Welchen Stand hat die Ökologie in der Transportbranche?
Das ist unterschiedlich. Ein Drittel der Kunden widmet sich dem Thema. Hier treffe ich auf tiefe Fachkenntnisse und sehe mich mit Detailfragen konfrontiert. Ein zweites Drittel nimmt das Thema zur Kenntnis und das letzte Drittel zeigt noch gar kein Interesse.  

Gibt es denn genügend Angebote aus der Branche?
Die mittleren und grösseren Transportunternehmen sehen die Ökologie als wichtiges Instrument der Kundenpflege und Transparenz. Sie haben entsprechende Programme und helfen mit, wenn Kunden Zertifikate für CO₂-Kompensationen kaufen möchten. Anstatt auf Zertifikate konzentrieren wir uns aber lieber auf Faktoren, die wir selber beeinflussen können.

Welche Faktoren sprechen Sie an? 
Es gibt beispielsweise Hybridfahrzeuge, mit Erdgas betriebene Modelle oder solche mit Partikelfilter. Diese sind in verschiedenen Grössen verfügbar. Je nach Einsatz machen unterschiedliche Typen mehr oder weniger Sinn. Für längere Distanzen setzen wir zudem auf die Kombination von Schiene und Strasse und sparen damit rund 25 Prozent CO₂ gegenüber dem reinen Strassenmodell. Aber auch Gedanken zur Gebäudeisolierung in den Liegenschaften, effizienten Beleuchtungskonzepten, Solarstrom auf den Dächern oder den Arbeitswegen der Mitarbeitenden fliessen ein. 

Gibt es Tools zur Unterstützung? 
Die IT hilft der Branche enorm. Es gibt Systeme zur Spurverfolgung, die eine optimale Route berechnen und Leertransporte vermeiden können. Die Disposition kann für jeden Auftrag das nächste und passendste Fahrzeug aufbieten. Investitionen in solche Systeme sind aber teuer und nur über grosse Flotten amortisierbar. Ein KMU im Überlandbereich dürfte damit Mühe haben. 

Was können die Kunden beitragen?
Aus meiner Erfahrung möchten Kunden täglich Waren bestellen und erhalten können. Lassen sich diese Lieferungen auf zwei grössere Sendungen pro Woche verteilen, ist der Effekt bereits sehr hoch. Auch Terminsendungen machen eine Koordination für das Transportunternehmen schwieriger. Muss eine Lieferung nicht zu einer genauen Zeit erfolgen, können Routen deutlich effizienter gestaltet werden. 

Wird uns das Thema in Zukunft mehr beschäftigen?
Will sich ein Transportunternehmen eine führende Stellung wahren, muss es sich mit Green Logistics befassen. Sonst existiert es in zehn Jahren nicht mehr. Einerseits sind Umweltthemen heute eine Frage der Reputation. Andererseits ist das keine rein ökologische, sondern auch eine ökonomische Angelegenheit. Die Ressourcen werden knapper und teurer, die Kosten für ein Transportunternehmen nicht mehr tragbar. Massnahmen zu Green Logistics schützen also nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Geschäftserfolg.