Die Schweizer Logistikbranche wurde von der Finanzkrise hart getroffen. Doch es bestehen laut der vierten Logistikmarktstudie des Lehrstuhls für Logistikmanagement der Universität St. Gallen (LOG-HSG) gute Aussichten auf einen Aufschwung. Das sei nebst dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum vor allem einer positiven Entwicklung des Aussenhandels zu verdanken.

Noch aber sind die Folgen der Finanzkrise weiterhin spürbar für den Logistikmarkt, wie die Studie anhand von volkswirtschaftlichen Indikatoren aufzeigt. Der Produktionsindex etwa, der die Schwankungen der realen Produktionsleistungen misst und einen zentralen Indikator für die konjunkturelle Entwicklung darstellt, zeigt im ersten Quartal 2009 einen deutlichen Produktionseinbruch des sekundären Sektors: minus 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Erst in den nachfolgenden Quartalen stieg der Produktionsindex wieder an. Weil viele Unternehmen während der Krise ihre Investitionen zurückgehalten hätten, geht die Studie davon aus, dass sich der Investitionsstau in der nächsten Zeit zumindest teilweise löse.

Zu niedrige Auftragsbestände

Auch der Auftragsindex, also die Zahl der Auftragseingänge, spricht für eine sich erholende Wirtschaft. Der Anstieg der Aufträge aus dem Ausland ist dabei fast doppelt so gross wie aus dem Inland und betrug zu Beginn des Jahres 2010 rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Einen Anstieg der Auftragsbestände dagegen ist erst sechs Monate nach der Erholung des Auftragsindexes zu erkennen.

Die Studie geht davon aus, dass der Rückgang der Bestände im Zuge der Krise so stark war, dass er trotz steigender Nachfrage nur mittelfristig ausgeglichen werden kann. Die rückläufigen Auftragseingänge und -bestände sorgten ab dem dritten Quartal 2008 auch für einen deutlichen Einbruch der Fertigwarenbestände, die 2009 sogar noch weiter abgebaut wurden. Nur langsam und parallel zum Anstieg der Auftragsbestände nimmt der Index für Fertigwaren wieder zu.

Da sich die Auftragsbestände zudem noch immer auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau befinden, ist für viele Unternehmen der Bedarf an fertigem und unfertigem Material schwierig zu berechnen. Um gebundenes Kapital zu verringern, entscheiden sich die Unternehmen vorzugsweise für möglichst geringe Bestände. Das aber birgt die Gefahr, dass bei einem erneuten Aufschwung die steigende Produktion nicht mehr finanziert werden kann.

Globalisierung und ­Nachhaltigkeit im Trend 

Trotz der schwierigen Ausgangslage darf die Logistikbranche gemäss der Studie auf einen Aufschwung hoffen: Folgt die Branche der Gesamtwirtschaft wie in den letzten Jahren, wird sich die positive Entwicklung aller Voraussicht nach übertragen. Abzuwarten bleibt jedoch, in welchem Masse dies geschieht.

Denn die Zunahme des Bruttoinlandproduktes wird überwiegend vom Dienstleistungssektor getrieben, während der für die Logistikbranche produzierende sekundäre Sektor nur langsam wieder an Fahrt gewinnt. Wie die Studie prognostiziert, wird für die Logistikbranche in Zukunft allerdings nicht nur die Krisenerholung im Vordergrund stehen. Unabhängig von konjunkturellen Schwankungen wird etwa die Steuerung von unternehmensübergreifenden Logistikketten eine der wesentlichen künftigen Herausforderungen darstellen.

Auch Trends wie Globalisierung, Umweltorientierung oder die Berücksichtigung individueller Kundenwünsche werden die Logistikbranche massgeblich prägen – genauso wie der kontinuierliche Bedeutungszuwachs der Nachhaltigkeit, der zunehmend in den langfristigen Unternehmensstrategien verankert wird. Auch im nächsten Jahr wird die fünfte Auflage der Logistikmarktstudie durch eine systematische Erweiterung der Inhalte dazu beitragen, die Transparenz des Schweizer Logistikmarktes zu erhöhen.