Als Initiator der Nordostbahn, der späteren SBB und der Gotthardbahn prägte der 'Eisenbahnkönig' Alfred Escher wie kaum ein anderer die Schweizer Verkehrs-, Transport- und Logistiklandschaft. Alfred Escher gilt auch heute noch als die herausragende wirtschaftspolitische Persönlichkeit in der Schweiz des 19. Jahrhunderts. In der Gründerphase unseres Bundesstaates gelang es ihm, das dynamische Umfeld zu nutzen und Mitstreiter um sich zu scharen. Als erstes Mitglied wurde Alfred Escher (1819–1882) in die 'Logistics Hall of Fame Switzerland' aufgenommen und damit postum gewürdigt.

Steile Karriere in jungen Jahren

Nach heutigen Gesichtspunkten wirkt die politische Karriere von Alfred Escher kometenhaft, aber auch nahezu unrealistisch. Mit 26 Jahren war er bereits Grossrat des Standes Zürich; nur wenige Jahre darauf folgte der Einsitz in der Kantonsregierung. Ab 1848 politisierte Escher auch im nationalen Parlament. Zahlreiche weitere Ämter und Präsidien kamen in dieser Zeit hinzu. Rasch wurden Eschers Weitblick und sein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick entdeckt und er wurde in zahlreiche Kommissionen berufen. Seine Erfolgsphase dauerte von 1848 bis in die frühen 1860er-Jahre. In diesem Zeitraum realisierte Escher die wichtigsten seiner für die Schweiz so bedeutenden wirtschaftlichen und politischen Erfolge wie etwa:

  • 1852 Gründung der Nordostbahn
  • 1854 Gründung des Eidgenössischen Polytechnikums (heute ETH Zürich)
  • 1856 Gründung der Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse)
  • 1857 Gründung der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt (heute Swiss Life).

Konsequente Verbindung zwischen Wirtschaft, Finanzen und Technik

Die Synergien, die er zwischen Politik, Eisenbahn-, Finanz- und Bildungswesen geschaffen hat, verhalfen der Schweiz zu einem ungeahnten Aufschwung. Schlüssel dabei war sicher der Eisenbahnbau. Politik und Wirtschaft mussten zusammengehen, um den anstehenden Herausforderungen gewachsen zu sein. Zur Durchsetzung der grossen Infrastrukturvorhaben brauchte es die grundsätzlichen Mehrheiten, die Escher im Nationalrat hatte. Escher wusste seine Macht und seine Einflussmöglichkeiten gezielt zum Wohl der Schweiz einzusetzen. Er trug wesentlich zur verkehrstechnischen Erschliessung des Landes und dessen Anschluss an die Welt bei. Unter diesem Aspekt steht auch die Gründung der Schweizerischen Kreditanstalt, die den Ausbau und die Finanzierung des Eisenbahnnetzes ermöglichte.

Ruhm und Niedergang liegen nahe beieinander

Mit der erfolgreichen Realisierung des Gotthardprojekts setzte Escher seinem Lebenswerk die Krone auf. Im Leben von Alfred Escher gab es auch eine Tragik. Dies ist auch der Biografie „Alfred Escher (1819–1882). Aufstieg, Macht, Tragik“ von Joseph Jung zu entnehmen. Ausgerechnet das Gotthardprojekt, mit dem er Weltgeschichte schrieb und das den Höhepunkt seines Wirkens zum Wohl der Schweiz darstellte, geriet ihm persönlich zur grössten Niederlage. Durch die Verschiebung der politischen Machtverhältnisse ging auch die Unterstützung seiner Infrastrukturprojekte verloren. Alfred Escher wurde 1878 gezwungen, als Direktionspräsident der Gotthardbahn-Gesellschaft zurückzutreten. Trotzdem gelang ihm vor mehr als 125 Jahren mit der fertig gebauten Gotthardbahn ein Jahrhundertprojekt, das heute noch weltweite Anerkennung findet.

INFOS

  • Mit der Logistics Hall of Fame Switzerland zeichnet die Stiftung Logistik Schweiz seit 2015 Persönlichkeiten aus, die sich um die Förderung und Weiterentwicklung von Logistik und Supply Chain Management in der Schweiz in besonderem Masse verdient gemacht haben.
  • Die ersten beiden Auszeichnungen erhielten Alfred Escher und Hansheinrich Zweifel. Escher veränderte die Schweizer Verkehrs-, Transport- und Logistiklandschaft nachhaltig bis in die heutige Zeit. Zweifel erkannte als Gründer, Inhaber und ehemaliger Patron der Zweifel Pomy-Chips bereits vor über 50 Jahren die Logistik als wichtigste strategische Erfolgskomponente.
  • Derzeit wird das nächste Mitglied dieses exklusiven Kreises gesucht. Bis zum 30. September 2015 sind Nominierungen und Anmeldungen möglich. Das neue Mitglied wird im Mai 2016 feierlich verkündet.
  • Die Logistics Hall of Fame bietet nicht nur Ruhm und Ehre, sondern unterstützt Menschen im beruflichen Umfeld von Logistik und Supply Chain Management zudem finanziell. Jeder finanzielle Gewinn fliesst direkt der Stiftung Logistik Schweiz zu.
  • Die Stiftung verfolgt den Zweck, die berufliche Entwicklung von Personen im Umfeld Supply Chain Management, Logistik, Einkauf sowie Spedition und Transport zu unterstützen und damit das Ansehen der Branche und des Berufsbildes zu fördern.