Will die Schweizer Wirtschaft ihre Wettbewerbskraft auch nach der Aufhebung des Mindestkurses zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro erhalten, braucht sie nicht nur innovative Produkte, die sich im Weltmarkt behaupten können. «Sie braucht immer mehr auch innovative Prozesse, wie diese Produkte effizient zu den Kunden gelangen können», sagt Stefan Dingerkus. «Kurze Transportzeiten, hoher Service, gesicherte Warenverfügbarkeit und das Customizing spielen dabei eine wichtige Rolle und sind ganz zentrale Herausforderungen für die Logistik.»

Die Bildungslandschaft

Um diese technischen Prozesse zu optimieren, braucht es kompetente Logistik-Fachleute – und hier kommt die Bildungslandschaft ins Spiel. Heute gibt es den Weg einer Lehre, einer Berufsmatur und einer höheren Fachprüfung sowie Studiengänge in Supply-Chain- oder Logistik-Management an der HSG in St. Gallen oder in Betriebsökonomie an der ETH Zürich. Ausserdem gibt es verschiedene Studiengänge an Fachhochschulen. Da die Logistik aber häufig ausschliesslich als Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre angesehen wird, richten sie sich alle eher an Kaufleute als an technisch Interessierte. «Die technische Ausprägung der Logistik wird vielfach unterschätzt», sagt Dingerkus. «Logistik ist eine Querschnittsdisziplin und braucht sowohl Kenntnisse aus dem organisatorisch-betriebswirtschaftlichen als auch aus dem technischen und Informatik-orientierten Bereich.»

Die Herausforderungen

Umso mehr wünschen sich auch technisch Interessierte Angebote, um sich methodisch und theoretisch weiterbilden können. Dafür gibt es an der ZHAW School of Engineering beispielsweise CAS-, DAS- oder MAS-Weiterbildungsangebote im Prozess- und Logistikmanagement. Den MAS-Studiengang kann die ZHAW School of Engineering derzeit allerdings nicht anbieten. Eine kantonale Vorschrift besagt, dass mindestens die Hälfte der MAS-Teilnehmenden einen Hochschulabschluss haben muss. «Die meisten Interessierten sind aber Logistiker oder Supply-Chain-Techniker, die auf der praktischen Schiene begonnen haben und sich nun als Fach- und Führungskräfte auch theoretisches Wissen aneignen wollen», sagt Dingerkus. «Das ist ein Dilemma für alle Beteiligten. Fachkräfte bleiben Mangelware und müssen daher oftmals importiert werden. Die Bildungslandschaft sollte sie jedoch vermehrt selber ausbilden. Die Schweiz als kleiner Markt mit weltweiter Präsenz macht es sich unnötig schwer, wenn sie da nicht investiert.»