Wo stehen wir im internationalen Vergleich bezüglich Food Waste?

Weltweit wird ein Drittel aller Lebensmittel verschwendet - eine Anbaufläche, die 1,5-mal so gross wie Europa ist, wird damit umsonst bewirtschaftet.

Die Schweiz bewegt sich leider im gleichen Rahmen: ein Drittel der Lebensmittel – rund 2,3 Millionen Tonnen jährlich - landen im Abfall. Damit verschwenden wir auch Wasserressourcen, da wir 80 Prozent unseres gesamten Wasserverbrauchs für die Produktion der Ernährung aufwenden.

Die durchschnittlichen Vollkosten in der Gastronomie für weggeworfene Lebensmittel belaufen sich auf rund 24 Franken pro Kilo.

Dabei zeigen Fallbeispiele aus der Hotellerie, dass eine Reduktion bis zu 40 Prozent der Lebensmittelabfälle bereits während einer vierwöchigen Erhebungs- und Messperiode möglich sind. Wichtig ist jedoch, dass die Thematik Food Save strategisch verankert wird.

Stellen Sie bei den Hotelliers eine Sensibilisierung auf die Klimaziele fest? 

Wir nehmen ein erhöhtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit wahr. Festzustellen ist ein Trend auch bei Geschäftsreisen und im MICE-Bereich, wo Nachhaltigkeitsaspekte zum Selektionskriterium werden. Der Thematik CSR und Nachhaltigkeit können sich Betriebe langfristig nicht entziehen.

Lassen sich die Betriebe zertifizieren?

Ja, wobei die Auswahl des geeigneten Labels von der Positionierung des Hotels abhängt. Die von hotelleriesuisse in Auftrag gegebene Studie dient als Orientierungshilfe im Label-Dschungel.

Ist das Thema Food Waste in den Hotelküchen angekommen? 

Wir sind auf dem Weg. Ein Unternehmen sollte ein Eigeninteresse daran zeigen, Ressourcen einzusparen, um das Betriebsbudget zu schonen. Seit 2015 haben wir Erhebungen in Pilotbetrieben gemacht, das Sparpotential ermittelt und einen Praxisleitfaden herausgegeben.

Wie sieht Ihr Praxisleitfaden aus, mit der ein Unternehmen Food Waste vermeiden kann?

Die eigene Lebensmittelverschwendung zu messen, ist dazu ein erster Schritt. Versteht man die Verschwendung, lässt sie sich durch gezielte Massnahmen reduzieren oder sogar ganz vermeiden. Jeder Betrieb ist jedoch anders organisiert, entsprechend vielfältig sind die Massnahmen, die Wirkung zeigen.

Der Praxisleitfaden «Lebensmittelabfall vermeiden - Kosten sparen und Umwelt schonen» für die Hotellerie bietet Tipps zur Überschussvermeidung, Optimierung der Abläufe sowie Wiederverwendung.

Die Hinweise steigern die Sensibilisierung bei Planung und Einkauf und in der Produktion. Zusätzlich zeigt der Leitfaden mögliche Hilfsmittel auf. 

Welches ist das nächste Projekt zum Thema Nachhaltigkeit?

In Zusammenarbeit mit dem Verein «United Against Waste», hotelleriesuisse ist Gründungsmitglied, wird im Juni 2019 die Food Save App herausgegeben, die praxisorientiertes Wissen und einfach umsetzbare Lösungsvorschläge zur Reduktion von Lebensmittelabfall digital zur Verfügung stellt.

Infobox

Was jeder beitragen kann

  • Kauf clever ein und nur so viel, wie du brauchst. 
  • Eine grosse Menge an Lebensmitteln landet in wohlhabenden Ländern gar nicht erst auf dem Teller, weil sie nicht der Norm («zu klein, zu kurz, zu krumm») entsprechen. Darum: beziehe nicht Norm-konformes Gemüse direkt vom Bauern. 
  • Nicht mit leerem Magen einkaufen gehen. Ein knurrender Magen verleitet dazu, mehr einzukaufen als du wirklich benötigst.
  • Lebensmittel optimal lagern und aufbewahren, um die Haltbarkeit zu verlängern. Kühlschrank optimal auf 5° C einstellen, aufbewahrte Essensreste innerhalb von ein bis drei Tagen konsumieren, zu viel Eingekauftes einfrieren. Zudem: vertraue den eigenen Sinnen, ob Lebensmittel noch geniessbar sind. Probier‘ einfach erst, bevor du Lebensmittel jenseits des Haltbarkeitsdatums gleich entsorgst.
  • Portioniere richtig und koche nicht zu viel.
  • Koche kreativ und plane einen genussvollen Resteverwertungs-Tag: Rezeptideen gibts online, Buchtipp: «Restenlos glücklich»(Rezepte gegen Food Waste) (www.changemaker.ch/produkt/restenlos-gluecklich)
  • Bist du eine Zeit lang nicht zu Hause, verschenke dein Essen an Freunde und Nachbarn: FoodSharing! 
  • Mach dir den Wert der Lebensmittel wieder bewusst. Food Waste rührt auch von tiefen Lebensmittelpreisen her.