Das betrifft auch die Schweizer KMU. Die Zahlen schrecken auf: Der European Payment Index (EPI) 2014 zeigt, dass sich die abgeschriebenen Forderungen in Europa mittlerweile auf 360 Milliarden Euro belaufen. Allein in der Schweiz stiegen die Zahlungsausfälle von 7,8 Milliarden Franken im Vorjahr auf 8,3 Milliarden. 41 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen melden Liquiditätsengpässe als Folge von verspäteten Zahlungen. 76 Prozent der Befragten in der Schweiz geben an, keine Belebung der Konjunktur gespürt zu haben. Dies hat Konsequenzen: In der Schweiz nehmen 15 Prozent der Unternehmen keine Neueinstellungen vor, 10 Prozent greifen zum Mittel der Entlassung.
 

Klagen über Klagen

«Zahlungsverzug und Zahlungsausfall beschleunigen eine negative Kettenreaktion, die zu weitreichenden Massnahmen im Falle von Liquiditätsengpässen führen kann», warnen unterdessen Finanzinstitute. Am schlimmsten betroffen sind kleine und mittelständische Unternehmen, also Firmen, die für den Grossteil des Wachstums verantwortlich sind. 55 Prozent aller 10 000 Unternehmen, die am EPI 2014 teilgenommen haben, klagen darüber, dass sie unter zu spät oder gar nicht bezahlten Rechnungen zu leiden hätten. 36 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Firma durch Zahlungsausfälle gefährdet ist, und jede zweite Firma sieht sich nicht in der Lage, einen mittelfristigen Geschäftsausbau anzustreben. Sogar in Deutschland, Europas grösstem Wirtschaftsraum, gaben die Unternehmen an, sie hätten unter fehlender Liquidität zu leiden.
 

Kein Aufschwung in Sicht

«Man muss sich einmal vorstellen, den europäischen Firmen würden die fehlenden 360 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, um sie in ihre Unternehmen zu investieren, statt sie jährlich abschreiben zu müssen», gibt ein Finanzexperte zu bedenken. Und: Wenn alle Forderungen und Rechnungen fristgerecht bezahlt würden, könnten weitere Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft geschaffen werden. «Deshalb ist das Forderungsmanagement eines Unternehmens der Schlüssel zu einer gesunden und nachhaltigen Wirtschaft.» Nur wenige Unternehmer, die für den EPI 2014 befragt wurden, nehmen im Übrigen Anzeichen eines Aufschwungs wahr. 72 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den letzten drei Monaten keinerlei positive Auswirkung einer wirtschaftlichen Erholung festgestellt hätten. Diese Hoffnungslosigkeit und fehlenden Perspektiven gelten für die Mehrheit der befragten Unternehmen in allen Ländern.
 

Effizientes Mahnwesen

Im EPI 2014 werden Massnahmen aufgelistet, die man als Unternehmer ergreifen kann, um den Cashflow zu verbessern und Forderungsausfällen vorzubeugen. Kreditgeber raten dazu, verbindliche Kreditrichtlinien zur Risikominimierung und zur Umsatzsteigerung zu erstellen und zu implementieren. Sinnvoll sei, jeden Schritt des Credit-Management-Prozesses zu beobachten und bei jedem Schritt nachzufassen, wird weiter betont. «Stellen Sie gleichzeitig sicher, dass Sie die Kunden kennen, mit denen Sie Geschäfte tätigen», lautet der Tipp eines Experten. Ebenso gelte es, klare Vereinbarungen mit den Kunden zu treffen, in denen alle Bedingungen für das Geschäft festgelegt werden. Hilfreich sei, den Verkauf, das Marketing und die Buchhaltung mit einzubeziehen und einen effizienten Rechnungsstellungsprozess zur Verhinderung von Zahlungsausfällen zu erstellen. «Wichtig ist auch, dass man Wirtschafts- und Brancheninformationen wie zum Beispiel die Bonität der wichtigsten Kunden und deren Firmenadresse regelmässig überprüft», wird KMU-Unternehmern empfohlen. Zugleich müssten Verluste nachhaltig gesenkt und Kundenbeziehungen durch die individuelle Anpassung der eigenen Prozesse auf der Grundlage von Zahlungsmoral und Zahlungsfähigkeit gestärkt werden. Tendenziell auf der sicheren Seite ist, wer auf ein schnelles und effizientes Mahnwesen setzt und gegebenenfalls Verzugszinsen verrechnet. Grundsätzlich gilt: Wenn es darum geht, den Zahlungseingang zu sichern, müssen sofort Massnahmen ergriffen werden. Einfach abwarten ist ein schlechter Ratgeber. Wer sich an diese Devise hält, geht unter dem Strich markant weniger Risiken ein.