Lean Management in Produktion und Logistik bedeutet, jede Form von Verschwendung zu erkennen und gezielt zu vermeiden. Der Wertschöpfungsprozess erfolgt oftmals auf speziellen Bearbeitungsmaschinen oder Montagelinien. Die Bearbeitungszeit darauf ist optimal berechnet. Es wäre sehr aufwändig, diese Zeit zu verkürzen.

Wir stellen unsere Prozesse um von PUSH auf PULL

Doch die viel längeren Warte- und Liegezeiten dazwischen sind nicht geplant. Sie ergeben sich aus den vor- und nachgelagerten Abläufen. Am besten lässt sich die Durchlaufzeit mit organisatorischen Massnahmen verkürzen - Beispielsweise, indem wir nur das ausführen, was tatsächlich vom Kunden bestellt wurde: Wir ziehen das Material zum Liefertermin gemäss Kundenbestellung, anstatt es gemäss einer vorausgegangenen zentralen Planung durch die Fertigung zu schieben. Wir stellen unsere Prozesse um von PUSH (schieben) auf PULL (ziehen).

Ein Beispiel: Wir senken den Anteil der bisherigen Warte- und Liegezeiten an der gesamten Durchlaufzeit von angenommenen 90 Prozent (bei 10 Prozent Bearbeitungszeit) durch organisatorische Massnahmen um zehn Prozentpunkte auf nur noch 80 Prozent. Die eigentliche Bearbeitungszeit verändern wir nicht. So steigt der Anteil der – unveränderten – Bearbeitungszeit auf neu 20 Prozent der Gesamtzeit.

Das hat den Effekt, dass sich die gesamte Durchlaufzeit auf diese Weise halbiert. Es geht also nicht nur wesentlich schneller durch die Produktion, zugleich reduziert sich die Anzahl gleichzeitig in Bearbeitung befindlicher Aufträge ebenfalls um die Hälfte: Die Steuerung aller offenen Aufträge wird deutlich einfacher. Das System reduziert seine Komplexität erheblich.

Mit Lean Management in Logistik und Produktion machen immer mehr Unternehmen die Erfahrung, dass eine kürzere Durchlaufzeit nicht nur kürzere Liefertermine für die Kunden bedeutet, sondern dass zugleich die Qualität steigt und die Kosten sinken. Die Voraussetzung dafür ist ebenso einfach wie wichtig: Geringere Bestände und eine mit dem PULL-Prinzip konsequent auftragsbezogene Fertigung bedingen stabile und fehlerfreie Prozesse, da die vermeintlichen Reserven durch Zeit- und Materialpuffer verschwinden.

Zu dieser Thematik gibt es inzwischen verschiedene Studiengänge und für Berufsleute ein entsprechendes Weiterbildungsprogramm.