Wir können es täglich beobachten – und das nicht nur zur Hauptverkehrszeit: Wie viele Städte leidet auch Zürich unter dem zunehmenden Verkehr. Der urbane Raum droht sprichwörtlich im Verkehr zu ersticken. Eine Ursache dieser Entwicklung ist die fortschreitende Urbanisierung und die Verdichtung der Städte. Hinzu kommt der Anstieg der privaten Mobilität.

Mitverantwortlich ist jedoch auch die Zunahme des Güterverkehrs. Durch die hohe Attraktivität von Metropolen wie Zürich steigt die Zahl der Menschen, die alle mit Gütern versorgt werden müssen. Der längst selbstverständlich gewordene Internethandel und die damit verbundene direkte Anlieferung der Waren erhöhen den Güterverkehr zusätzlich und führen damit zu einer weiteren Verknappung des Verkehrsraums in Zürich und seiner Agglomeration.

Hinzu kommt, dass auf Grund der steigenden Mieten die Lagerflächen weit an den Stadtrand hinaus verdrängt werden, was weitere Transportwege und zusätzliche Fahrten erfordert. Betrachtet man diese veränderten Rahmenbedingungen, so wird die Gefahr eines «Verkehrsinfarktes» sehr deutlich.

Wir brauchen mehr ­Bündelung von Gütertransporten

Um diesen Herausforderungen wirkungsvoll und nachhaltig zu begegnen, sind umfangreiche Massnahmen erforderlich. Das Institut für Nachhaltige Entwicklung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat eine führende Rolle in der Erforschung des Themas Urbane Mobilität und Logistik übernommen. Untersucht werden mögliche Lösungen für die Bereiche Personenmobilität und Güterlogistik. Ein Ansatz um diese citylogistischen Herausforderung zu meistern, ist die Reduktion von Einzelfahrten.

Es fällt auf, dass beispielsweise Paketanlieferungen in einem Quartier und selbst an eine Adresse durch mehrere Paketdienstleister erfolgen. Bei Abwesenheit des Kunden sind diese Fahrten gleich mehrmals nötig. Man sollte daher versuchen die Kooperation von Logistikdienstleistern zu verbessern. Weiterhin könnte durch die Zusammenfassung von Sendungen die Gesamtzahl der Abholungen und Auslieferungen verringert werden. Stefan Dingerkus von der ZHAW schlägt dazu unter anderem eine gebündelte Auslieferung und Abholung von Sendungen vor, welche in Kooperation der Logistikpartner über stadtnahe Verteilzentren durchgeführt werden.

Dank der anbieterunabhängigen Weiterverteilung, so der Logistikexperte, könnten der Verkehrsraum und auch die Umwelt entlastet werden. Emissionsfreie Fahrzeuge, gekoppelt mit einem optimierten Routen- und Tourenplanungssystem, könnten zusätzlich zu einer verbesserten Auslastung der Fahrzeuge und somit zu einer weiteren Reduktion der Umwelt- und Verkehrsbelastung führen, erklärt der Dozent für Integrale Logistik.

Handel und Logistik müssen stärker kooperieren

Hierzu sind Handel und Logistikdienstleister grundsätzlich bereit. Die Versorgungssicherheit darf natürlich nicht eingeschränkt werden. Doch warum fehlt es noch immer an konkreten Massnahmen? Für die beteiligten ­Unternehmen stehen bei einer eventuellen Umorganisation ihrer Logistik ­zunächst Kosten- und Marketingüberlegungen im Vordergrund. Wettbewerbsüberlegungen spielen natürlich bei Kooperationen ebenfalls eine wichtige Rolle. Vor allem fehlen noch immer genaue Daten über das exakte Optimierungspotenzial.

Verlässliches Zahlenmaterial, das die ökologischen und ökonomischen Effekte einzelner Massnahmen überzeugend untermauert, ist ein ganz entscheidendes Argument, um gemeinsam an einem Strang ziehen zu können. Das Zusammenspiel zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft wird bei der Lösungsfindung zusätzlich eine entscheidende Rolle spielen.

Herr Dingerkus fordert abschliessend: «Es müssen zunächst die verschiedenen Alternativen formuliert und deren Auswirkungen auf Kosten, Umwelt, Verkehr, Lärm sowie auf die Qualität der Logistikleistungen erforscht werden. Dann kann auch für Zürich eine optimale Lösung entwickelt und umgesetzt werden.»