Sébastien, die neue Formel E-Saison hat bereits angefangen. Wie läuft es bei dir?

Nach einem schlechten Saisonstart in Hongkong lief es uns in Marrakesch mit der Pole-Position und einem Podestplatz deutlich besser. Jedes Rennen ist anders und auch eine neue Herausforderung. Diese gilt es immer wieder zu meistern. Die Saison ist noch lang, ich bin aber sehr zuversichtlich.

Du fährst schon die vierte Saison in der neuen FIA-Formel-E-Meisterschaft, wurdest letztes Jahr Vizeweltmeister in dieser Klasse. Was sind deine Saisonziele für 2017/18?

Es kann nur ein Ziel geben: Wir fahren um die Weltmeisterschaft.

Das wird aber immer schwieriger. Andere Spitzen-Teams haben sich auch weiterentwickelt und fahren gute Resultate ein. Man muss über die gesamte Saison eine konstant gute Leistung zeigen. Denn abgerechnet wird erst nach dem letzten Rennen.

Als Rennfahrer kennst du die Formel 1, Langstreckenrennen, die Tourenwagenmeisterschaften und jetzt die Formel E. Was macht am meisten Spass?

Es ist schwierig, die unterschiedlichen Fahrzeuge und Antriebsarten miteinander zu vergleichen. Die verschiedenen Meisterschaften sind grundsätzlich anders, haben mir aber immer Spass gemacht.

Auch der Ablauf der Formel E-Saison ist im Vergleich zur Tourenwagenszene oder der Formel 1 kaum vergleichbar. Wir haben heute noch Boxenstopps mit Fahrzeugwechsel. An einzelnen Wochenenden finden auch zwei Rennen statt. Da muss man sehr effizient sein.

Formel E-Rennwagen sind zu hundert Prozent mit elektrischer Energie angetrieben. Wie unterscheiden sich verschiedenen Antriebsarten?

Es ist schon ein Unterschied mit einem Elektromotor Rennen zu fahren. Unsere Fahrzeuge haben kein Getriebe, verfügen über „nur“ 270 PS, haben aber ein sehr hohes Drehmoment.

Die Beschleunigung von null auf hundert Stundenkilometer liegt etwa bei 3,2 Sekunden und ist in diesem Punkt mit einem Formel 1-Rennwagen durchaus vergleichbar. Der Elektroantrieb stellt seine volle Leistung dem Fahrer sofort und ohne Verzögerung zur Verfügung. Das ist schon anders, als bei einem herkömmlichen Rennwagen.

In welche Richtung entwickeln sich die Formel E-Rennwagen in Zukunft?

Es wird ab der Saison 2018/19 also keine Fahrzeugwechsel mehr geben.

Wir hatten jetzt vier Saisons keine wesentlichen Reglementsänderungen in der Formel E. Ab nächster Saison kommt es zu einigen grundsätzlichen Änderungen aufgrund der technischen Entwicklung. Neu werden Motoren mit 350 PS eingesetzt, zudem sind die Akkus so leistungsfähig, dass wir die gesamte Renndistanz mit einem Fahrzeug schaffen. Es wird ab der Saison 2018/19 also keine Fahrzeugwechsel mehr geben.

Für die Autohersteller, die sich in der Formel E engagieren, hat dies den Vorteil, dass technische Fortschritte – also leistungsfähigere Akkus, bessere Reichweite oder mehr PS-Leistung - sofort in die normalen Fahrzeuge integriert werden können.

Von dieser nachhaltigen Entwicklung profitiert der Käufer eines E-Autos unmittelbar. Das wäre in anderen Rennwagenklassen undenkbar. Diese Entwicklung und der technische  Fortschritt macht es für die Ingenieure und auch für uns als Rennfahrer unheimlich spannend.

Die Formel E kommt im Juni erstmals nach Zürich. Wird dies ein besonderes Rennen für Dich?

Ja, sicher. Es ist für mich eine besondere Ehre erstmals wieder in der Schweiz ein Formel-Autorennen zu fahren. Dieses Wochenende in Zürich wird sehr emotional für mich.

Ich freue mich darauf, werde sicher viele Freunde und Bekannte aus der Heimat treffen. Für das Rennen selber muss ich aber genauso fokussiert sein, wie bei jedem Rennen. Ich habe ja ein Ziel vor Augen. 

Bilder: zVg