Herr Zemp, welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit bei Veranstaltungen in der heutigen Zeit?

Die Sicherheit bei Veranstaltungen hat heute einen höheren Stellenwert denn je. Nach den tragischen Ereignissen an der Love-Parade in Duisburg 2010 (das Gedränge forderte 21 Todesopfer und 541 Verletzte, Anmerkung der Redaktion) oder nach den Anschlägen in mehreren Städten ist die Erwartungshaltung der Besucher bezüglich Sicherheit an die Behörden und Veranstalter entsprechend hoch.

Das Unglück in Duisburg war der Auslöser, dass in Zürich die Fachstelle Crowd Management geschaffen wurde. Was beinhaltet diese?

Damals kam die Frage auf, wer in Zürich bei Grossveranstaltungen  für die Überwachung und Lenkung der Besucherströme zuständig ist. Der Stadtrat entschied, dass die Sicherheit an Grossveranstaltungen eine polizeiliche Aufgabe sei.

Ich habe dann 2012 die Fachstelle Crowd Management aufgebaut. Unsere Aufgabe ist die systematische Planung, Überwachung und Steuerung von Menschenmengen bei Grossveranstaltungen im öffentlichen Raum.

Welche Rolle übernimmt der Veranstalter bezüglich Sicherheit?

Jeder Veranstalter sollte eine Risikoanalyse vornehmen.

In erster Linie ist immer der Veranstalter für die Sicherheit der Besucher zuständig. Er muss sich über die Risiken an seiner Veranstaltung bewusst sein und einen Plan B ausarbeiten, falls etwas Unvorhergesehenes passieren würde.

Deshalb sollte jeder Veranstalter, auch wenn es sich um kleinere Veranstaltungen handelt, eine Risikoanalyse vornehmen. Dabei werden Risiken eingeschätzt und mögliche Massnahmen ergriffen, um die Risiken zu minimieren und die Restrisiken im akzeptablen Bereich zu halten. 

Zwingend ist jedoch in jedem Fall, dass sich der Veranstalter bewusst ist, wie viele Leuten den Anlass besuchen und ob diese auch ausreichend Platz haben.

Gleichzeitig muss abgesichert sein, dass bestehende Fluchtwege genügend Kapazität bieten, um die Besucher in einem Ereignisfall rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Dazu muss der Veranstalter auch in der Lage sein, mit den Besuchern zu kommunizieren.

Bei Outdoor-Grossveranstaltungen wie dem Züri Fäscht ist es nicht einfach, mit den Besuchern zu kommunizieren. Spielt hier die Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle?

Beim Züri Fäscht kam eine App zum Einsatz, welche dem  Besucher laufend aktuelle Informationen zur Veranstaltung zur Verfügung stellte. Im Notfall können damit auch Sicherheitshinweise der Polizei aktiv verschickt werden.

Die Besucher konnten mit der App zudem abrufen, wie die derzeitige Besucherdichte der einzelnen Festsektoren oder Bahnhöfe ausfiel.

Damit hatten die Besucher die Möglichkeit, bereits volle Bereiche zu umgehen. Solche Apps werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Allerdings werden nur jene Besucher erreicht, welche sich die App auch tatsächlich aufs Handy laden.

Deshalb sehe ich in Zukunft, nebst der Beschallung (Audio), grosse Bildschirme (Video) als zentrales Kommunikationsinstrument an Grossveranstaltungen.

Welche Sicherheitstipps haben Sie für Veranstalter?

Solange der Anlass abläuft wie geplant, muss nebst der Unterhaltung eigentlich nur die Veranstaltung respektive deren Verlauf und die Prozesse überwacht werden.

Sollte jedoch irgendwo ein Sicherheitsproblem auftauchen, ist es wichtig, das Problem rasch zu erkennen und die richtigen Massnahmen zu treffen. Hierzu rate ich, stets einen Plan B bereitzuhaben, um schnell reagieren zu können.