Logistik ist überall, denn Produkte wachsen nicht im Laden. An jeder Stelle der Wertschöpfungskette sorgen Menschen dafür, dass sie nicht unterbrochen wird. Sie koordinieren die Warenströme von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis ins Verkaufsregal. Deshalb sind logistisch ausgebildete Fachkräfte von der Wirtschaft immer gesucht.

Das Tätigkeitspektrum reicht von der Sachbearbeitung in einem Teilprozess der Logistik bis hin zur Leitung des Supply Chain Managements. «Viele Fachkräfte der Logistik sind auf der praktischen Schiene zu Führungsaufgaben gekommen und möchten nun auch theoretisches Wissen erlangen», sagt Stefan Dingerkus. Er leitet den Studiengang MAS Prozess- und Logistikmanagement an der ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. «In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts ist das auch nötig.

Zu methodischen Fragestellungen kommen Aspekte internationalen Rechts, betriebswirtschaftlicher Besonderheiten oder technischer Unterschiede. Haftungen, Zuständigkeiten, Zahlungsweisen, Verträge und viele weitere Themen gilt es zu beherrschen – und diese Herausforderungen werden nicht weniger», betont Dingerkus. So vielseitig wie die Aufgaben im Berufsalltag sind auch die Aus- und Weiterbildungen im Fachbereich Logistik. Grundsätzlich lassen sich zwei Wege unterscheiden: Die höhere Berufsbildung oder eine akademische Ausbildung.

Praxisnähe durch höhere Berufsbildung

Der höheren Berufsbildung sind die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen sowie die höheren Fachschulen zuzurechnen. Absolventen einer höheren Berufsbildung qualifizieren sich für anspruchsvolle Fach- und Führungsaufgaben. Die prüfungsrelevanten Kenntnisse und Fähigkeiten werden generell direkt von den Branchenverbänden definiert und laufend den aktuellen Anforderungen angepasst.

Der starke Praxisbezug ist in der höheren Berufsbildung zentral. Die auf den Berufsprüfungen aufbauenden höheren Fachprüfungen qualifizieren ausgewiesene Experten im jeweiligen Berufsfeld und bereiten sie auf anspruchsvolle Führungsfunktionen vor. Die Inhalte der höheren Fachschulen haben eine fachlich breitere Ausrichtung als die der Berufs- und Fachprüfungen. Für diese Prüfungen wird eine mehrjährige, breite Berufserfahrung in leitender Position vorausgesetzt. Die Teilnehmer der höheren Berufsbildung können sich in einem Teilbereich der Logistik spezialisieren – sei es in der Beschaffungs-, Produktions-, Lager-, Distributions- oder Entsorgungslogistik – oder aber generalistische Abschlüsse erlangen.

Diese umfassen Inhalte der gesamten Logistik oder gar der gesamten Supply Chain. Der Logistikleiter, Supply Chain Manager oder Logistikfachmann hat im Vergleich zum Fachspezialisten jedoch weniger Detailwissen. Wer sich für eine Aus- und Weiterbildung an den höheren Fachschulen oder über den akademischen Weg der Fachhochschulen und Universitäten entscheidet, wird ohnehin als Generalist ausgebildet. 

Akademische Weiterbildung an Fachhochschulen und Universitäten 

In der Schweiz können auf akademischem Weg das Certificate of Advanced Studies (CAS), Diploma of Advanced Studies (DAS) sowie der Master of Advanced Studies (MAS) erlangt werden. Die ZHAW beispielsweise bietet neben ihren DAS- und CAS-Programmen in diesem Bereich auch einen MAS in Prozess- und Logistikmanagement an. MAS richten sich in der Regel an Absolventen eines universitären Erstabschlusses oder einer gleichwertigen Ausbildung und mit mehrjähriger beruflicher Erfahrung.

Anders als in der höheren Berufsbildung liegt der Fokus hier stark auf der Vermittlung von Konzeptwissen und dem wissenschaftlichen Arbeiten. Ruedi Henke erlangte sein berufsbegleitendes Diplom in Logistikmanagement an der Universität St. Gallen (HSG). Für diesen Abschluss verleiht der europäische Logistikverband zusätzlich den Titel des European Master Logistician at the Strategic Level. Henke führte vor und während seinem Studium in der Schweizerischen Post einen Linienbereich mit rund 1700 Mitarbeitenden. Daneben war er als Teilprojektleiter oder Fachspezialist engagiert.

«Das Studium sollte mir helfen, meine umfangreichen Kenntnisse in diesem Bereich auf den aktuellen Stand zu bringen. Und ich wollte mir zusätzliches Rüstzeug für weitere Herausforderungen zulegen», erzählt Henke. Ein halbes Jahr nach dem Abschluss seines Studiums wurde ihm die Leitung des aktuell grössten Logistikprojektes der Schweizerischen Post anvertraut. Und in strategische Diskussionen und konkrete Konzeptionen und Vorhaben für die Zukunft ist Projektleiter Henke intensiv und teilweise gar federführend eingebunden.