Wie, Herr Lustenberger, beurteilen Sie den Einfluss der Globalisierung auf das Exportland Schweiz?

Die Antwort auf diese Frage ist sehr naheliegend, wenn man die geografische Einbettung der Schweiz betrachtet und sich ferner vor Augen führt, wie die verschiedenen Sprachregionen untereinander, aber auch mit den angrenzenden ausländischen Sprachregionen funktionieren.

Die Globalisierung hat einen nachhaltig positiven Einfluss auf die Schweiz und ist als solche ein fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur.

Was bedeutet dies in Bezug auf den Handel von Schweizer Firmen?

Weil unser Binnenmarkt verhältnismässig klein ist, müssen sich die meisten Schweizer Firmen in irgendeiner Art und Weise im Ausland engagieren. Sei dies zur Erschliessung von Absatzmärkten oder sei dies zur Beschaffung von Rohmaterialien.

Die fortschreitende Globalisierung ermöglicht es diesen Firmen dabei, ihr Betätigungsfeld vom Binnenmarkt nicht nur ins nahe Ausland, sondern auch weltweit auszudehnen.

Welche Export- beziehungsweise Importrisiken stehen für Sie im Vordergrund?

Die Exportrisiken liegen kurzfristig beim starken Schweizer Franken. Auf lange Sicht wird dagegen die Innovationskraft, die weitgehend von der generellen Attraktivität der Schweiz abhängt, ausschlaggebend sein. Nicht viel anders verhält es sich bei den Importrisiken.

«Ein multinational tätiges Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es sich in der ganzen Welt zurechtfindet»

Obwohl auch hier Währungsrisiken kurzfristig im Vordergrund stehen, spielt es auf lange Sicht eine viel grössere Rolle, inwieweit die Schweiz und ihr Image als attraktiv betrachtet werden.

Diese Attraktivität wird letztlich ausschlaggebend für die relative Kaufkraft der Schweiz sein.

Welche Chancen, aber auch Risiken ergeben sich für Schweizer KMU, die international tätig sein wollen, angesichts der zunehmenden Globalisierung?

Die Risiken sind vielfältig. Mit zunehmender Globalisierung steigt typischerweise der Wettbewerbsdruck. In diesem Wettbewerb muss es Gewinner und Verlierer geben.

Gewinner ist derjenige, der es schafft, sich auf neuen Märkten durchzusetzen. Erfreulicherweise ist es vielen Schweizer KMU gelungen, in diesem globalen Wettbewerb eine Nische zu finden, innerhalb welcher sie dank ihrer Einzigartigkeit zum Erfolg finden.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie für multinationale Unternehmen?

Ein multinational tätiges Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es sich in der ganzen Welt zurechtfindet, ob globalisiert oder nicht. Solche Unternehmen verstehen es, sich in offenen wie auch in abgeschotteten Märkten so zu positionieren, dass sie in einer relativen Unabhängigkeit Erfolg haben.

Dies, weil sie es gewohnt sind, länderübergreifend zu denken und ihre Produkte- oder Dienstleistungspalette auf diejenigen Märkte zu konzentrieren, auf welchen sie die besten Resultate zu erzielen vermögen.