Viele verbinden mit Logistik Lastwagen, Flugzeuge oder Züge. Logistik ist jedoch viel mehr. Logistik ist die Organisation von Versorgung. Oder per Definition: Logistik stellt die richtige Menge der richtigen Objekte – also auch Güter, Personen, Energie oder Informationen - am richtigen Ort im System, zum richtigen Zeitpunkt sowie in der richtigen Qualität und zu den richtigen Kosten bereit.

Mit der Globalisierung ist die Welt kleiner geworden. Immer mehr Unternehmen sind international tätig und somit auch neuen Gefahren ausgesetzt. Das Risiko für die Angestellten zu minimieren ist die Arbeit von International SOS. Die Logistik stellt das vor riesige Herausforderungen. Denn das Unternehmen stellt da Hilfe bereit, wo sie gebraucht wird – und das unter widrigsten Bedingungen.

«Die ursprüngliche Frage war: Was passiert, wenn was passiert», sagt Ghislain de Kerviler, General Manager von International SOS. Für die Planung und Koordination der Hilfe ist ein weltweites Netzwerk die Voraussetzung. Das Unternehmen betreibt weltweit 25 Alarmzentralen und ist international der grösste private Arbeitgeber von Ärzten. «Rund 970 Ärzte und über 200 Sicherheitspezialisten gehören zu den 8 000 Mitarbeitern», erklärt de Kerviler.


Erfahrung das A und O


Die Logistik ist gerade deshalb schwierig, weil International SOS mit Menschen arbeitet. Im Unterschied zu Waren, kann sich der Zustand der Menschen jederzeit verändern. Gute Organisation ist die Voraussetzung. Auch das gehört zur Logistik: Organisation bis ins kleinste Detail. Die Kunden sind vorwiegend Firmen mit Angestellten im Ausland. Dort wo die Logistik der Firmen an ihre Grenzen stösst, wird auf die Logistik von International SOS zurückgegriffen: Bei Unfällen, Katastrophen oder Krisen.

«Die Hilfe logistisch zu koordinieren ist nicht immer leicht – vieles ist unvorhersehbar», sagt de Kerviler. Das Unternehmen ist dafür da, alles in Bewegung zu halten: Das Unplanbare zu planen. «Wir können dabei auf unser globales Netzwerk, das unserer Partner und eine langjährige Erfahrung zurückgreifen», sagt de Kerviler. Denn das Unternehmen betreut jedes Jahr 4,64 Millionen Anrufe.

«Zudem versuchen wir, unsere Kunden schon im Vornherein gut auf die Situationen in den jeweiligen Ländern vorzubereiten», sagt Birger Oldorff, Head of Corporate Clients von International SOS in Russland. Wenn das Kind dann aber doch in den Brunnen fällt, sei man in jedem Fall zu Stelle.
 

Vom Unfall bis zum Erdbeben


Die Fälle, die International SOS betreut, sind vielfältig. «Es kann ein Einzelschicksal oder eine grosse Katastrophe sein», sagt Oldorff. Zum Beispiel ein Mitarbeiter, der sich bei einem Autounfall in Sibirien verletzt. «Wir versuchen dann, so schnell wie möglich zu helfen, medizinische Betreuung bereitzustellen oder, wenn es nötig ist, zu evakuieren», so Oldorff. Zur Logistik gehört, dass der Kunde von alldem nichts merkt.

Die Organisation geschieht im Hintergrund. Bei den Unruhen in Ägypten wurden rund 800 Menschen und in Haiti wurden 100 Kunden in Sicherheit gebracht. Logistisch eine riesige Herausforderung. «Wir sind immer auf das Schlimmste vorbereitet», sagt Oldorff. Denn bei rund 9000 Firmenkunden mit insgesamt etwa 5 Millionen Mitarbeitern weltweit ist das Unternehmen bei fast jeder Katastrophe im Einsatz.

Um zu wissen, wo sich die Kunden befinden, wird auf die modernste Technik zurückgegriffen. Mithilfe des TravelTrackers, können Kunden jederzeit lokalisiert werden. Auch Apps für mobile Geräte sind im Einsatz und werden ständig weiterentwickelt. Doch nicht nur bei dramatischen Situationen kommt International SOS zum Einsatz. Das Unternehmen hilft auch, wenn beispielsweise jemand in China einen Zahnarzt braucht, aber keinen findet, der die eigene Sprache spricht.


Fokus auf die Menschen


International SOS finanziert sich über die Beiträge ihrer Mitgliedsfirmen. «Wir sind jedoch keine Versicherung», betont Oldorff. Denn eine Versicherung deckt finanzielle Risiken ab. «Wir organisieren die gesamte Logistik und helfen vor Ort», sagt er. Dabei stehen das Wohl der Mitglieder und die Zufriedenheit des Kunden im Vordergrund.


«Die Zukunft liegt in der Information und Prävention, aber auch unsere Logistik möchten wir noch verbessern», sagt de Kerviler. Denn man sei sich bewusst, dass gerade in der Logistik die Kette nur so stark sei wie das schwächste Glied.