Sie machen sich mit Vorliebe in die USA, nach Kanada oder Australien auf, weil Abenteuer und Karriere locken. Das ist eines der Ergebnisse des mehrjährigen Forschungsprojekts «Expatriation», das am Institut für Unternehmensführung der FH Wien aktuell durchgeführt wird. Bereichsleiterin Martina Morell und ihr Team analysieren hier Erwartungen und Bedürfnisse von Mitarbeitern, die für einen Zeitraum zwischen einem Jahr und fünf Jahren im Ausland arbeiten. Befragt wurden Vertreter von 85 international tätigen Unternehmen. Und niemand betrachtete das Los eines sogenannten «Expats» als Last – im Gegenteil: «Der Schritt wird stark mit Karriereerwartungen verbunden und als Erfüllung eines Traums gesehen», sagt Morell.  

Familie zieht mit
In gewisser Hinsicht werden die Erwartungen nicht enttäuscht. Zufriedenstellende Honorierung und Status sind die Regel. Morell betont: «Meistens kommt mit der Entsendung ein hierarchischer Sprung. Man wird mit einer verantwortungsvollen Aufgabe ins Ausland gesandt und erhält grossen Handlungsspielraum.» Eine Chance zu zeigen, was in mir steckt, denken sich bei diesen Aussichten viele Expats. Und erhalten meist auch Unterstützung in der Partnerschaft. Der klassische Expat ist gemäss der Studie zwischen 25 und 45 Jahre alt, männlich und hat Familienbezug. Mit kleinen Kindern sei es noch leichter, die Heimat für gewisse Zeit zu verlassen und auch die Partnerinnen nähmen die neue Herausforderung gern auf sich, hiess es häufig. Morell: «Problematischer sah es bei den wenigen Paaren aus, die duale Karrieren verfolgen und kinderlos sind. Auch wenn es hier es in manchen Fällen Unterstützung von den Unternehmen gibt.»

Klappt die Integration?
Der Arbeitgeber kümmert sich um die Kosten des Umzugs, das meist grosszügige Gehalt beziehungsweise die niedrigen Lebenserhaltungskosten ermöglichen so manch kleinen Luxus wie häufige Restaurantbesuche, Putzfrau oder auch Chauffeur. Neben der grossen Verantwortung weitere gute Voraussetzungen für hohe Arbeitsmotivation. Wenn im Vorhinein Ängste aufkommen, dann auch keine fachlichen: «Dass die beruflichen Aufgaben gemeistert werden, dessen sind sich die meisten sicher. Befürchtungen beziehen sich eher darauf, dass Integration und Kontaktknüpfen schwierig werden oder die Familie sich nicht wohl fühlen könnte.» Hier ist man als Expat zumeist auf sich allein gestellt.

Alles hat ein Ende…
Viele verlieren derweil aus dem Blickfeld, dass die Zeit im Ausland begrenzt ist. Auf die Rückkehr sollten sich Expats intensiv vorbereiten. Morell: «Der Kontakt zum Heimatland ist enorm wichtig. Diejenigen, die die Verbindung zum Stammhaus gehalten haben, taten sich weniger schwer, wieder zurückzufinden.» Denn die Rückkehr scheint in manchen Aspekten problematischer als der Sprung in die fremde Welt. Auch, weil in den meisten Fällen in der Heimat die angenehmen Vergünstigungen während des Auslandsaufenthalts der Vergangenheit angehören.

Kein Karriereautomatismus
Es gibt Fälle, in denen der Auslandsaufenthalt ein Karrieresprungbrett bedeutete. Doch laut der Studie ist keineswegs ein Automatismus zu erkennen. Nicht alle Unternehmen garantierten ein Wiederkehrrecht oder das Recht, dieselbe beziehungsweise eine vergleichbare Position wieder besetzen zu können. Damit kann ein hierarchischer Abstieg verbunden sein. Morell: «Unternehmen sollten bereits zu Beginn klar stellen, dass sie keine Karriere versprechen können. Wenn ich den Mitarbeiter im Glauben lasse, dass er sicher anschliessend besser gestellt ist, dann kann die Enttäuschung am Ende gross sein.» Die Studie hat jedoch auch gezeigt, dass gerade im Zuge der Finanzkrise Verständnis gezeigt wurde, sagt Morell: «Insofern nach der Rückkehr wieder ein gleichwertiger Job geboten wurde, zeigten sich viele zufrieden. Sie betonten, die Auslandserfahrung lasse realistischer werden.» Sicher ist, dass diese Auslandserfahrungen den ehemaligen Expat sein Leben lang bereichern werden.