Präzision und Geschwindigkeit – immer schneller, immer besser. So könnte man die Ansprüche an Transport- und Logistikdienstleister zusammenfassen. Fahren wird immer teurer, also braucht es eine immer höhere Präzision und Effizienz in der Tourenplanung. Der Onlinekunde will die bestellte Ware zu exakt der angegebenen Zeit und am liebsten gestern geliefert bekommen. Der Betreiber des Onlinehandels muss jederzeit genau wissen, was er in welchem Lager in welcher Menge wann zur Verfügung hat.

Die Beherrschung der Informations- und Warenflüsse ist der Schlüssel zum Erfolg.

Hinzu kommen die gestiegenen gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit oder Rückverfolgbarkeit insbesondere im Bereich der Medizinprodukte oder der Lebensmittel. Diesen Rechnung zu tragen, verteuert die Prozesse massiv. Effizienz ist unumgänglich. Des Weiteren drängen mit der Globalisierung immer mehr grosse Player aus dem Ausland auf den heimischen Markt und verändern das Wettbewerbsumfeld für die Unternehmen massiv.

Treiber E-Commerce

Einer der ganz grossen Treiber dieser rasanten Entwicklung ist ohne Zweifel der E-Commerce. Zu diesem Schluss kommt auch die diesjährige Logistikmarktstudie Schweiz. Bereits in den vergangenen Jahren legte der Markt für Online- und Versandhandel deutlich zu, von 2013 auf 2014 um 7,2 Prozent auf rund 6,7 Milliarden Franken.

Der reine Online-Bestellwert betrug dabei etwa 5,9 Milliarden Schweizer Franken. Ein überproportionaler Zuwachs ist insbesondere im grenzquerenden Onlinehandel zu verzeichnen. Das Wachstum im E-Commerce ist vor allem auf eine zunehmende Anzahl an Onlinekäufern sowie eine grössere Menge an Einkaufsmöglichkeiten im Web zurückzuführen.

Herausforderung E-Commerce

Die positiven Entwicklungen im E-Commerce kommen auch der Logistikbranche zugute. Die Transportleistungen nehmen aufgrund kleinerer Sendungsgrössen und höherer Transportfrequenz laufend zu.

Das starke Wachstum im Handel über elektronische Medien ist jedoch auch mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Die zunehmende Anzahl an kleinteiligen Sendungen, vor allem im Business-to-Consumer-Bereich (B2C), sorgt für hohe Kosten in der Distribution. Ferner muss auch ein gut funktionierendes Retourenmanagement angeboten werden, was in Anbetracht einer steigenden Zahl von Rücksendungen je nach Branche einen besonderen Kostenfaktor darstellt.

Informationen für Kunden

Eine weitere Herausforderung für die Anbieter ist auch das wachsende Informationsbedürfnis der Kunden. Erstere machen ihre Kaufentscheide längst nicht mehr nur vom Preis abhängig, sondern hinterfragen auch die Sicherheit sowie die ethischen und sozialen Werte von Produkten. Werden Informationen über ein Produkt nicht als vertrauenswürdig taxiert, sehen viele Kunden von einem Kauf ab. Aber auch Behörden schauen genauer hin: Welche Rohstoffe enthält das Produkt? Woher stammt es und wie ist der Herstellungsprozess ökologisch zu bewerten?

Mit Entwicklung Schritt halten

Diese Anforderungen sind heute nur noch mit hochkomplexen Informationssystemen zu erfüllen. Die Beherrschung der Informations- und Warenflüsse ist der Schlüssel zum Erfolg, ebenso Anpassungsfähigkeit wie auch die Fähigkeit, entlang der Wertschöpfungskette und über das Wertschöpfungsnetzwerk hinaus zusammenzuarbeiten. Wer dies nicht schafft und mit der unumgänglichen Digitalisierung in der Branche nicht Schritt halten kann, hat quasi schon verloren.

Oft sind es vor allem in unserem Markt noch relativ neue und grosse Player wie Amazon oder Zalando, die es schaffen, mit der Entwicklung der Märkte mitzuhalten respektive die Märkte auch aktiv mitzugestalten. Der Trend geht in die Richtung «the winner takes it all». Die kleineren, meist heimischen Unternehmen müssen ihre Nische finden, um bestehen zu können. Qualität und Verlässlichkeit sind dabei das A und O. Einige haben ihre Hausaufgaben bereits gemacht.

Die anderen Unternehmen werden wohl nicht mehr lange zuwarten können. Um eines kommt heute kein Unternehmen mehr herum: Ohne Digitalisierung geht in der Logistik- und Transportbranche schon bald gar nichts mehr.