Ein leistungsfähiger Güterverkehr ist der Motor für eine funktionierende Wirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung. Dies erst recht bei steigenden Einwohnerzahlen. Ebenso geht es – trotz des starken Frankens – auch um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der produzierenden Wirtschaft in der Schweiz. Die Unternehmen sind daher auf optimale Standorte und gute Anbindungen an das Schienen- und Strassenverkehrsnetz angewiesen.

Schienenkapazität ist begrenzt

Eine Ende 2013 erschienene Studie über die Güterverkehrsinfrastruktur zeigt den mittel- bis langfristigen Handlungsbedarf im Zeithorizont ab 2030. Die Studie wurde von den Kantonen und der verladenden Wirtschaft erstellt und kommt zu einem klaren Fazit: Unter den heutigen Rahmenbedingungen sind neue Logistikstandorte in der Schweiz praktisch nicht mehr zu realisieren. Umso wichtiger, so besagt die Studie, sind die Umnutzung, Erweiterung und Zusammenlegung bestehender Flächen.

Besonders in den grossen Städten und Agglomerationen, wo eine leistungsfähige «City-Logistik» sichergestellt werden muss, wird dies zur grossen Herausforderung. Unter der Führung der Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz (BPUK)und des Bundes haben die Kantone mit entsprechenden Logistikstandorten eine gemeinsame Planung für die Logistik in Angriff genommen.

Darin sollen auch die Güterverkehrsbranche und die betroffenen Regionen und Gemeinden rechtzeitig miteinbezogen werden. Dabei soll die gesamte Planung der Verkehrsinfrastrukturen des Bundes, also Nationalstrassen und das Schienennetz, entsprechend dem Gesetzgebungspaket zum Schienengüterverkehr koordiniert  und gut erschlossene Logistikstandorte gewährleistet werden.

«City-Logistik» ist ein Lösungsansatz

In den Agglomerationen und Städten wird der Güterverkehr durch den ungebremsten Ausbau und die heute schon enorme Auslastung durch den Personenverkehr immer mehr von der Schiene auf die Strasse verdrängt. Zudem herrscht ein erheblicher Siedlungsdruck auf die bestehenden Lager- und Umschlagsgebäude. «Für die Feinverteilung und die Versorgung ganzer Regionen ist der Güterverkehr aber auf stadtnahe Logistikstandorte, wie Umschlagsplattformen und Lagerflächen, angewiesen.

Dazu gehört auch ein funktionierendes Strassennetz und eine klare Privilegierung des Schwerverkehrs für eine effiziente City-Logistik mit eigenen Fahrstreifen und Fahrberechtigungen», meint Frank Furrer. Es wäre aus seiner Sicht wünschenswert, wenn in der kommenden Botschaft des Bundesrats zum Nationalstrassen- und Agglomerationsfonds entsprechende Instrumentarien für die Agglomerationsprogramme berücksichtigt würden.

Mehr Wettbewerb

Der Ausbau der Infrastruktur alleine wird jedoch kaum ausreichen. Flexible Logistik setzt effiziente Bahnangebote voraus und dazu sind weitere Massnahmen nötig. So hat die Verkehrskommission des Nationalrats bei der Behandlung der Gesetzgebungsvorlage zum flächendeckenden Schienengüterverkehr eine Motion zur Stärkung der unternehmerischen Freiheit von SBB Cargo befürwortet. So soll das Frachtgeschäft aus dem auf den Personenverkehr fokussierten SBB-Konzern herausgelöst werden, aber weiterhin im Besitz des Bundes bleiben.

Mit einem eigenen Verwaltungsrat und entsprechender Fachkompetenz soll das neue Unternehmen künftig ohne Rücksicht auf den Personenverkehr agieren können. «Damit würde sich die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern», ist  Frank Furrer überzeugt.

Kosten für Schieneninfrastruktur den Bedürfnissen anpassen

Die heutige Schieneninfrastruktur führt im Güterverkehr zu betrieblichen Mehrkosten von rund 20 Prozent. Das Schienennetz wurde ursprünglich für die Bedürfnisse des Personenverkehrs gebaut, die Ausbaustandards werden von Fachleuten als keineswegs güterverkehrskonform erachtet. Sie fordern eine Anpassung der Trassenpreise nach Qualität, Ausbaustandard, Verschleiss und Energieverbrauch bis spätestens 2017. Damit soll der Güterverkehr entsprechend seiner Wertschöpfung finanziell deutlich entlastet werden.