Eine bessere Raumaufteilung, kurze Wege, schnellerer Artikelzugriff und mehr Flexibilität: Was steckt hinter den Vorteilen der Kompaktlagerung? «Wie das Wort impliziert, geht es bei dieser Art der Lagerung um möglichst hohe Verdichtung – möglichst viele Ladeeinheiten auf einer möglichst geringen Fläche zu lagern», erklärt Benno Reichmuth, Bereichsleiter Dynamische Kompaktlager bei SSI Schäfer.

Das Kompaktlager hat jedoch nicht eine in sich abgeschlossene und unveränderliche Form, sondern ist ein System, das vielfältig eingesetzt werden kann. Gelagert werden kann von Fisch über gefrorene Früchte bis hin zu Autoreifen eigentlich alles. Bei SSI Schäfer werden die manuell betriebenen Kompaktlager vor allem mit Verschieberegalen und Kanallagern in Verbindung gebracht. «Die Systemwahl hängt stark davon ab, was man lagern will. In der Kühllogistik sind Ka­nallagersysteme und Verschieberegale sicher führend», so Reichmuth. Über 80 Prozent der (Tief-)Kühllager weltweit würden auf die kompakte Lagerung setzen.

Grüne Logistik

Ist die Effizienzsteigerung wirklich so gross? Jeder Kubikmeter, der in einem Tiefkühllager auf ­–30 Grad heruntergekühlt wird, ohne dass dort etwas gelagert wird, verschwendet Energie und Geld. «Es liegt auf der Hand, dass die Energiekosten tiefer sind, je kompakter gelagert wird. Und durch die Einsparung des laufenden Energieaufwandes pro Palette sind die Systeme zudem ökologischer», versichert Benno Reichmuth.

Aber die Kompaktlagerung kann noch mehr für die Umwelt tun. SSI Schäfer setzt auf «Green Logistic» und verwendet in ihren Systemen beispielsweise elektrische Antriebe mit höherem Wirkungsgrad. Damit sind die Pluspunkte des Kompaktlagers noch nicht erschöpft. Ein Lagerbetrieb funktioniert dann, wenn die Wege des Warentransportes so kurz wie möglich sind. Laut Reichmuth hätten Lagerstudien ergeben, dass für den Umschlag von Paletten etwa 60 Prozent der Zeit auf die Transportwege der Flurförderzeuge und nur 40 Prozent auf die reinen Ein- und Auslagervorgänge entfallen.

«Die Shuttle-Fahrzeuge in unserem Kanallagersystem führen den Palettentransport innerhalb der Regalanlage durch. Dadurch reduzieren sich die unproduktiven Nebenzeiten auf ein Minimum und es ergibt sich der Nebeneffekt einer deutlich höheren Durchsatzleistung bei geringerem Personaleinsatz.»

Schritt in die Automation

Bei einem Neubau kann das Unternehmen Geld am Bau sparen, da die Grundfläche für ein kompaktes Lager kleiner ausfällt. Aber auch bei einer Umrüstung eines bestehenden Lagers kann die Lagerkapazität mit relativ geringen Kostenaufwänden erhöht werden. Da ein Unternehmen seinen Betrieb während des Umbaus kaum einstellen kann, muss der Aufbau des neuen Lagers in Etappen erfolgen.

«Dies ist möglich», bestätigt Reichmuth, «es bedingt jedoch gute Planung und professionelles Projektmanagement.» Was die Unternehmen nach der Umstellung beachten müssen, ist auch vom Automationsgrad des Lagers abhängig, denn die Verschieberegale beispielsweise können manuell mit einem Stapler bedient oder vollautomatisch durch Regalbediengeräte betrieben werden. «Abhängig von den Schnittstellen zwischen Bediener und Maschine ist darauf zu achten, dass Mitarbeiter gut geschult und Anlagen regelmässig gewartet werden.» Und wie tief muss dafür jetzt in die Tasche gegriffen werden?

Genau könne man das nicht sagen, da es sich um eine kundenspezifische Lösung handle und nicht um ein Produkt mit fix definierten Werten. «Aber die Investition muss auf jeden Fall wirtschaftlich sein, sonst bauen wir das neue System nicht ein», sagt Reichmuth. Die Investitionen sollte innerhalb der nächsten drei Jahre amortisiert sein. Die Kompaktlagerlösungen seien aber auf jeden Fall der kostengünstigste erste Schritt in die Automation, denn ein rein vollautomatisches System würde auf einen Schlag das Vier- oder Fünffache kosten.