Als Expatriate bereisten Sie jahrelang fremde Länder. Freuten Sie sich jeweils auf die Rückkehr in die Schweiz?
Häufig musste ich meine Partnerin in der Schweiz zurücklassen. Die Freude über die Rückkehr in die Heimat war folglich immer sehr gross. Ohnehin habe ich stets versucht, nach vorne zu schauen und Veränderungen positiv entgegenzublicken. Natürlich habe ich aber auch Momente erlebt, in denen ich lieber an einem Ort geblieben wäre, anstatt schon wieder umzuziehen.

Wann zum Beispiel?
Im Jahre 1999 zog ich im November von Madrid nach Wien. Das Klima in Spanien hätte mir natürlich mehr zugesagt als das in Österreich (lacht). Aber im Ernst: Dank des Berufs wird man schnell in ein neues Umfeld eingebunden. Ich habe zudem immer versucht, die Vorzüge im Aufenthaltsland zu geniessen und mich damit zu arrangieren.

Vorzüge gibt es auch für Expatriates in der Schweiz einige zu geniessen. Welches aber, sind hier die Hauptprobleme von Expats?
Der Immobilienmarkt ist in der Schweiz eine grosse Schwierigkeit. In Ballungszentren wie Genf und Zürich finden die Expats kaum noch Wohnräume. «Ein Waadtländer ist ein Genfer, der eine Wohnung gefunden hat» ist nicht mehr bloss ein witziger Spruch, sondern harte Realität. Bei den internationalen Schulen hat sich die Situation ein wenig entschärft, doch auch in diesem Bereich sind die Plätze bei verschiedenen Instituten immer wieder knapp. Dank der Personenfreizügigkeitsabkommen ist aber zumindest der administrative Aufwand gesunken. Tatsächlich haben die Personenfreizügigkeitsabkommen, die Entsendung von Mitarbeitern im europäischen Raum enorm vereinfacht. Für nicht EU-Bürger sind die administrativen Hürden allerdings noch immer sehr gross. Das Beispiel von Google, die vergangenes Jahr sogar mit dem Wegzug aus der Schweiz gedroht hat, weil ihr Kontingent an Mitarbeitern von ausserhalb des EU-Raums ausgeschöpft war, illustriert diese Problematik sehr deutlich.  

Gibt es noch andere Hürden?
Unternehmen, die ihre Spezialisten im internationalen Umfeld rekrutieren, kommen immer häufiger in Kontakt mit einer aufstrebenden Generation von Paaren mit Doppelkarrieren. Beide haben ambitionierte Ziele und wollen ihrem Partner nicht einfach hinterher reisen, sondern selber einen spannenden Job im Ausland finden. Häufig ist das schwierig. Die Bedingungen für Expatriates sind im Übrigen bei weitem nicht mehr so rosig, wie sie es noch vor 15 Jahren waren. Expat-Paare, die ins Ausland ziehen, sind somit häufig sogar darauf angewiesen, zwei Einkommen zu beziehen.

Eine einfachere Lösung wäre folglich für eine kürzere Zeit alleine ins Ausland zu reisen?
Tatsächlich haben die Unternehmen während der Finanzkrise versucht, ihre Arbeitnehmer nur kurzfristig zu entsenden. Das ist unkomplizierter und auch um einiges günstiger. Mittlerweile leisten sich die Firmen vermehrt auch wieder Langzeit-Entsendungen.

Die Kosten für Expats bleiben trotz aller Sparmassnahmen hoch – warum investieren die Firmen das Geld dennoch?
Es gibt verschiedene Treiber, Arbeitnehmer ins Ausland zu entsenden. Ein wichtiger Faktor ist der Transfer des Know-hows. Auch die Kontrolle einer Operation oder Abwicklung eines wichtigen Projekts können Gründe für eine Entsendung sein. In vielen Firmen gehört ein Auslandaufenthalt mittlerweile allerdings zum Entwicklungsprogramm für talentierte Mitarbeiter – die Arbeit im Ausland soll eine Weiterbildungsmöglichkeit sein und als Anreiz dienen. Die Unternehmen wiederum profitieren von einer gesteigerten Attraktivtät als Arbeitgeber für aufstrebende Talente, was letztlich auch ihr Employer Branding verbessert.