Welches sind die grössten Gefahren, denen sich Expats im Ausland stellen müssen?
Die grösste Gefahr, besteht im Unvorhersehbaren. Aktuelle Beispiele dafür sind die Aufstände in Nordafrika sowie der Tsunami in Japan. Neben politischen Gefahren und Naturkatastrophen können bereits kleinste medizinische Anliegen zu einem Problem werden – zumindest dann, wenn der Expat nicht auf eine solche Situation vorbereitet wurde.

Welche Vorbereitung empfehlen Sie?
Das ist stark vom Land abhängig. Die erste wichtige Frage ist, ob die Unternehmung ausreichende Abklärungen zu Sicherheits- und Gesundheitsrisiken des entsprechenden Landes gemacht hat. Die zweite Frage lautet, wie der Mitarbeiter und auch dessen Familie auf die Entsendung vorbereitet werden.

Welches Vorwissen muss also vermittelt werden?
Diese Vorbereitungen beginnen mit sehr grundlegenden medizinischen Informationen wie: welche Nummer man im Notfall wählt, ob man ein öffentliches Spital oder besser eine Privatklinik aufsucht oder ob Untersuche bar bezahlt werden müssen. Das sind banale, aber ebenso wichtige Fragen. Sicherheitsthemen werden ähnlich behandelt.

Wie gut werden Expats in der Realität vorbereitet?
Diesbezüglich wird noch viel zu wenig unternommen. Die Hälfte aller Assistenzfälle, in denen wir mit Expats zu tun haben, könnten durch eine richtige Vorbereitung vermieden werden.

Wann ist der Zeitpunkt da, um Expats aus einem Land zu evakuieren?
Diese Frage hängt von der Firma ab. Es gibt Unternehmen, die ihre Mitarbeiter schon vor allgemeinen Empfehlungen evakuieren, um kein Risiko einzugehen. Andere wiederum warten bis zur letzten Minute. Firmen müssen bedenken, dass sie nicht nur die Verantwortung für ihren Mitarbeiter, sondern auch für dessen ganze Familie tragen.

Nehmen die Unternehmen diese Verantwortung ernst genug?
Seit den Unruhen in Ägypten nehmen sie die Verantwortung um einiges ernster. Ich bin zuversichtlich, dass Unternehmen die jüngsten Ereignisse zum Anlass nehmen, künftige Vorgehensweisen zu überdenken. Um adäquat entscheiden zu können, sind zwei Faktoren relevant: Die Firma muss einerseits die Risiken richtig einschätzen können und andererseits gut genug für den Ernstfall vorbereitet sein.

Wie liberal sind die Unternehmen, wenn es um persönliche Gründe für eine kurze Heimreise geht?
Selbstverständlich besteht das Ziel der Firma darin, Kosten zu optimieren. Dennoch unternehmen die Firmen sehr viel für ihre Mitarbeiter und zwar aus Überzeugung. In England verhält es sich vergleichsweise anders. Dort erlaubt der Manslaughter Act den Mitarbeitern, ihre Arbeitgeber zu verklagen, sollten ihnen diese nicht die nötige Unterstützung in einer Notsituation anbieten.

Haben Schweizer Firmen dennoch Verbesserungspotenzial?
Hiesige Firmen sind in der Regel ausreichend auf aussergewöhnliche Situationen vorbereitet. Alleine durch eine entsprechende Ausbildung könnten die Unternehmen jedoch schon viel Geld sparen.