Matthias Tscharner
ist Leiter Güter­verkehr bei der ­Rhätischen Bahn

Matthias Tscharner, wie muss ich mir den kombinierten Güterverkehr genau vorstellen?
Matthias Tscharner: Der Begriff steckt bereits im Namen: Es ist die Kombination Schiene-Strasse. Der Gütertransport findet zum Teil auf der Strasse statt, zum andern Teil werden die Güter per Bahn transportiert. An den Umschlagstationen werden die Güter vom LKW auf die Bahn umgeladen oder umgekehrt.

Weshalb setzt die Rhätische Bahn auf den kombinierten ­Güterverkehr?
Wir haben gegenüber der Strasse einen Marktvorteil. Beim Umladen der Güter gewinnen wir Zeit und sind damit konkurrenzfähiger dank einem rascheren Umschlag. Hinzu kommt, dass wir auch während der Nacht fahren können.  Jährlich transportiert die Bündner Gebirgsbahn an die 700 000 Tonnen Güter auf ihrem Schienennetz. Allein damit ersparen wir den Bündner Strassen rund 90 000 LKW-Fahrten. Unterdessen verzeichnet der kombinierte Verkehr mit rund 246 000 Tonnen einen bedeutenden Anteil am Gesamtvolumen. Die Tendenz ist dabei steigend.

Wie sicher und effizient ist der kombinierte Güterverkehr?
Dank dem kombinierten Güterverkehr können die Güter zu jeder Jahreszeit rechtzeitig an ihren Bestimmungsort transportiert werden. Zudem ist die Bahn wintersicher. Wir fahren auch dann, wenn widrige Witterungsverhältnisse herrschen. Das ist gerade im Gebirge ein grosser Vorteil gegenüber der Strasse. Damit erzielt der kombinierte Güterverkehr unter anderem einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Welche Güter werden ­vornehmlich transportiert?
Transportiert wird nahezu alles, was in Graubünden benötigt und auch produziert wird. Also etwa Baumaterialien wie Kies, Sand, Zement, aber auch Mineralölprodukte, Lebensmittel, Getränke und Postsendungen. Das alles transportieren wir in die Höhe. Rundholz, Recyclingmaterial oder etwa Abfall wird per Schiene ins Tal befördert.

Welche Stammkunden ­profitieren von Ihrem Dienst­leistungsangebot?
Es handelt sich dabei um Grossverteiler oder Detaillisten sowie KMU-Betriebe. Einer unserer grössten Kunden ist die Post. In Landquart werden am frühen Morgen jeweils zwischen 10 und 16 Container der Post von Frauenfeld mit einem Normalspurzug angeliefert. Nach dem Umkranen auf die Schmalspurwagen der Rhätischen Bahn werden die Container mit einem Güterzug über die schnelle Vereinalinie ins Engadin transportiert. Im Güterumschlagzentrum Samedan werden die Container wieder auf den LKW umgeladen, um pünktlich bei den regionalen Poststellen angeliefert zu werden.

Welche Perspektiven sehen Sie für die Bündner Güterbahn?
Unsere Kernkopetenz ist der kombinierte Verkehr. Dieser wächst auch zukünftig. Deshalb sind wir optimistisch und investieren laufend in neues Rollmaterial und in effiziente Logistikinstrumente. Dabei profitieren wir von unseren langjährigen Erfahrungen. Schon bei den ersten Versuchen mit dem Abrollcontainer-Transportsystem haben wir das Zukunftspotenzial erkannt. Heute werden Abrollcontainer und Wechselbehälter aus der ganzen Schweiz ins Bündnerland und umgekehrt von dort in die ganze Schweiz und auch ins Ausland befördert. 

Also ist in der Tat Optimismus angezeigt?
Ja. Gerade mit der Beschaffung von neuen Tragwagen für den kombinierten Verkehr wird es künftig möglich sein, auch schwere Lasten über längere Distanzen sicher und kosteneffizient zu transportieren und damit die Kosten des einzelnen Transportes zu reduzieren. Weitere Ziele sind die engere Zusammenarbeit mit den Normalspur-Anbietern und der Ausbau der vorhandenen Güterumschlagszentren.