Die Unzufriedenheit innerhalb der Familie ist ein häufiger Grund für die vorzeitige Beendigung eines Expat-Aufenthalts. Wie häufig?
Jeanette A. Cerquone: Vor zehn Jahren hat Novartis als eine der ersten Firmen überhaupt die Gründe für Abbrüche des Expatriate-Aufenthalts analysiert. Sie hat herausgefunden, dass in 80 Prozent der Fälle familieninterne Probleme als Begründung für die frühe Rückkehr genannt wurden. Mit der Erkenntnis, dass die Befindlichkeit des Partners für das Gelingen eines solchen Auslandaufenthalts wichtig ist, nahm man die Unterstützung für soziale und berufliche Integration der Partner in die HR Policy auf.
 
Welche Probleme werden von Expat-Partnern am häufigsten beklagt?
In vielen Fällen führen soziale und kulturelle Anlaufschwierigkeiten zu Problemen. Vor grosse Herausforderungen werden auch Partner gestellt, die ihre eigene Karriere möglichst reibungslos fortsetzen wollen und  Karrierevorstellungen mitbringen, die der vorherrschenden Arbeitsmarktsituation nicht entsprechen. Seit etwa zehn Jahren arbeiten wir sehr häufig auch mit mitreisenden Ehemännern oder Partnern. Einige haben sich sehr gut mit kurzen Auszeiten und der Stellensuche vor Ort arrangiert. Andere hielten es wiederum keine sechs Monate ohne einen guten Job aus und wollten wieder zurück in ihr Ursprungsland.
 
Wie kann Expat-Partnern das neue Leben erleichtert werden?
Es ist wichtig, schon bevor sie ihr Aufenthaltsland verlassen, ihr aktuelles Leben genau zu analysieren, um so herauszufinden, welche Komponenten für sie wichtig sind. Dies gilt nicht allein für den beruflichen, sondern auch für den sozialen Bereich. Es sollten konkrete Wünsche – beispielsweise eine Teilzeitarbeit – formuliert werden, um die Realisierbarkeit dieses Wunsches bereits vor der Abreise zu klären.

Müssen Firmen ihre Mitarbeiter und dessen Familie also noch besser auf den Aufenthalt vorbereiten?
Nein, das glaube ich nicht. Es gibt unzählige Möglichkeiten und Unterstützungsangebote, um sich vorzubereiten. Man muss jedoch bedenken, dass Expats, denen ein Umzug ins Ausland bevorsteht, andere Dinge zu klären haben. Die meisten haben wohl gar nicht die Zeit, sich frühzeitig noch intensiver mit dem neuen Land zu beschäftigen.

Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, der seinen Partner ins Ausland begleitet?
Das mag vielleicht banal klingen, doch die Leute sollten die Flinte nicht gleich ins Korn werfen. Häufig fällt mir auf, wie frustriert die Familien sind, wenn nicht alles auf Anhieb so klappt, wie sie sich das erhofft haben. Eine auf Bedürfnisse abgestimmte Beratung und Begleitung im neuen Land kann da durchaus sehr hilfreich sein. Ein solcher Aufenthalt bringt viel wertvolle Erfahrungen, birgt aber auch Risiken. Nicht alles läuft immer genau so ab, wie man es sich zurechtgelegt hat. Darum ist es wichtig, immer einen Plan B im Hinterkopf zu haben.