebot an Antriebsmöglichkeiten für unsere Mobilität haben, also auch Gas-, Elektro-, Brennstoffzellen- oder Hybrid-Antriebe.

Wie sich diese Entwicklung in Zukunft fortsetzt, lässt sich schwer vorhersagen. Der Dieselantrieb hat für Last- und Langstreckenanwendungen in meinen Augen durchaus eine Zukunft. Es muss aber sichergestellt sein, dass der Schadstoffausstoss nicht nur im Labor, sondern auch auf der Strasse sehr niedrig ist.

Das ist technisch machbar, kostet aber etwas.

Hand aufs Herz, fahren Sie persönlich einen Diesel?

Ich fahre ein Erdgas-Fahrzeug. Wenn möglich, tanke ich Biogas. In meiner Region profitiere ich von einer guten Versorgung mit Gas-Tankstellen.

Mit diesem Fahrzeug bin ich, teilweise mit Wohnwagen, auch im Ausland unterwegs. Und sollte es einmal kritisch werden, kann ich immer noch auf Benzinantrieb umschalten und die Reichweite vergrössern.