Stichwort Automobilverkehr: Welche Antriebstechnologien, Herr Beckmann, stehen heute im Vordergrund?

Ganz klar der elektrische Antrieb. Egal ob Elektrofahrzeuge (EV), Hybrid-Elektrofahrzeuge (HEV) oder Steck-Elektrofahrzeuge (PHEV): Hauptsache ein Stecker ist am Fahrzeug. Der Verbrennungsmotor hat definitiv ausgedient.

 

Was heisst das konkret?

Seit knapp zehn Jahren dominiert insbesondere ein Megatrend die Debatten um die Zukunft der Automobilität: Der Einzug des Elektroantriebs in den Individualverkehr und die gleichzeitige Abkehr von der rund einhundertjährigen Dominanz des Verbrennungsmotors.

Doch dieser Wandel, so sagen nach wie vor dessen Kritiker, würde in den meisten Ländern dieser Welt eher aufseiten wohlmeinender Automobilmagazine und in den Köpfen einiger weniger Enthusiasten und Pioniere stattfinden. Beim Kunden und auf der Strasse sei das Elektroauto in den meisten Märkten noch nicht angekommen.

Letztlich ausschlaggebend sind jedoch die aktuellen Entwicklungen im Transformationsfeld Elektromobilität sowie die neuesten Innovationen im Bereich der Fahrzeugtechnik und des kundenseitigen Zugangs zu den konvergierenden Schweizer Lade-Netzen.

Getrieben werden diese Entwicklungen einerseits durch übergeordnete politische Rahmensetzungen, wie der durch die EU für alle Automobilhersteller vorgeschriebene CO2-Absenkungspfad, und andererseits durch den wirtschaftlichen Strukturwandel im Energie- und Automobilsektor. Beide Industrien haben nach Jahren des Zauderns nun eingeschwenkt auf einen forschen Transformationskurs, dessen Richtung zunehmend durch die Nachhaltigkeits- und Geschäftsperspektiven der Elektromobilität bestimmt wird.

 

Welche neuen Antriebstechnologien erachten Sie als besonders zukunftsweisend?

Wie bereits gesagt der elektrische Antrieb von Fahrzeugen. Ausgelöst durch den heute absehbaren Siegeszug des elektrischen Antriebsstrangs, vollziehen die grossen Industrienationen gegenwärtig eine «Autowende», die in ihrer Tragweite mit den kolossalen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen zu vergleichen ist, die bisher nur der traditionellen Automobilisierung zu Beginn des 20.

Jahrhunderts zugeschrieben wurden. Dieser Wandel ruht auf einer Wahlverwandtschaft zwischen der Dekarbonisierung des Verkehrs dank seiner Elektrifizierung einerseits und einer Deprivatisierung des Automobils im Kontext der sogenannten «Share Economy» andererseits. Dabei handelt es sich nicht nur um einen technischen Wandel, sondern auch um einen Wandel in industrieller sowie energie- und verkehrspolitischer Hinsicht. Letztlich ist es auch ein Wandel unserer Alltagskultur.

 

Was bedeutet dies für die bereits erwähnte «Autowende»?

Der E-Antrieb ist der Kristallisationskern der «Autowende». Mit dem Strom hält die Digitalisierung Einzug in die Automobilbranche.

 

Wie wird Ihrer Ansicht nach das Auto der Zukunft genutzt?

Es wird zunehmend kollaborativ, also gemeinsam genutzt werden. In Zukunft dürfte es viel weniger private Fahrzeuge geben. Während mit der Elektrifizierung die antriebstechnische Voraussetzung für eine ökologisch nachhaltigere Mobilität bereits geschaffen wurde, wird bald mit dem gemeinschaftlich genutzten «autonomen Auto» eine sozial nachhaltigere Automobilität möglich, die ohne den privaten Besitz eines Fahrzeugs auskommt.

Sorgt der emissionsfreie Elektroantrieb also in einem ersten Schritt für einen Quantensprung bei der Energieeffizienz, so liefert das öffentliche vollautomatische Auto im zweiten Schritt massiv Zuwächse bei der Nutzungseffizienz.

 

Weg vom Verbrennungsmotor hin zur E-Mobilität: Welche Trends werden hier den Ton angeben?

Trendverstärkend wirken hier die sinkenden Batterie- und Fahrzeugkosten, die Erhöhung der Energiedichte und damit die Vergrösserung der Reichweite. Zudem wächst das öffentliche Lade-Netz und langfristige gesetzliche Vorgaben wie die CO2-Richtlinien beginnen zu greifen.

Jörg Beckmann leitet die Mobilitätsakademie.