Die Internationalisierung des Warenaustauschs nimmt seit Jahren stetig zu. Dabei werden eigene Wertschöpfungstiefen abgebaut und Waren aus der ganzen Welt importiert, ins Ausland verkauft oder dort gefertigt. Das führt zu einer höheren Transportintensität und erfordert leistungsfähige Infrastrukturen.

«Diese Megatrends gelten auch für die Schweizer Logistikszene», erklärt Prof. Dr. Wolfgang Stölzle, Inhaber des Lehrstuhls für Logistikmanagement an der Universität St.Gallen.«Die Infrastruktur in der Schweiz wird aber eher schleppend ausgebaut, obwohl das Land jetzt schon an seine Grenzen stösst. Langfristig müssen wir darüber nachdenken, Infrastrukturen auszubauen, auch wenn es ökologische und gesellschaftliche Bedenken gibt», mahnt Stölzle.

Logistik muss Wachstum bewältigen

Die Schweizer Logistikbranche verzeichnet ein überdurchschnittliches Wachstum, schon allein wegen des hohen Aussenhandelsanteils. «Mehr Strassen- oder Schienenverkehr hingegen will jedoch kaum jemand akzeptieren», erklärt Stölzle. Den Warenaustausch zu begrenzen hiesse aber, radikal in das Wirtschaftssystem einzugreifen. Dies hätte nicht nur für Konsumenten und den Handel gravierende Folgen, sondern auch für den Arbeitsmarkt. «Die Branche ist einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes.» Derzeit arbeiten etwa 170 000 Menschen in der Logistik.

Nicht eingerechnet sind die Arbeitsplätze, die indirekt von der Branche abhängig sind. Prof. Stölzle hat mit seinem Team gerade die neueste Studie zum Schweizer Logistikmarkt vorgelegt. Diese zeigt zwar, dass die Logistikbranche heute stärker als relevante Grösse der Wirtschaft wahrgenommen wird als noch vor ein paar Jahren. Trotzdem erfordere es weitere Aufklärung über die beachtliche Bedeutung der Branche, nicht nur für den Warenaustausch und damit für den Wohlstand, sondern auch in Bezug auf die Beschäftigungszahlen.

«Dafür müssen wir mehr Bewusstsein schaffen», so Stölzle. Als Arbeitgeber schneide die Logistik im Branchenvergleich immer noch schlecht ab. Dabei seien hier vielfältige und anspruchsvolle Aufgaben zu finden. «Die Anforderungen an die Mitarbeiter in den mittleren und oberen Führungsebenen sind massiv gestiegen. Mit dem Ergebnis, dass wir viel zu wenig qualifizierte Logistikfach- und führungskräfte haben», so der Experte.

Ein attraktiver Arbeitgeber wird noch unterschätzt

«Es wäre zu wünschen, dass sich mehr Menschen für eine Branche interessieren, die wirklich Zukunft hat.» Unterschieden werden zwei grosse Einsatzbereiche der Logistik. Zum einen sind es die Logistikdienstleister in all ihren Ausprägungsformen, zum anderen die Logistikbereiche von Unternehmen aus ­Industrie und Handel. Bei den Dienstleistern führt der Weg von einer Ausbildung über verschiedene Positionen in den Niederlassungen bis zu deren Leitung oder der Netzwerksteuerung.

In den Logistikbereichen der verladenden Wirtschaft kann eine kaufmännische oder technische Ausbildung den Karrieregrundstein legen, ebenso auch ein Hochschulstudium. Das Spektrum für logistische Aufgaben ist breit: Operativ im Lagergeschäft als Bestandsmanager, in der Fertigung als Disponent oder im Einkauf mit der Zuständigkeit für fremdbezogene Logistikdienstleistungen.

Als Chief Operations Officer oder Supply Chain Manager ist eine Leitungsfunktion auf Geschäftsleitungsebene verankert. Diese umfasst etwa die (partielle) Verantwortung für Einkauf und Beschaffung, Produktion, Distribution und Logistik. Um Nachwuchskräfte zu sichern, ist das Angebot in Aus- und Weiterbildung in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut worden. «Diese Optionen werden über alle Levels und Altersstufen in der Schweiz gut angenommen», so Stölzle. Trotzdem könne der Bedarf derzeit nur mithilfe von ausländischen Arbeitskräften gedeckt werden.